# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S270 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 270 Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. halten; allenfalls für ein aus allerwärts zusammengesuchten lutherischen Stoffen mit moderner Seide zusammengenähetes Kleid. Kurzum, wenn das Vorhaben der Bibelveränderung mit dem Vorgeben einer sogen. Revision des lutherischen Textes und mit dem Hinweis auf die gläubigen und gelehrten Leute, die sich für das Werk ausgesprochen und es in die Hand genommen haben, gerechtfertigt werden soll, so behält unser oben ausgesprochener prin⸗ cipieller Gegensatz seine volle Kraft. Aber man versucht noch durch andere Beweisgründe die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Revision darzuthun. Zuerst wird behauptet: „Die göttliche Autorität und normative Dignität, welche die heil. Schrift besitzt oder ihr von der Kirche beigelegt wird, haftet an den Grundtexten, nicht an irgend einer Uebersetzung. Auf jene sind wir gewiesen, nicht auf diese. Wenn hier etwas unantastbar ist, so sind es jene, nicht diese. Von allen Uebersetzungen gilt das Wort: Prüfet alles, und das Gute behaltet. Diejenige Uebersetzung ist die beste, welche den Sinn des Ori⸗ ginals am genauesten und treuesten wiedergibt. Daß nun die lutherische Uebersetzung den Sinn vielfach verfehlt, wird selbst von ihren eifrigsten Ver⸗ theidigern, sofern sie überhaupt urtheilsfähig sind, nicht in Abrede gestellt. Was kann also die evangelische Kirche abhalten, sie durch eine getreuere und richtigere zu ersetzen, oder wenn sie aus verschiedenen Gründen beibehalten werden muß, sie wenigstens von Vers zu Vers zu revidiren und überall, wo sie vom Grundtexte abweicht, mit demselben in Uebereinstimmung zu bringen? Wer dawider ist, der ist ein blinder Verehrer des Alten und nicht ein Freund der Wahrheit, sondern der Gewohnheit. Wie kann ein bibelgläubiger Pro⸗ testant es verantworten, daß er der Gemeinde Menschen Wort für Gottes⸗ Wort bietet, und dazu beiträgt, irrige Vorstellungen unter frommer Firma fortzupflanzen? Dazu kommen die häufigen veralteten, ja selbst unverständ⸗ lich gewordenen Ausdrücke, welche eine Veränderung dringend erheischen." — Es steht sehr dahin, ob die Revisionsfreunde diese ihre Rede selbst ver⸗ stehen, sie würden sie sonst wohl etwas vorsichtiger formuliren. Denn hier liegt etwas zu Grunde, was nicht als bloßer Mißverstand, sondern als großer Unverstand zu bezeichnen ist: die völlige Unkenntniß des Unterschiedes von „Gottes Wort" und „Menschen⸗Wort." Diesen Unterschied fassen alle Bibelrevisoren, alte wie neue, im Geiste und Sinne Zwingli's und Calvin's auf. Ihre Meinung, wiewohl sie das nimmermehr eingestehen, im Gegentheil als schändliche Verleumdung zurückweisen werden, läuft zuletzt darauf hin⸗ aus, die heil. Schrift sei auch im Grundtexte nur Menschenwort, denn ein Wort Gottes gebe es überhaupt gar nicht. Sie gehen nämlich von dem Wahne aus, Gottes Wort könne blos κατὰ ῥητόν, nicht auch κατὰ διάνοιαν vor⸗ handen sein. Aus diesem Wahne heraus erklären sie blos die hebräische und griechische Bibel für „Gottes⸗," jede Uebersetzung ohne weiteres schlechtweg für „Menschenwort." Am verdüstertsten ist in diesem Punkte unstreitig Stier. Er behauptet noch heute steif und fest, das göttliche Wort hätten wir aus⸗ schließlich in den biblischen Grundtexten, — und bezeichnet es dennoch als vollendeten, keine Verständigung mehr zulassenden, Blödsinn, daß ich aus