# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S116 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) theils um der Kommunikanten willen, theils um des Gewiſſens der Prediger willen. Um der Kommunikanten willen: denn dem Ge⸗ nuſſe des heiligen Abendmahles ſoll nach der Er⸗ mahnung Pauli 1 Corinth. 11,28. Selbſtprüfung vorausgehen. Jede redliche Selbſtprüfung muß uns aber nothwendig zu tieferer Sündenerkenntniß bringen, und dieſe erzeugt leicht die Beſorgniß der Unwürdigkeit des Genuſſes, welche, mag eine ſolche Unwürdigkeit wirklich vorhanden ſein oder nicht, nicht wirkſamer als durch reuige Beichte und Hinnehmen der Abſolution vom Herzen weg⸗ genommen werden kann. Um der Gewiſſen der Prediger willen: denn dieſe dürfen ja wiſſentlich keinem Unwürdigen das heilige Abend⸗ mahl reichen. Ebenſowenig als ein Erwachſener getauft werden darf, ohne das vorhergehende Be⸗ kenntniß, daß er von ganzem Herzen an JEſum Chriſtum glaube, darf Jemand zum Sakrament des Altars hinzugelaſſen werden, bei dem deutlich erkennbare Zeichen der Unbußfertigkeit vorhanden ſind. Die Beichte vor der Kommunion erſcheint ſomit als eine weiſe Ordnung der Kirche, die dem Worte Gottes gemäß iſt und nicht mit ſolchen Menſchenſatzungen zuſammengeworfen werden darf, die in Widerſpruch mit dem Worte Gottes ſtehn. Sind wir aber durch Gottes Befehl ver⸗ pflichtet, aller menſchlichen Ordnung unterthan zu ſein, 1 Petr. 2, 13., inſoweit nichts durch Gottes Wort Verbotenes von uns gefordert wird, ſo gilt dies gewiß am meiſten von der kirchlichen Ordnung, welche auf unſer geiſtliches Beſte ab⸗ zweckt, und uns zu freiwilligem Gehorſam ver⸗ bindet, den nur geiſtlich Stolze, die den Frieden haſſen und ſelbſtſüchtig ihre eignen Wege gehen wollen, ihr verſagen werden. Noch ein Wort an dich, der du dieſes lieſeſt. Wie wird dir zu Muthe, wenn du auf das bisher aus klaren Schriftſtellen Erwieſene zurückblickeſt und damit den gegenwärtigen Zuſtand der Kirche vergleicheſt? Vielleicht iſt die Privatbeichte etwas dir völlig Unbekanntes, weil weit um dich her in den Kirchen keine Privatbeichte mehr gehalten wird, du haſt auch nie die Privatabſolution ver⸗ nommen, weil jetzt an den meiſten Orten nur über den ganzen Haufen der Kommunikanten die For⸗ mel: Ich verkündige euch die Vergebung der Sünden (die, wie man ſie gewöhnlich deutet, nur ein lebloſer Schatten der wahren Abſolution iſt,) geſprochen zu werden pflegt. Du haſt aus eigner Erfahrung den hohen Werth, die Herz⸗ durchdringende Kraft der Privatabſolution noch gar nicht kennen gelernt, und an eine Handhabung des Bindeſchlüſſels iſt in deiner Umgebung gar nicht zu deuken. Da iſt keiner, der nicht friſch weg abſolvirt würde; die Kommunikanten, größ⸗ tentheils dem Prediger gänzlich unbekannt, gehen ohne alle beſondere Vermahnung zum Tiſche des HErrn, ſelbſt die offenkundigſten Sünder, ohne daß ihnen auch nur ein Wörtlein geſagt würde, ſie aus ihrer fleiſchlichen Sicherheit aufzuſchrecken. Das iſt der Jammerſtand der Kirche, das iſt die Strafe des Abfalls ihrer Glieder, daß aller Schmuck von der Tochter Zion dahin iſt, daß der 116 daß von der Ausübung der Schlüſſelgewalt durch das Lehramt und der Kirchenzucht durch die Ge⸗ meine oder ihre Vertreter kaum noch ein Schatten übrig geblieben iſt. Das iſt der Schade Joſephs, über den alle redlichen Knechte IEſu Chriſti ſeuf— zen; die Knechtſchaft der Kirche, die Tag und Nacht an ihrem Herzen naget, und die ſie treibt unabläſſig zu fleben: HErr, wende unſer Gefäng⸗ niß, wie du die Waſſer gegen Mittag trockneſt, Pſalm 126, 4. Und du, mein lieber Chriſt, wenn du zur Beichte gehſt und du mußt, obſchon du deinen Seelſorger aufrichtig ehreſt, dennoch Gott die Ehre gebend, eingeſtehen, daß auch in deiner Gemeine die Schlüſſelgewalt nicht der unverſtüm— melten Ordnung Gottes gemäß gehandhabt wird — bitte Gott, daß er die Trümmer der Kirche wieder zuſammenfüge und baue, und laß uns mit ihm ringen im Gebet für ſein armes troſtloſes Zion, über die alle Wetter gehen, und ihn nicht laſſen, bis er uns ſegne. Anfechtung. Das iſt die gefährlichſte Anfechtung, wenn keine Anfechtung da iſt. Luther. (Eingeſandt.) Der Märtyrer Heinrich von Zütphen. Nach Luther. Märtyrer heißen in der chriſtlichen Kirche die⸗ jenigen Chriſten, welche die Wahrheit des Evan⸗ geliums mit ihrem Blute beſiegelt haben. Es hat etwas Ergreifendes, die Geſtalt eines Märtyrers zu betrachten. Sie iſt ſo verſchieden von allem, was wir in der Welt ſehen und hören, wie eine völlig fremde Erſcheinung; denn er iſt nicht von der Welt. Er entſagt allem, was die Welt liebt; er liebt, was die Welt haßt. Nicht als ob er fühllos wäre gegen Gottes Gaben, gegen das Leben, und ſeine unſchuldigen Freuden: er liebt ſein Vaterland, Freunde, Verwandte; aber um JIEſu willen giebt er es alles freudig dahin. Denn die Welt iſt ihm gekreuzigt und er der Welt. All' ſein Lieben, ſein Ein und Alles iſt JEſus, ihn lobt und preiſ't und bekennet er vor der Welt mit Wort und That, darum erduldet er heldenmüthig Schwerter und Flammen, noch im Tode voll Lobes des HErrn und voll Vergebung gegen ſeine Feinde. So ſtehet er da unter ſeinen Mördern, wie ein Lamm mitten unter reißenden Wölfen, leuchtet wie ein milder Himmelsglanz in finſtrer Nacht. Wie ſind wir dagegen ſo ſchwach, ſuchen wohl gar noch hie und da zu naſchen aus dem ſünd⸗ lichen Becher verboͤtener, weltlicher Luſt. Wie ganz anders der Märtyrer! Er hat völlig mit der Welt gebrochen, er geht ſo entſchieden und ritter⸗ lich durch die feindlichen Mächte hindurch ſeinen Gang zu Gott und weichet weder zur Rechten noch zur Linken. Die Welt zu verleugnen, Chriſtum zu bekennen vor Welt, Teufel und Antichriſt, iſt ſeines Herzens Freude und Wonne; ſo wirbt er freiwillig um das bittere Leiden des Todes. Und die allmächtige Kraft Gottes ſtärkt ihn in ſeinen Schmerzen, daß er beharret bis ans Ende, und die Sein Tod iſt die größte Glaubensthat, welcher ein Chriſt fähig iſt, ſein Blut die Ausſaat vieler Chri- ſten, ſein Name wird des glänzenden Vorbildes wegen von der Kirche ewig gefeiert. O daß dieſer Zeugengeiſt wieder auflebte! daß der edle Sinn der heiligen Märtyrer auch uns durchdränge, um des HErrn JéEſu willen alles zu thun und zu leiden. Sie haben ihn (den Teufel) überwunden durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihres Zeugniſſes; und haben ihr Leben nicht ge⸗ liebet bis an den Tod, Offenb. 12, 11.— Es war zur Zeit der Reformation, als ſich die chriſtliche Kirche, wie anderer Gnadenſchätze, ſo auch vieler heiliger Märtyrer erfreute. Nach langer ſchrecklicher Finſterniß war das ſüße Licht— des lieben Evangeliums wieder aufgeglänzt, und leuchtete ſtark und weit in die Lande, in denen es viele Anhänger fand. Zugleich aber rüſtete ſich auch der Menſch der Sünde, der Pabſt und ſein antichriſtliches Reich, um die Wahrheit aufzu— halten, welche er dadurch zu widerlegen ſuchte, daß er die Zeugen derſelben hinrichtete. Doch nur um ſo ſchneller fiel das römiſche Babel, denn der Tod der Heiligen iſt der herrlichſte Sieg ihres Glau⸗ bens über die Feinde des HErrn. Unter denen, welche damals ihr Blut um des Zeugniſſes IEſu willen vergoſſen, iſt Heinrich Müller von Zütphen. Derſelbe war Ma⸗ giſter der Philoſophie und Theologie und Anfangs Prior der Auguſtiner in Antwerpen, wurde aber von dort ſeines evangeliſchen Bekenntniſſes wegen vertrieben und kam, in der Abſicht nach Wittenberg zu ziehen, im Jahre 1522 nach Bremen. Von einigen frommen Bürgern aufgefordert, ihnen eine Predigt zu halten, weigerte er ſich nicht, dieſen Wunſch zu erfüllen. Da nun das Volk hörte, daß er Gottes Wort lehrete, wurde er von der ganzen Gemeinde dringend gebeten, bei ihr zu bleiben und ihr fernerhin zu predigen. Heinricus folgte dieſem Rufe und blieb zwei Jahre. In⸗= deſſen ruheten auch die Feinde des Evangeliums nicht. Die papiſtiſchen Domherren, Pfaffen und Mönche, welche damals „die Geiſtlichen“ hießen, ließen kein Mittel unverſucht, um ihn zu ver⸗ treiben. Allein ſeine Gemeinde und der Rath der Stadt Bremen ſchützten ihn gegen die tückiſchen Angriffe derſelben. So durfte Heinricus frei und freudig das Wort Gottes verkündigen, welches jj länger, deſto mächtiger wuchs. Ja! ſelbſt von den Capellanen, welche die Papiſten täglich in ſeine Predigt ſandten, daß ſie ihn in ſeinen Worten fingen, wurden einige bekehrt und die Mehrzahl von ihnen bekannte: „Solche Predigt iſt die Wahrheit und von Gott, welcher Niemand wider⸗ ſiehen kann; wir haben unſer Lebenlang von kei⸗ nem Menſchen ſolche Lehre gehört. Darum ſtehet vom Böſen ab und verfolget das Wort Gottes nicht, ſondern glaubet, auf daß ihr ſelig wer⸗ det.“ Als nun Gott der Allmächtige die Zeit erſahe, daß der fromme Heinricus mit ſeinem Blute die Wahrheit des Evangeliums, welche er gepredigt! hatte, beſiegeln ſollte, ſandte er ihn unter die Mörder. Denn es begab ſich im Jahre 1524, Feind ſeine Hand an alle ihre Kleinode gelegt, Krone unverwelklicher Herrlichkeit davon trägt. daß er von Nicolaus Boye, Pfarrer zu Mel⸗