# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S268 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 268 Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. hätten; ihnen, nicht jenen Semicredentibus und deren religionslosem De⸗ magogenanhange, werde das Werk in die Hände gegeben; — liege hierin nicht Garantie genug gegen mögliche Gefahren? Quod non! Durch diese captatio benevolentiae wird blos der eigentliche Thatbestand verdunkelt und in eine schiefe Stellung gebracht. Bei der Veränderung der alten Gesang⸗ bücher hätte man allenfalls die Trefflichkeit und Gläubigkeit ihrer „Verbesse⸗ rer" in Anrechnung bringen können; denn Gesangbuch, Agende und dergl. gehören nur zum Wohlsein, nicht zum Sein der Kirche. „Mit der bisherigen deutschen Bibel aber wäre den christlichen Gemeinden der Boden unter den Füßen weggenommen oder wankend gemacht," gleichviel ob von gläubigen, oder ungläubigen Händen. Darin liegt aber der leidige Jammer, daß auch die wirklich mit Glauben und Gelehrsamkeit begabten Freunde des Revisions⸗ projects nicht bedenken, was zu dieser unserer Zeit zum kirchlichen Frieden dient. Wollten sie, in der Gegenwart umherschauend, sich ernstlich die Frage stellen, wer denn nun eigentlich an der recipirten Bibel Anstoß nehme, sie könnten schwerlich eine andere Antwort finden, als die der Ev. Kirchen-Zei⸗ tung. Denn es ist und bleibt wahr: „Der Kern unseres Volkes, in dem noch Liebe zu Gott und seinem Wort, ja überhaupt nur eine tüchtige, ehrenhafte Gesinnung wohnt," wird Luther's Bibel nimmermehr fahren lassen; „Beifall würde der Versuch, sie zu beseitigen, bei den Ungläubigen und Gleichgiltigen, und außerdem wohl nur bei den theologischen Doctrinärs, wohlmeinenden, aber unpraktischen Leuten, finden." — Hier hält man uns nun aber gleich den zweiten Einwurf entgegen, daß es sich ja bei der ganzen Unternehmung nur um eine „Revision der Lutherschen Uebersetzung" handle. „Weiter zu gehen (sagt die Canst. Bibelanstalt a. a. O.), etwa eine Neugestaltung der Bibelübersetzung, wenn auch auf Grund der Luther'schen, wie sie in neuerer Zeit mehrfach versucht worden ist, anzustreben, hält die unterzeichnete Anstalt weder für zeitgemäß, noch für ihre Aufgabe. Es sollen daher auch in den ver⸗ hältnißmäßig wenigen Stellen, in denen die unzweifelhaft unrichtige Ueber⸗ setzung Luthers eine Aenderung nothwendig zu erheischen scheint, diese in Perlschrift der ursprünglich Lutherschen nur hinzugefügt, nicht an deren Stelle gesetzt werden." — Nun ja, dieser Plan ist so bestechend, daß selbst mein wackerer H. S. in der Ev. Kirchen⸗Zeitung, wenn gleich mit einem „Aber" in margine, doch im Ganzen willig ist, „dem Bedürfniß einer Be⸗ richtigung einzelner unrichtig übersetzten Stellen" dadurch Genüge zu schaf⸗ fen, daß „nach dem Vorgange ältester Bibelausgaben die richtige Uebersetzung mit kleiner Schrift dem luth. Texte beigefügt wird, nur daß dieser selbst un⸗ angetastet bleibe." Mir ist dieses Auskunftsmittel stets mißlich und bedenklich vorgekommen. Ich denke dabei unwillkührlich an Luthers wohlerwogenes Wort: „Das junge und albere Volk muß man mit einerlei Text lehren, sonst werden sie gar leicht irre und wird alle Mühe und Arbeit verloren." Doch davon abgesehen, so beruht der ganze Plan der Canst. Bibelanstalt auf einer liebenswürdigen Täuschung. Blos eine „Revision" soll es sein! Aber was heißt „revidiren?" fragen wir Angesichts gleichnamiger be⸗