# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S267 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. 267 deutend gefunden worden, daß um ihretwillen eine ganz neue Bibelüber⸗ setzung oder eine veränderte Ausgabe der alten kirchlich einzuführen versucht wäre. Erst seitdem der Unglaube sich aus der Verborgenheit hervor zu wagen anfing, wurden Versuche gemacht, die lutherische Uebersetzung durch eine an⸗ dere zu verdrängen. Aber zu tief war die Anhänglichkeit an dieselbe und die Verehrung vor ihr im evangelischen Volke gegründet, als daß solche Versuche von Erfolg wären begleitet gewesen. Während der alte kirchliche Liederschatz an den meisten Orten dem Unglauben und der modernen Geschmacksbildung erlag, blieb die lutherische Bibel in unerschüttertem Ansehen und Gebrauche. Auch die rationalistisch gesinnten Geistlichen und Kirchenregimente scheinen ihre Verdrängung entweder wirklich nicht für wünschenswerth, oder doch nicht für ausführbar gehalten zu haben. Und ohne Zweifel würde der Versuch sie zu verdrängen, bei den Gemeinden auf einen hartnäckigeren Widerstand gestoßen sein, als der war, welchen sie der Veränderung der Kirchenlieder ent⸗ gegengesetzt haben. Bei letzteren ließ sich doch immer mit einigem Scheine geltend machen, diese Lieder seien Menschenwerk. Die deutsche Bibel aber war dem Volke Gottes Wort, welches das Volk eben nur in dieser Form kannte und besaß. Wäre es damals den finstern Mächten gelungen, mit den alten Lie⸗ dern auch die lutherische Bibel zu beseitigen, so würde die deutsche evange⸗ lische Kirche einen Stoß bekommen haben, von dem sie sich vielleicht nie wie⸗ der erholt hätte. Das Wasser des Lebens, der wahre Gesundbrunnen wäre dem Volke halb oder ganz ungenießbar gemacht worden: wie hätte es sich an ihm die Gesundheit trinken sollen? Dieses Hauptmittel die Kirche zu zerstö⸗ ren, haben die damaligen Feinde der Kirche und ihres Glaubens sich ent⸗ gehen lassen, oder nicht in Anwendung bringen können. Was sie damals versäumt, suchen sie jetzt nachzuholen." Man betrachte doch einmal die eigentlichen Dränger nach Bibelrevision; sind sie Freunde oder Feinde des Evangeliums? Gehören die ärgsten Schreier nicht zu dem Schwarme der Zwinglianer, Unionisten, Lichtfreunde, Zukunftskirchenträumer, Enthu⸗ siasten? Rechnen sie bei ihrem Vorhaben nicht auf den unbedingten Beifall aller glaubenslosen Wissenschafter und Kritikaster? Und dürfen wir wohl zweifeln, daß der einmal erhobenen Bibelrevisions⸗Fahne nicht sogleich das gesammte zahlreiche Contingent der Frei⸗ und Schöngeister, Epikuräer und Mammoniten, überhaupt aller Kirchen- und Sittenliberalismus und alle Religions⸗ demokratie nachfolgen würde? Ein Kreuzzug wider die heil. Schrift, unter der Firma der „Bibelrevision," ja, das wäre längstersehntes Wasser auf das Zeitgeistrad unserer aufklärenden Fortschrittsmüller! Und gewiß! Das Werk würde solchen Meistern keine Schande machen; — das würden unsere Nach⸗ kommen ebenso fühlen, wie wir noch heute an dem Segen der Liederrevision zu kauen haben. — Dieser vom unleugbaren Sachverhalt ausgehenden, da⸗ her auch bei den Bibelrevisoren sich unwillkührlich geltend machenden prin⸗ cipiellen Auffassung ihres Projects versucht man durch einen doppelten Ein⸗ wand die Spitze abzubrechen. Zuvörderst weist man hin auf eine Anzahl treff⸗ licher, gläubiger Männer, die sich doch auch für die Bibelrevision ausgesprochen