# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S263 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Theologische Axiome. 263 Wiedergeburt und außerhalb der Kirche ist kein Heil. Also allenthalben, wo die Taufe verwaltet wird, da ist eine Kirche Christi. 39. „Sie unterscheiden nicht: irren und im Irrthum bleiben. Irren schadet der Kirche nichts, aber im Irrthum bleiben, das ist unmöglich; wie Christus spricht Matth. 24, 23., daß auch die Auserwählten in Irrthum geführt würden, wo es möglich wäre.“ (Luther.) 40. „Wobei sollte man sonst Unterschied nehmen, welches die rechte Kirche Christi und welche des Teufels Kirche sei, ohne bei dem Gehorsam und Ungehorsam gegen Christum; sonderlich so der Ungehorsam öffentlich erkannt und verstanden, sich frevelich und frechlich entschuldigt und recht haben will! Denn die heil. Kirche sündiget und strauchelt oder irret auch wohl, wie das Vaterunser lehrt; aber sie vertheidiget, noch entschuldiget sich nicht, sondern bittet demüthiglich um Vergebung, und bessert sich, wie sie immer kann: so ist's ihr vergeben; daß alsdann ihre Sünde nicht mehr Sünde gerech⸗ net wird. Wenn ich nun bei dem Gehorsam und verstockten Ungehorsam nicht soll erkennen, noch unterscheiden die rechte Kirche von der falschen, so weiß ich von keiner Kirche mehr zu sagen.“ (Luther.) 41. Voces illae, schisma et haeresis, si usum biblicum respicias, habent se, ut terminus latior et strictior. Nam schisma in sacris quamvis scissionem significat, sive ob dogmata sive ob ceremonias; haeresis autem sectam notat, phrasi scripturae, in primario fidei articulo errantem. (Calov.) Jene Worte, Spaltung und Rotte, wenn man den biblischen Gebrauch berücksichtigt, verhalten sich zu einander, wie der weitere und engere Begriff. Denn Spaltung bedeutet in der Schrift jede Trennung, geschehe sie nun um Glaubensartikel oder um Ceremonien willen; Rotte aber bezeichnet nach der Redeweise der Schrift eine Secte, welche in einem Hauptartikel des christlichen Glaubens irrt. 42. „Der heilige Geist hat 1 Cor. 3, 12. nicht heimlich, noch schwäch⸗ lich, sondern öffentlich und gewaltiglich geweissagt, daß in der heiligen Kirche würden mitunter sein hölzerne, ströherne, heuerne Bauleute d. i. Lehrer, die dennoch auf dem Grunde oder Fundament blieben, durchs Feuer wohl Schaden nähmen, doch selig werden müßten. Welches nicht kann von den Ketzern verstanden werden. Denn dieselbigen legen einen andern Grund. Diese aber bleiben auf dem Grund d. i. im Glauben Christi, werden selig und heißen Gottes Heiligen, haben gleichwohl Heu, Stroh, Holz, das durch's Feuer der heil. Schrift muß verbrennen, wiewohl ohne Schaden ihrer Seligkeit; wie St. Augustinus von sich spricht: Errare potero, haereticus non ero, ich mag irren, aber ein Ketzer will ich nicht werden. Ursach, Ketzer irren nicht allein, sondern wollen sich nicht weisen lassen, vertheidigen ihren Irr⸗ thum für recht und streiten wider die erkannte Wahrheit und wider ihr eigen Gewissen. Von solchen sagt St. Paulus Tit. 3, 10. 11.: Einen Ketzer sollt du meiden, wenn er eins oder zweier vermahnet ist, und sollt wissen, daß ein solcher verkehret ist und sündiget autocatacritos d. i. der muthwilliglich und wissentlich will im Irrthum verdammt bleiben. Aber St. Augustinus