# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S115 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Mittags mag das Tiſchgebet wie der Mor⸗ genſegen gebetet werden; nach der Mahlzeit werde aus der Bibel der Reihe nach vorgeleſen und zwar ein oder zwei Capitel aus dem Neuen Te⸗ ſtament. Sonntags kann auch der Abſchnitt aus der Bibel oder aus dem Katechismus für den Nach⸗ mittagsgottesdienſt vorgeleſen oder vom Hausva⸗ ter nachgefragt werden, was ſich die Hausgenoſ⸗ ſen aus der Frühpredigt gemerkt haben; den Schluß macht das Gebet nach Tiſche. Abends iſt die Hausandacht, beſonders um kleiner Kinder willen, ſogleich nach dem Abend⸗ eſſen zu halten; nach verrichtetem Tiſchgebete leſe der Hausvater ein oder zwei Capitel aus dem Alten Teſtament vor, frage auch wohl nach dem, was aus dem Nachmittagsgottes dienſt gemerkt worden iſt, ſinge oder leſe ein Lied, füge vielleicht einige Sprüche von der Erlöſung bei und laſſe die Kinder mit dem Abendſegen den Beſchluß machen. Beim Bibelleſen iſt ſehr zu rathen, daß der Hausvater wenigſtens zuweilen Umfrage halte, in welches Hauptſtück, namentlich der drei erſten, das Vorgeleſene gehöre. Alles, worin von guten Werken oder von Sünden die Rede iſt, gehört in das erſte Hauptſtück, alles, was davon handelt, was Gott ſeinen Gläubigen ſchenkt durch die Schöpfung, Erlöſung und Heiligung, gehört in das zweite Hauptſtück, und alles Gute, um das wir, ſo wie alles Böſe, wogegen wir Gott anrufen ſollen, gehört in das dritte Hauptſtück, oder kurz zu ſagen: Alles Thun und Laſſen gehört in das erſte, alles Glauben und Hoffen in das zweite und alles Bitten und Danken in das dritte Hauptſtück. Es ſtelle ſich nur Niemand dieſe Uebung zu ſchwer vor und verliere nicht den Muth, wenn nicht ſogleich die erſten Verſuche gelingen; man fange mit den leichteſten d. i. mit ſolchen Stellen an, bei denen kein langes Nachſinnen nöthig iſt und wobei auch oft die über den Capiteln befind⸗ lichen Ueberſchriften gute Fingerzeige geben, z. B.: in welches Hauptſtück gehört die Beſchreibung der ſechs Schöpfungstage 1 Moſ. 1.?“ Antwort: in das zweite und den erſten Artikel. Wohin gehört die Einſetzung des Sabbaths 1 Moſ. 2, 2. 3.2 Antwort: in das dritte Gebot. Dieſe Uebung bringt vielfachen Nutzen; ſie vermehrt die Auf⸗ merkſamkeit beim Bibelleſen, ſie ſchärft das Nach⸗ denken, ſie hilft das Geleſene beſſer zu behalten und zu bewegen, und überhaupt Gottes Wort heilig zu halten, gerne zu hören und gerne zu ler⸗ nen, ſie führt tiefer in das Verſtändniß des Kate⸗ chismus und ſomit in den Zuſammenhang der reinen Lehre und je fleißiger dieſe Uebung ange⸗ ſiellt wird, deſto lieber gewinnen ſie alle, ja ſelbſt auch Kinder, wie die Erfahrung lehrt. Diejenigen, welche zweimal des Tages Haus⸗ andacht halten wollen, mögen ebenfalls die gege⸗ benen Vorſchläge benutzen und Morgens den Katechismus üben, Abends aber die Bibel der Reihe nach vorleſen. Denjenigen endlich, welche nur einmal des Tages Hausandacht halten wol⸗ len, wäre zu rathen, daß ſie mit der Uebung der Bibel und des Katechismus abwechſelten, ſo daß ſie z. B. heute nach der angegebenen Weiſe den Katechismus trieben, und morgen nach dem Auf⸗ 11⁵ ſagen der drei erſten Hauptſtücke aus der Bibel, und zwar aus dem Neuen Teſtament vorläſen. Vielleicht möchte mancher Leſer gern wiſſen, wie viel Capitel die ganze Bibel enthalte und wie viel er wohl Zeit brauche, um dieſelbe einmal durchzuleſen, je nachdem er täglich ein, zwei oder drei Capitel läſe. Hierauf dient folgendes zur Antwort: Das Alte Teſtament enthält.... ͤ und zwar die Bücher vom erſten Buch Moſe bis Hiob enthalten.0. 479 Die Pſalmen bis Hohelied Salomonis 201 Die Propheten...... q ... 2⁴1 Das Neue Teſtament enthält...... Die Apocrophiſchen Bücher enthalten.. 144 „ Summa 1325 Capitel. Wer nun täglich ein Capitel lieſt, braucht zur ganzen Bibel..—.—.—.— 3 Jahr 7 Monat 20 Tage Wer täglich 2 Capitel lieſt, braucht 1 „ 9 „ 27 „ Wer täglich 3 „ „ „ 1 „ 2 „ 16 „ Demnach hat der vielbeſchäftigte Mann Gottes, Dr. Luther, außer ſeinen andern Arbeiten, bei de⸗ nen er doch fort und fort mit Gottes Wort zu thun hatte, täglich ſieben Capitel in der Bibel ge⸗ leſen, da er von ſich ſelbſt bekennt, daß er ſie etliche Jahre her des Jahres zweimal ausgeleſen habe. Nun noch ein Schlußwort an euch, ihr lieben Hausväter! Laſſet euch doch ja durch nichts von einer regel⸗ mäßigen Hausandacht abhalten, am allerwenig⸗ ſten durch den oft vorgegebenen Vorwand des Mangels an Zeit, wiſſet, daß der Verluſt an Zeit keinen Verluſt, ſondern lauter Gewinn mit ſich bringt, nicht nur für die Seele, ſondern auch für die tägliche Berufsarbeit, und was ihr daher von der Zeit dem lieben Gott und ſeinem Wort ab⸗ brechen wollt, das wird euch keinen Segen brin⸗ gen, wie ſchon mancher erfahren hat, wenn er um zeitlicher Dinge willen die Hausandacht unterließ. Wiederum haben Andere, die ſie trotz aller Hin⸗ derniſſe hielten, die Wahrheit deſſen erfahren, was Gott Joſua verhieß: Es wird dir gelingen in allem, das du thuſt, und wirſt weislich handeln können. Ruft euch ſchon der frühe Morgen an eure Berufsgeſchäfte, wohlan, ſo verlaſſet ein halb Stündchen früher euer Lager, und ihr werdet Zeit gewinnen, euer Tagewerk mit Gottes Wort und Gebet zu heiligen; denn ſolltet ihr von 24 Stun⸗ den, die der Tag hat, nicht wenigſtens im Gan⸗ zen eine Stunde erübrigen können, um ſie zu die⸗ ſer heilſamen Uebung anwenden zu können? Macht es euch zur feſten Regel die Hausandacht, Nothfälle ausgenommen, die doch nur ſelten vor⸗ kommen, nie auszuſetzen, denn je öfter ihr ſie aus⸗ ſetzt, deſto mehr wird daraus eine übele Gewohn⸗ heit. Habt ihr bis jetzt keine Hausandacht ge⸗ halten, ſo fanget damit an, daß ihr ſie wenigſtens des Morgens haltet; habt ihr bis jetzt dies ge⸗ than, ſo ſuchet ſie auch des Abends zu halten. Wollet ihr, ſo leſet auch wenigſtens zuweilen bei Tiſche ein Capitel aus der heiligen Schrift vor. Solltet ihr einmal auf längere oder kürzere Zeit die Hausandacht unterlaſſen haben, ſo beharret nicht darin, werdet nicht müde und matt, ſondern greifet wiederum das Werk mit neuem Eifer an, und wiſſet, daß ſolches der böſe Feind um ſo mehr zu hindern ſucht, je mehr es euch Nutzen und ihm 921 Capitel. 260 Capitel. Schaden bringt. Betet aber fleißig zu Gott, i er auch hiebei in euch wirke beides das Wofen und das Vollbringen nach ſeinem Wohlgefallen; ſeht endlich nicht auf die, welche im Halten der Hausandacht ſaumſelig und nachläſſig ſind, ſon⸗ dern ſehet auf die, welche darin einen löblichen Eifer beweiſen, werdet ihre Nachfolger und Vor⸗ bilder für Andre und bezeuget, wie Joſua that, mit Worten und mit Werken: Ich und mein Haus woöͤllen dem HErrn dienen! Ueber die Schlüſſelgewalt, die Abſolution und die Beichte. (Aus der Harleß'ſchen Zeitſchrift.) (Schluß.) Eine dritte Frage iſt noch zu beantworten, ob die Abſolution, auch wenn ſie von gottloſen Predigern geſprochen wird, kräftig iſt. Dieſe Frage iſt zuverſichtlich zu be⸗ jahen. Denn das Wort Gottes und die göttlichen Gnadenſtiftungen haben weder ihren Urſprung noch ihre Kraft von dem, der ſie verwaltet, ſie ha⸗ ben ſie in ſich ſelbſt, denn Gott hat ſie geordnet! und iſt, wo ſie immer gehandhabt werden, ſelbſt⸗thätig durch ſie wirkſam. Und das Amt an ſich bleibt heilig, obgleich der, welcher es führt, unhei⸗ lig iſt; weshalb der HErr in den Briefen an die geiſtloſen Biſchöfe von Sarden und Laodicea (Offenb. Joh. 3.) zwar ihren Seelenzuſtand, nicht“ aber ihr Amt verwirft und es den redlichen Seelen in der Gemeine nicht verargt (3, 4.), daß ſie es bisher genutzt haben. Ein koſtbares Geſchenk verliert nicht an Werth, wenn es uns auch von einem ſolchen gereicht wird, der ein Feind unſers Wohlthäters iſt. Ueberdies iſt die letzte Entſchei⸗ dung, ob jemand wiedergeboren ſei oder nicht, Gottes und nicht der Menſchen; der HErr allein kennet die Seinen 2 Timoth. 2, 19. Somit könnte kein Menſch unzweifelhaft ge⸗ wiß ſein, ob er durch das Lehramt der göttlichen Gnade theilhaftig werde. In dieſer Ungewißheit, aber brauchen wir nicht zu ſein; allein von Chriſto haben die Gnadenſtiftungen, die der Kirche ver⸗ traut ſind, ihren Urſprung, ihr Weſen und ihre Kraft, die ihnen inwohnt, ſie mögen verwaltet! werden von wem es immer ſei, genug, daß es der vom HErrn ſelbſt feſtgeſetzten Ordnung gemäß geſchehe. — Es iſt eine heilſame Ordnung, daß die Kirche (ohne Jemandem zu wehren, auch zu jeder andern Zeit zu beichten, wenn es ihm Bedürfniß iſt), der! Kommunion die Beichte vorausgehen läßt, — eine ſchon im Anfang des dritten Jahrhunderts nachweisbare Sitte“). Es iſt dies ſo eingerichtet *) Augsb. Conf. Art. 25. — General⸗Artikel der Säch⸗ ſiſchen Viſitation 1557: „Es ſoll Niemand zum hochwür⸗ digen Sacrament des Leibes und Blutes des HErrn zuge⸗ laſſen werden, er habe denn zuvor bei ſeinem ordentlichen Paſtor oder Diakon die Privatabſolution geſucht, und ſol⸗ len Paſtor und andere Diener im Predigtamt die Jungen und andere Perſonen von der Lehre fleißig befragen und diejenigen, ſo Unterweiſung bedürfen, zu jeder Zeit, ſoviel möglich unterrichten, ſollen aber Niemand beladen mit Er⸗ zählung heimlicher Sünden, ſondern ſollen bei der Unter⸗ weiſung den Perſonen nach Gelegenheit Vermahnung zur Beſſerung und Troſt fürtragen, und ſo ſie Beſſerung zu⸗ ſagen, ihnen die Abſolution ſprechen“ ꝛc. ꝛc.