# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1862_S255 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 255 eigenen Städten unter der deutschen Bevölkerung. Nach dem neulich errichteten Tribunal der Verwahrungen des Observer soll nichts ausgesprochen werden, was unseren Bekennt⸗ nissen verkleinerlich sei. So ist es also aus mit allen Bestrebungen, die Wahrheit und ge⸗ sunde Lehre, den Sabbath betreffend, in den Spalten des Observer zu verbreiten. Denn es ist unmöglich, biblisch vom Sabbath zu halten, ohne klärlich nachzuweisen, daß die Lehren unserer Symbole verkehrt sind, und Irrthümer in unseren Bekenntnissen nachzuweisen, ist für dieselben sicherlich verkleinerlich.“ Hierauf erwiedert denn der Editor des Observer: „Wir denken, die Anstände, welche manche gegen unsere Bekenntnisse rücksichtlich des Sab⸗ baths finden, sind eben so stark wider die Lehren Pauli, mit denen unsere Bekenntnisse in merk⸗ würdiger Weise zusammenstimmen, namentlich in Betreff derjenigen Puncte der Sabbaths⸗ lehre, worüber so viel und so nutzloser Streit gewesen ist. Wir glauben überdies, daß die Laxheit einiger Lutheraner hie und da in der Kirche, die Beobachtung des Sabbaths betreffend, ist nicht unseren Bekenntnissen zuzurechnen, sondern dem Mangel an Herzenserneuerung, welche Gott feind und dem göttlichen Gesetze nicht unterthan ist.“ II. Ausland. Eine neue Lehre in der röm. Kirche. Kaum hatte der gegenwärtige Pabst die neue Lehre von der unbefleckten Empfängniß der Jungfrau Maria seiner Kirche zum Ge⸗ schenke gemacht, so hat er derselben bei Gelegenheit der Canonisation der japanesischen Mär⸗ tyrer am 8. Juni d. J. schon wieder eine solche verehrt. In der am Tage darnach gehalte⸗ nen Allocution an die Bischöfe hat sich nämlich Pius u. A. also vernehmen lassen: „Uns freut jene wunderbare Einmüthigkeit, mit der Ihr mit den andern ehrw. Bischöfen der ganzen katholischen Welt es nie unterlassen habt, zu lehren: es sei die weltliche Macht des hl. Stuhles durch besondern Rathschluß der göttlichen Vorsehung dem römischen Pabst übertragen, sie sei nothwendig, damit derselbe römische Pabst, nie einem Fürsten oder einer weltlichen Gewalt unterworfen, die höchste Gewalt und Autorität, die Heerde Gottes zu weiden, zu regieren, die er von Christo dem Herrn selbst erhalten — durch die ganze Kirche mit voller Freiheit ausüben könne.“ Es ist nur zweierlei Schade, erstlich daß man weiß, daß der Pabst nicht durch besondere Veranstaltung Gottes, sondern durch allerlei List, Betrug, Documentenverfälschung, Mord und Blutvergießen zu seiner weltlichen Macht gekommen ist; zum andern, daß nach Gottes Wort jede Seele, also auch der Herr Pabst, der obrigkeitlichen Gewalt unterthan sein, ja daß gerade die Diener Christi insonderheit nicht herrschen, nicht die gnädigen Herren in dieser Welt spielen und nicht fleisch⸗ liche Waffen ihrer Ritterschaft haben und gebrauchen sollen. Uebrigens ist Herr Pius ge⸗ sonnen, die weltliche Gewalt nicht nur für sich, sondern selbst auch für alle seine Lieben und Getreuen im Clerus in Anspruch zu nehmen. In jener Allocution sagt er nämlich von den Feinden seiner Kirche: „Sie scheuen sich nicht, mit aller Arglist und Täuschung unter dem Volke auszustreuen, daß die heiligen Diener der Kirche und der römische Pabst von aller weltlichen Macht und Herrschaft auszuschließen seien.“ Dahin geht also des „heiligen Vaters“ letzte Absicht, seine edlen Creaturen der Welt wieder auch als ihre weltlichen Machthaber und Herrscher aufzubinden. Fast scheint es aber, als werde daraus nichts werden, obwohl freilich eher ihre weltliche Herrschaft, als ihre Seelenverführung zu ertragen wäre. Die Gemeinde des Pastor Ehlers in Liegnitz hat sich, wie das „Kirchliche Zeitblatt“ vom 1. Juni berichtet, einstimmig vom Oberkirchencollegium in Breslau losgesagt. Pastor Ehlers selbst aber, gegen den ein kirchengerichtliches Verfahren von Seiten des O. K. C. eingeleitet ist, hat Anstand genommen, dasselbe zu thun. Während er jedoch dem O. K. C. untergeben bleibt, fährt er fort die abgetretene Gemeinde zu bedienen. Waldecksche Union. Unter dieser Ueberschrift schreibt Dr. Münkel in seinem Neuen Zeitblatt vom 6. Juni Folgendes: Das Häuflein lutherischer Laien im Fürstenthume Waldeck ist in einiger Bedrängniß. Von den unirten Pfarrern wollen sie die Sacramente nicht nehmen, und von den 6 oder 7 lutherischen können sie die Sacramente nicht nehmen. Die letztern verlangen nach Befehl des Consistoriums einen Erlaubnißschein (Dimissoriale) ihres unirten Pfarrers zur Vornahme der geistlichen Handlungen durch irgend einen der