# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S114 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) alles täglich zu üben, dieſe Frage ſoll mit folgen⸗ den treffenden Worten Dr. Luthers beantwortet werden: „So iſt nun diß meine Vermahnung, daß wir uns zum ſtetigen Gebet und Nachdenken der heiligen Schrift ge— wöhnen. Die, ſo wider den Teufel nie gekämpft haben, wiſſen nicht, wie nöthig der Geiſt des Ge⸗ bets ſei. Denn die Nachläſſigkeit und Sicher⸗ heit nimmt täglich zu, eben wie der. Roſt am Eiſen, und das Wort fällt uns aus denen Hän⸗ den, ehe denn wir es gewahr werden. Wenn das geſchiehet, alsdenn hat der Satan halb ge⸗ wonnen; denn er ſchläft nicht, ſondern giebt auf alle Gelegenheit Acht, und greifet uns alsdenn an, wenn er weiß, daß das Herz an dem Wort nicht hänget. Daſelbſt kann er leichtlich aus einem Fünklein ein groß Feuer aufblaſen; ehe denn dasſelbe kann gedämpfet, und Chriſtus mit dem Wort wiederum ergriffen werden, ſein wir entweder mit Schmerzen und Plagen unterdrückt, oder ganz und gar hingerichtet; denn er iſt ein Mörder, und richtet alle ſeine Anſchläge dahin, daß er uns möge umbringen. Darum muß man das Wort ſtets üben und beten, wenn wir zu Bette gehen, oder auf⸗ ſtehen, damit uns der Feind nicht müßig und ungerüſtet finde, und uns die Erlöſung ganz aus dem Herzen reiße.“ „Ich bin auch ein Theologus, als der ich ziem⸗ lich durch mancherley Gefahr in der heiligen Schrift geübet bin, und etwas erfahren; dennoch erhebe ich mich nicht wegen ſolcher Gaben, daß ich darum mit denen Kindern den Catechismum, das iſt, die zehn Gebote, den Glauben und das Vater Unſer nicht beten, und ihn mit innerlichem Herzen betrachten ſollte; alſo, daß ich nicht allein die Worte überlaufe, ſondern auch darauf merke, was ein jedes Wort bedeute: und wenn ich das nicht thue, ſondern mit andern Geſchäften beladen bin, be⸗ finde ich gewißlich einen ſchädlichen Unrath dar⸗ aus. Denn das Wort iſt darum gegeben, daß wir es in uns ſchärfen ſollen, und es fleißig üben, wie Moſes ſagt: Wenn wir die Uebung nicht haben, alsdenn werden unſere Herzen wie Eiſen, das der Roſt frißt, und wiſſen ſelbſt nicht, wie uns zu Sinnen iſt.“ „Zwar, wir ſehen vor Augen, und lehret uns die tägliche Erfahrung, in was und mancherlei Gefährlichkeit die Leute fallen. Deß iſt keine andere Urſache, denn daß ſie ſicher ſind, nicht be⸗ ten, Gottes Wort nicht hören, und dasſelbige nicht betrachten, werden ſicher, und laſſen ſich daran begnügen, daß ſie es in denen Büchern haben und leſen können. Denenſelbigen geußt der Teufel fein ſachte Verachtung des göttlichen Worts in das Herz: darnach wirft er ſie entwe⸗ der in plötzliche Verzweiflung oder andere Gefähr⸗ lichkeit; denn was hat doch ein Menſch, damit er ſich rüſten und ſchützen könnte wider den ge⸗ waltigen Feind.“ „Darum muß ein Liebhaber göttli— ches Worts ohne Unterlaß lernen, und ſich ſtets in dem Wort und Gebet üben; 114 nicht allein, daß es hohe wichtige Sachen ſind, die in unſer Herz nicht leichtlich können kommen, ſondern auch, daß unſer Widerſacher uns nicht einmal, ſondern oftmals verſuchet, darum muß man ſtets wider ihn ſtreiten und beten. Alſo ge⸗ höret das Gebet dem chriſtlichen Volk, der Kirchen, oder denen Erlöſeten und Geheiligten zu; denn die Ungläubigen und Gottloſen können nicht beten.“ (W. A. IV. 2608. flg.) Eine zweite Frage iſt die, wie oft und zu welcher Zeit die Hausandacht gehal⸗ ten werden ſoll? Nach alter löblicher Sitte geſchah dies täglich zweimal, nemlich Morgens beim Aufſtehen und Abends beim Schlafengehen; dafür iſt ein Grund in den Worten Davids: Wenn ich mich zu Bette lege, ſo denke ich an dich, wenn ich erwache, ſo rede ich von dir (Pſ. 63, 7.). Ein zweiter Grund liegt darin, daß, wie Dr. Luther in den Fragſtücken ſagt, jeder den Teufel um ſich hat, der ihm mit Lügen und Morden Tag und Nacht keinen Frieden laſſen wird; da⸗ her wir nicht nur im Morgen-äſondern auch im Abendſegen gelehrt werden zu beten: dein heili⸗ ger Engel ſei mit mir, daß der böſe Feind keine Macht an mir finde; und wie nöthig es ſei, ſich eben deshalb feſt an das Wort Gottes zu halten, zeigt Dr. Luther an dem Beiſpiele der beiden Apo⸗ ſtel Petrus und Judas, indem er ſpricht: „Solche Predigt (nemlich die Worte Chriſti Luc. 22, 31. 32.) hat Petrus gehöret und behalten. Solch Wort iſt der Stab geweſt, daran er ſich gehalten hat, daß die Sünde ihn nicht hat können zu Bo⸗ den drücken; ſonſt würde die Sünde ihm eben gethan haben, wie dem Juda; aber mit dem Wort errettet er ſich. Das lerne fleißig und ſchicke dich in der Zeit darauf, höre Gottes Wort fleißig; lege dich nicht zu Bette, ſtehe nicht eher auf, denn du habeſt deinem Herzen einen ſchönen Spruch, zwei, drei oder vier vorgeſprochen. Als Matth. 9, 13. 11, 2830. Joh. 3, 16—18. 35. 36. Joh. 5, 24. 11, 25. 1 Joh. 2, 1. 2. Wo du ſolche und dergleichen Sprüche täglich übeſt, und dir ſie bekannt macheſt durch ſolche Uebung, ſo haſt du die rechte Seelenarzenei, da es dem un⸗ ſeligen Juda hieran fehlt.“ (W. A. XIII. 975. flg.) Wie rathſam wäre es, wenn ſich fleißige Bibelleſer eine Sammlung von ſolchen Sprüchen, welche von unſerer Erlöſung handeln, anlegten und davon ſo viel als nur möglich auswendig lernten! Endlich iſt die Zeit am Morgen und Abend auch hinſichtlich der häuslichen Geſchäfte die paſ ſendſte, indem dann alle Hausgenoſſen der Haus⸗ andacht beiwohnen können, nur wäre etwa noch um der kleinen Kinder willen zu rathen, dieſelbe ſogleich nach dem Abendeſſen zu halten. Daß früher auch zur Mittags zeit eine ge⸗ wiſſe Andacht üblich war, davon wiſſen noch die lieben Alten uns zu erzählen, davon zeugen die vielen Tiſchlieder in den alten Geſangbüchern und dies beſtätigen auch die Vorſchriſten im kleinen Katechismus, wonach Speiſe und Trank mit Gottes Wort und Gebet geheiligt werden ſollen; auch dieſe Vorſchriften werden ſo, wie ſie ſich dort * finden, jetzt nur noch von Wenigen befolgt. Eine löbliche Gewohnheit fand in Klöſtern ſtatt, indem über Tiſche ein dazu verordneter Vorleſer die hei⸗ lige Schrift der Reihe nach vorlas, wie denn der treffliche Myconius ſolches 7 Jahre lang gethan und auf dieſe Weiſe die Bibel faſt auswendig ge⸗ lernt hat; auch wird in der Lebensbeſchreibung von Joh. Mattheſius in Joachimsthal erzählt, daß ihm ſeine Ehefrau, die überhaupt ein wahres Muſter für alle Prediger-Frauen iſt, die Bibel nach Tiſche dreimal durchaus fein und deutlich vorgeleſen habe. Sollte dies nicht manchen Hausvater ermuntern, auch die Tiſchzeit zum Vorleſen der heiligen Schrift zu benutzen, um da⸗ durch ſowohl eine beſſere Kenntniß derſelben zu befördern, als auch manchen nutzloſen oder gar ſündlichen Geſprächen vorzubeugen? Auf die dritte Frage, wie nämlich die Hausandacht anzuſtellen ſei, findet man im Allgemeinen ſchon in dem bisher Geſagten hinlängliche Antwort, wobei ich noch den Leſer erinnere, das früher über die tägliche Katechis⸗ musübung Mitgetheilte im 3. Jahrgang No. 18. wieder aufmerkſam durchzuleſen. Doch ſollen um größerer Deutlichkeit willen noch einige Winke und zwar zunächſt für diejenigen gegeben werden, welche täglich dreimal Hausandacht halten wollen. Morgens mögen ſie mit dein Morgenſegen, das walte Gott ꝛc., anfangen und denſelben von den Kindern gemeinſchaftlich langſam und an⸗ dächtig beten laſſen oder ſelbſt beten (knieend oder ſtehend nach Dr. Luthers Rath). ö Hierauf folge das Aufſagen der drei erſten Hauptſtücke und zwar Sonntags das erſte, wobei zu jedem Gebote die Auslegung hinzugefügt wird, dann das zweite und dritte Hauptſtück ohne die Ausle⸗ gung. Montags, erſtes Hauptſtück ohne Auslegung, zweites und drittes mit der Auslegung. Dienstags das erſte und zweite ohne die Aus⸗ legung, das dritte mit der Auslegung. Mittwochs das erſte, zweite und dritte ohne die Auslegung und dann das vierte Hauptſtück mit dem Leſen vom Amt der Schlüſſel und von der Beichte; die beiden Beichtformulare bleiben weg, desgleichen von den Worten an: darauf ſoll ꝛc. bis zu Ende. Donnerstags desgleichen. Freitags, die drei erſten Hauptſtücke und das fünfte vom Sacrament des Altars. Sonnabends, desgleichen und dann die Haus⸗ tafel nach der kürzern Form im Concorvien⸗ buche.) *) An die Haupiſtücke ſchließe ſich das Vorleſen von ein oder zwei Seiten aus dem großen Katechismus Dr. Luthers der Reihe nach. Wer da will, kann dann tin Lied oder einige Verſe daraus ſingen, oder vorleſen oder einige Sprü⸗ che von der Erlöſung (ſiehe oben bei der erſten Frage) auf⸗ ſagen oder aufſagen laſſen. Auch kann an Sonn- und Feſttagen der bibliſche Abſchnitt, worüber Vormittags ge⸗ predigt wird, vorgeleſen werden; wenn nun auf ſolche oder ähnliche Weiſe Speiſe und Trank geheiliget und genoſſen ſind, ſo folgt das Gebet nach dem Eſſen nach Dr. Luthers kleinem Katechismus.