# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1862_S246 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 246 Litterarische Intelligenzen. ihnen ärgerlich und anstößig, daß in Greiz gar keine Zucht geübt, sondern alle ohne Unterschied zum Tische des Herrn zugelassen wurden. Um nun ihre geistlichen Bedürfnisse zu befriedigen, wandten sie sich 1855 mit der Bitte an Vollert, sie zu bedienen. Vollert erschrak darüber; er sah ein, daß er dadurch in Kampf nicht nur mit dem Greizer, sondern auch mit dem weimar⸗ schen Kirchenregimente verwickelt werden würde, ja mit diesem erst recht. Falsche Lehre regiert in Weimar von unten und oben, wenn irgendwo. Nahm er die Greizer an, erklärte er ihre Lossagung für Recht, so sagte er sich auch von seinem eigenen Kirchenregimente los. Er wies die Greizer anfangs ab. Dann aber, als er mit schwerer Krankheit heimgesucht wurde, prüfte er noch einmal nach Gottes Wort und nach Lehre und Recht der Kirche, und überzeugte sich, daß er die Greizer um des Nothstandes willen so lange bedienen müsse, bis sie ihren eigenen Prediger haben würden. Er predigte ihnen deshalb zu Greiz, er reichte ihnen beide Sacramente, ohne seine eigene Gemeinde darüber zu versäumen. Auch Löhe's Diakonissen zu Greiz em⸗ pfingen aus seinen Händen das Abendmahl. Die separirten Greizer er⸗ reichten es, daß das mit Bewilligung ihrer Regierung geschah, und daß sie förmlich aus dem Pfarrverbande entlassen wurden. Alles das ging noch ruhig hin, wenn auch viel darüber gesprochen wurde, zumal da man an den Separirten allerlei Wunderlichkeiten und Seltsam⸗ keiten bemerkt haben wollte, die sehr stark nach Separatismus und Schwär⸗ merei schmeckten. Da warf Vollert selbst den Funken in die Pulvertonne! Im Februar 1859 nahm er einen herumstreifenden Seilergesellen aus Gold⸗ berg in Schlesien, der seiner Aussage nach unirt war, zu Coldra öffentlich und feierlich in die lutherische Kirche auf. Denn wiewohl er schon vorher das lutherische Abendmahl empfangen hatte, wollte man ihn doch in Neuendettelsau nicht eher zum Missionsdienste zulassen, bis er zur lutherischen Kirche übergetreten wäre. Dieses Vorfalles bemächtigten sich die Zeitungen in ihrer gewohnten Weise und veranlaßten dadurch den großh. Kirchenrath zu einer Untersuchung, welche sich von diesem einen Falle zu einer ganzen Reihe anderer fortspann, die geschehen waren und noch während der Unter⸗ suchung geschahen. Unter den neu hinzukommenden Fällen war beson⸗ ders einer, welcher die Entscheidung beschleunigte. In dem Fürstenthume Schleiz hatten sich ein paar Erweckte von ihrem Pfarrer gesondert, weil er keine Zucht übe und selbst solche zum Sacramente zulasse, welche an metho⸗ distischen Versammlungen und Classen Theil nähmen und also Sectirer seien. Sie begehrten nun, daß Vollert sie bediene, und Vollert that es, nachdem er auf eine Anfrage bei dem zuständigen Pfarrer keine Antwort erhalten hatte. Dieser Fall zeichnete sich dadurch vor den Uebrigen aus, daß die Abgetretenen ihrem Pfarrer selbst Zeugniß gaben, daß er rechte Lehre lehre. Es handelte sich also lediglich um die Zucht, und daran kam es zum Vorschein, womit Vol⸗ lert eigentlich umging. Vollert will strenger Lutheraner sein. Aber die Strenge im lutherischen Sinne geht vom Evangelium und im Zusammenhange damit von den