# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1862_S240 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 240 Der Unionismus im Großherzogthum Hessen. wenn man dem Großherzoge möglichst das Kirchenregiment genommen und die Gemeinde so durcheinander gerührt hat, daß von ihrem Bekenntnisse nur ein paar oben schwimmende zusammenhangslose Fettaugen zu entdecken sind. „Was werden die Gemeinden, was wird das christliche Leben dabei profitiren?“ fragt der Verfasser. Denn man verheißt uns ja unablässig, daß Leben in die Kirche kommen, daß alles besser werden würde, wenn nur erst die seit den Märztagen verheißene Presbyterial- und Synodal-Verfassung ins Leben treten würde. Wie einst Cato von Utica jede seiner Reden im römischen Senate mit den Worten schloß: „Uebrigens erkläre ich, daß Carthago zerstört werden muß,“ so läuft die Rede der modernen Catonen von der freisinnigen Farbe, so oft sie auf dies Capitel kommen, regelmäßig und nur verhüllter in den Spruch aus, daß die Kirche in den Mahlstrom der Presbyterial- und Synodalverfassung geworfen werden muß. Allerdings wird das Bewegung geben, aber das Leben, was daraus kommt, was ist das für ein Leben? „Die ganze durch die neue Verfassung in die Gemeinden neu einzuführende Thätigkeit, sagt der Verfasser, läuft für die Glieder derselben vor und in allem auf das Wählen hinaus, wobei es bekanntlich sehr menschlich hergeht, und dem noch niemand bisher im Ernste so toll gewesen ist, eine hebende Rückwirkung auf das innere religiöse, oder auch nur äußere kirchliche Leben zuzuschreiben.“ Nur für die Synodalen kann etwas mehr abfallen, Reise- und Tagegelder, Zweckessen bei Braten und Wein, je nachdem ein Handstreich gelungen ist, schöne freisinnige Reden und Anträge, welche durch die Zeitungen laufen und dem gefeierten Helden des Tages bei seiner Heimkehr einen festlichen Empfang, vielleicht auch einen Pokal abwerfen. Und wenn denn noch dazu gekommen ist, daß man auf der Synode heftig aneinander gerathen, und der Brand mitten in die Gemeinde geworfen ist, so kann man doch nicht sagen, daß es noch an Leben fehlt. Baden und die Pfalz haben davon reichlich aufzuweisen. „Wir Lutherische,“ sagt der Verfasser, „haben andre Dinge auf dem Herzen als solche, die sich um das Wählen, Debattiren, Regieren und Kirchenmachen bei Wein und Braten und für „Tagegelder und Reisekosten“ drehen. Wir möchten gern und vor allem an unsern Gemeinden treue Haushalter über Gottes Geheimnisse sein, und darum unsern lutherischen Gemeinden lutherische Lehre, rein Wort und Sakrament, sicher, frei und selbstständig erhalten wissen. Das ist jetzt in Hessen unsre größte allgemeine Sorge; und weil wir dieses vornehmste und allerhöchste Christengut in der Kirche auf Erden unter anderm auch durch den Unionismus und seine Gelüste und Treibereien bedroht sehen, weil wir rechtgläubig bleiben wollen, um recht gläubig zu sein, endlich weil wir uns selbst und alle unsre Gemeindeglieder zu rechten Priestern Gottes im Sinne der Schrift und nicht der Volkssouveränität machen möchten: darum eifern wir, darum trennen und scheiden wir uns von denen, welche uns Unkraut auf den Acker unsrer Gemeinde säen, darum sind wir, wenn es nöthig ist, schroff.“ Gott lasse den Wurf aus der Schleuder gerathen! Wo die Posaune einen deutlichen Ton