# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1862_S237 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Unionismus im Großherzogthum Hessen. 237 eine Vermischung des Göttlichen und Menschlichen zu Stande gebracht, welche die göttliche Offenbarung zwingt, den Hut vor der menschlichen Weisheit abzuziehen und sich von dieser Lehren geben zu lassen, wie weit sie sich mit Anstand und ohne ausgelacht zu werden unter gebildeten Leuten hören lassen darf. „Diese Confusion und Vermischung ist das eigentliche Uebel der Zeit, an dem wir heut zu Tage krank liegen im weitesten Umfange, unser wirkliches geistiges Haut- und Hauptübel, aber das gerade nicht als solches anerkannt sein will.“ Aus diesem trüben Mischmasch ist in Dunstform der Unionismus emporgestiegen und hat die ganze Luft erfüllt, so daß keine Seele, die da athmet, wenigstens ohne gelinde Fieber und Hautbläschen davon kommt. Denn was ist der Unionismus? Es ist ja eine sehr schöne Sache um die Liebe, und herrlich wär' es, wenn wir alle eins sein könnten, Eine Heerde unter Einem Hirten. Das ist aber eine völlige Nebensache bei dem Unionismus. Werfen sich auch manche aus Liebe und guter Meinung auf die Union, so verschwinden sie doch als ein höchst geringer Bruchtheil unter dem Haufen derer, welche öffentliche Stimme machen und die Posaunen und Bahnbrecher des Zeitgeistes vorstellen, aber ganz andre Gedanken beim Unionismus haben. Wollten die guten Seelen, welche der Union in bester Absicht ergeben sind, nur einmal sehen, wem und wozu sie als Werkzeug dienen müssen, sie würden erkennen, daß gerade jetzt die Zeit für die Union übel gewählt ist. Man will eben nichts weiter als alles in Fluß bringen, sowohl die trennenden Unterschiede zwischen Kirche und Welt, zwischen christlicher Lehre und moderner Bildung, zwischen Glaube und Unglaube. Das thut man alles in den Schmelztiegel der Wissenschaft, der muß aus zweien eins machen, und dies Fabrikat versieht man mit dem Stempel der Union. So hat man es überall, so hat man es auch im Großhzg. Hessen getrieben. Zwar die erste Einführung der Union wurde von der Regierung sehr vorsichtig betrieben. Keinerlei Zwang sollte angewandt, die Kirchen sollten nicht vermischt und um ihr Bekenntniß gebracht werden, und der Hof selbst blieb lutherisch mitten in der unirten Hauptstadt. Daher sind denn auch Zwei Drittel der evangelischen Bevölkerung lutherisch geblieben, ohne Verlangen nach der Union zu tragen. Indessen wurden doch später alle Gemeinden unter Ein Kirchenregiment oder Oberkonsistorium vereinigt, und das giebt immer der Union einigen Vorschub, zumal wenn dieselbe in der Luft liegt. 1856 bildete sich die „evangelische“ Conferenz zu Friedberg, mit der bestimmten Absicht, die Union gegen den aufgekommenen Confessionalismus zu verfechten. Diese Conferenz bestand in ihrem Kerne aus der „liberalen aber gläubigen Mittelpartei,“ wie sie sich selbst nannte, und zog deshalb nicht die Confessionellen, wohl aber diejenigen an sich, welche sich eine gute Strecke über die bequeme Mitte hinaus an die Grenze gelagert hatten, wo die Sonne seltener den Schnee wegzulecken pflegt. Wie nun diese flaue Mittelparthei ihr Mittlergeschäft an den Grenzbewohnern getrieben hat, das