# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1862_S230 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 230 Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. denn die Uebung im Gebet durch Hymnus, Psalmodie und Oration ist wesentlich auch Uebung im Wort. 3. Die Nebengottesdienste umgeben den Hauptgottesdienst, indem sie theils auf ihn vorbereiten oder ihn einleiten, theils auf ihn sich zurückbeziehen oder ihn schließen. Je nachdem sie daher ihm vorhergehen oder ihm nachfolgen oder je nachdem die besondere Uebung des Worts und Gebets ist, die man darin vornehmen will, je nachdem unterscheiden sie sich bei den gleichen Bestandtheilen wieder unter einander. 4. Die Beziehung in welche die Nebengottesdienste zu dem Hauptgottesdienst, den sie umgeben, stehen, dürfte folgende sein: Die dem Hauptgottesdienst vorhergehenden Nebengottesdienste sind die Sonnabendsvesper und die Sonntagsmette. Von richtigen Grundsätzen geleitet, nach welchen mit dem Nachmittag des Sonnabends der Vorsabbath beginnt und die beste Vorbereitung auf den Sonntag Bekenntnis der Sünde und Absolution ist, wurde von Anfang die erstere die Beichtvesper, indem an diese als zweiter Theil sich die Privatbeichte mit einleitender allgemeiner Beichtvermahnung schloß, Gesänge, Gebete und Lektion des ersten Theils darauf sich bezog. Die letztere hingegen, als eine Stunde des Lobes und der Danksagung für die Sendung des eingebornen Sohnes in die Welt betrachtet und daher mit dem Te deum oder Benedictus geziert, leitet den Hauptgottesdienst nach dem Anbruch des Ruhe- und Festtages ein. Die auf den Hauptgottesdienst sich zurückbeziehenden Nebengottesdienste sind die Sonntagsvesper, und die täglichen Metten und Vesper. In ersterer wurde entweder über die Epistel oder über ein alt-testamentliches Buch gepredigt, oder sie wurde zur Catechismusübung gebraucht, oder es fand beides statt, Predigt und Catechismusübung. Namentlich die letztere zeigt, wie durch die Sonntagsvesper der Sonn- und Festtagsgottesdienst nicht nur zu seinem eigentlichen Schluß kommen soll, sondern auch, daß durch ihn das im Hauptgottesdienste aus dem Wort Gelernte, durch Wort und Sacrament Empfangene dem Gemüthe noch weiter eingedrückt, und die Erkenntniß der reinen Lehre ergänzt und erweitert werden soll. Weil aber die gemeinsame Uebung im Wort und Gebet sich mit dem Sonntag nicht abschließt, so findet sie nach Maßgabe der Zeit, der Kraft und Bedürfnisses ihren Fortgang durch die übrigen Tage der Woche hindurch in den täglichen Metten und Vespern, aus deren Kreis die des Mittwochs und Freitags durch die besondere Wochenpredigt hervortreten, während die der andern Tage mehr von der Jugend und für die Jugend, wie schon erwähnt, gehalten wurden. 5. Durch diese Beziehung der Uebunggottesdienste zu dem Hauptgottesdienste, durch ihren allgemeinen Zweck, Uebung im Wort und Gebet, und durch ihre schöne, liebliche, ihrer Beziehung und untergeordneten Stellung zum Hauptgottesdienste, wie ihrem Zweck so entsprechende einfachere Gliederung verwirklichen sich denn auch durch sie und in ihnen jene Grundsätze, auf die sich Referent beim Hauptgottesdienst im vorigen § bezog.