# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 07_S112 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Weiſen, irgendwo zu ſein. In einem gewiſſen Sinne iſt Chriſtus allerdings nicht mehr auf der Erde, aber in einem andern Sinne, nemlich auf eine unausſprechliche Weiſe, erfüllt er fort und fort Himmel und Erde. Darum ſingt denn unſere Kirche: Ob du ſchon aufgefahren biſt Von dieſer Erde ſichtig, Und bleibſt nunmehr zu dieſer Friſt Von uns allhier unſichtig, Bis dein Gericht dort wird angehn Und wir vor dir all' werden ſtehn Und dich fröhlich anſchauen: So biſt du doch ſtets nach dein'm Wort Bei uns und dein'r Gemeine, Und nicht gefang'n an einem Ort Mit deinem Fleiſch und Beine: Dein Wort ſteht wie ein' Mauer feſt, Welch's ſich niemand verkehren läßt, Er ſei ſo klug er wolle.“) (Jortſetzung folgt.) Kircheinweihung. Letzten Sonntag Sexageſimä und am Tage darauf, als am 27. und 28. Febr. d. J. hatte die hieſige deutſche ev.⸗luth. Gemeinde ungeänd. Augsb. Conf. die Freude, ihre neuerbaute zweite Kirche im nördlichen Stadttheile einweihen zu können. Die Kirche hat den Namen Imma⸗ nuelskirche erhalten. Gegenwärtig und thä⸗ tig waren hierbei außer den beiden Paſtoren der Gemeinde, Bünger und Walther, die PP. Für⸗ bringer, Fick, Schieferdecker, Lochner und Müller. — Lob ſei dem, dem allein alle Ehre gebührt! Amen. Kirchliche Nachricht aus dem Weſten. 1. Am Sonntag Septuagesimae l. J. hat Herr P. Lehmann ſein Amt in Hannover bei Cape Girardeau angetreten, und wird in Zukunft noch eine zweite Gemeinde 10 Meilen von da mit bedienen. Seine Adreſſe iſt: Rev. A. Leh- mann, Cape Girardeau, Mo. 2. Am ſechsten Sonntag nach Epiphan. wurde Hr. Paulus Heid, geweſener Zögling des lu⸗ theriſchen Seminars zu Fort Wayne, nachdem derſelbe von zwei ev.⸗lutheriſchen Gemeinden bei Wapakonetta, Allen Co., O., einen ordentlichen Beruf erhalten hatte, vor ſelbigen durch Hrn. Dr. Sihler unter Aſſiſtenz des Hrn. P. Streckfuß zum heiligen Predigtamt nach apoſtoliſchem Gebrauche ordinirt. Kirchliche Nachrichten aus Hannover und Preußen. (Aus einer Privatcorreſpondenz.) Ich charakteriſire Ihnen den gegenwärtigen Stand der Dinge wohl am beſten, wenn ich Ihnen das neueſte Stück Kirchengeſchichte erzähle, das bei uns geſchehen iſt; es iſt ein Abbild deſſen, was überall geſchieht. In der guten Stadt Celle war eine Pfarrſtelle ſtädtiſchen Patronats vakant. Der Magiſtrat wendet ſich an den berühmten Uhlich, um ſich von dem Manne des Tages einen Kandidaten empfehlen zu laſſen. Er empfiehlt einen gewiſſen Greiling, einen hellen Kopf, begabten Klopffechter und Rabuliſten, ganz ordinärſten Rationaliſten. Der Menſch trat mit ungemeiner Frechheit auf und — ſein Pöbel fiel ihm zu wie Waſſer. Dem gegenüber gruppirten ſich nun auch die „Pietiſten“, wie man hier die Gläubigen nennt, und mehrten und wehrten ſich. Greiling hatte alsbald ſämmt⸗ liche Geiſtliche gegen ſich und ſtand ganz allein, wüthete aber fort und fragte weder nach Bibel, noch Katechismus, noch Konſiſtorium. Die Lage in Celle wurde bedenklich; es konnte Konflikte geben, und es fand ſich, daß Greiling in die ſym⸗ boliſchen Bücher geſchrieben, er werde ſie ea qua *) Siehe: Kirchengeſangbuch für ev. -luth. Gemeinden ungeänderter Augsb. Conf. Si. Louis. Nro. 197. 11² par est reverentia ac pietate (wie es ſich ge⸗ bühre) verehren. Da entſchloß ſich das Konſiſto⸗ rium, den ganzen Modus des Unterſchreibens dahin zu ändern, daß jetzt dem Kandidaten oder Translocanden ein Buch vorgelegt wird, darin oben über jeder Pagina die Formel der Verpflich⸗ tung, wie ſie von Anfang an bei uns gegolten hat, gedruckt ſteht, unter welche dann der Mann ein⸗ fach ſeinen Namen ſetzt, und zwar — vor ſeiner Beeidigung und unter Anweiſung des beeidigen⸗ den geiſtlichen Raths, jetzt des Abt Rupſtein. Eine vortreffliche Maßnahme, denn die Kirche wahrt damit ihr Rechtsgebiet, was der Welt gegenüber von großer Wichtigkeit iſt. Zugleich giebt das Konſiſtorium dadurch zu erkennen, auf welchem Boden es zu ſtehen gedenkt. Wir hatten und haben unſre Freude daran, die ſich nicht wenig ſteigerte, als in dieſem Frühjahr (1847) Spitta, der bekannte Liederdichter und von Hameln her arg verläſtert, ein treuer lutheriſcher Paſtor, Superintendent in Wittingen wurde, eine Ernennung, die noch vor fünf Jahren eine abſo⸗ lute Unmöglichkeit geweſen wäre. Doch die Feinde verſtanden dieſe Zeichen auch; ſie ſahen, daß ſich das Konſiſtorium auf ſeinen natürlichen Schwer— punkt zu ſtützen anfange, und hielten dafür, daß ſie wenigſtens lärmen müßten. Der Hamburger Korreſpondent verſprützte alſo viel Gift, unter andern zeigte er auch das bevorſtehende (bis heute aber nicht erfolgte) Erſcheinen einer Schrift an, in welcher die „Orthodorie“ verſchiedener Konſiſtorial⸗ räthe (gemeint waren Meyer, Rupſtein und Lücke) an der Norm der ſymboliſchen Bücher ge⸗ meſſen werden ſollte. Es wurde auch über die rechtliche Seite der fraglichen Aenderung ſo viel gelogen, daß das Konſiſtorium ein Ausſchreiben erließ, worin es die untergebene Geiſtlichkeit über den gethanen Schritt belehrte und beruh igte. — Inzwiſchen war in Celle eine abermalige Vakanz entſtanden und man hatte wiederum aus der preußiſchen Quelle einen Mann Namens Dieſtel⸗ mann geſchöpft, welcher ſehr glänzende Zeugniſſe von Sydow und Jonas beſaß, und ſomit zu der Fraktion der 83, der Schleiermacherianer, gehörte. Er predigte und ward vom Magiſtrate gewählt. Nunmehr proteſtirten eine Anzahl„Pietiſten“ gegen ihn beim Konſiſtorium als gegen einen Irrlehrer. Konſiſtorium zeigt dies dem Celler Magiſtrat mit dem Bemerken an, daß der Präſentirte jedenfalls die ſymboliſchen Bücher würde unterſchreiben müſſen. Darauf beſann ſich der Mann mehre Wochen, kam aber dann und machte ein ſehr dürftiges Eramen und hielt eine ſehr mittelmäßige Predigt auf noch mittelmäßigere Weiſe. zu vermuthen, daß er der letzte ſein wird, den man auf dem Wege bezieht, denn er wird wohl bald wegfallen. Unter dieſen Händeln haben aber die Theologen in Celle bedeutend gewonnen, ſie ſind alle, man möchte ſagen, inſtinktartig auf die rechte Seite getrieben und werden wachſen. An dieſer Geſchichte haben Sie ein Spiegelbild der Lage in Deutſchland. — — — Wislicenus hat öffentlich ſeinen Pantheismus erklärt, der ihn und die Seinigen nicht beten laſſe. Seine Kirche hat einige 70 Mitglieder, aber in den Zeitungen iſt er bereits todt. Auf der andern Seite drohen alle Entſchiedene auszutreten, wenn eine von der (Berliner) Generalſynode bearbeitete ordinatoriſche Verpflichtung angenommen werden würde, in welcher mehre Sätze des apoſtoliſchen Symbolums, nämlich das „Empfangen vom Hei⸗ ligen Geiſte, Geboren von der Jungfrau Maria, Niedergefahren zur Hölle, Auferſtehung des Flei⸗ ſches“, abſichtlich übergangen ſind, als entweder nicht zu den „Haupt- und Grundlehren“ des Evangeliums gehörig oder im Ausdrucke mißver⸗ ſtändlich. In dieſer ordinatoriſchen Verpflichtung Es iſt ſollte nämlich alles das enthalten ſein und dem zu Ordinirenden vorgehalten werden, deſſen Ver⸗ letzung oder Verleugnung ein gerichtliches Ein⸗ ſchreiten gegen ihn bedingen ſollte; ſie würde der Sache nach ein neues Bekenntniß geworden ſein und die Auslaſſung obiger Sätze konnte un ter den jetzigen Umſtänden nur eine Verleug⸗ nung der Wahrheit und eine Conceſſion an den Un⸗ und Halbglauben zu ſein ſcheinen. So wurde ſie denn auch verſtanden und aufs heftigſte in Zeitungen, Brochüren und Petitionen an den König bekämpft. Sie wird allem Anſchein nach unausgeführt bleiben. Aber man iſt dann nicht weiter, da in der preuß. evangel. Kirche, wie dit authentiſchen Synodalakten nachweiſen, jede recht⸗ liche Baſis vernichtet iſt. Man weiß daher im Kirchenregimente nicht aus noch ein. Viele lutheriſch geſinnte Geiſtliche haben den Unionsrevers und die Agende zurück⸗ geſchickt; man läßt ſie gewähren. Auch iſt der König ſchon um Reſtituirung der luth. Kirche in ihren rechtlichen Stand gebeten, hat aber noch E keine Antwort gegeben. So viel iſt gewiß, daß eine Kriſis vor der Thür iſt und vermuthlich eine bedeutende luth. Separation ſtatt fin⸗ den wird. Es müßte denn ſein, daß der erſte allgemeine Landtag, der in Berlin zur Zeit ver⸗ ſammelt iſt, auf eine amerikaniſche Kirchenfreiheit dränge, die ich jedoch in Deutſchland für den An⸗ fang einer furchtbaren Revolution halten würde. Tiſchgebet. Ein alter Töpfermeiſter befand ſich einſt auf einer Hochzeit in der Geſellſchaft von vielen luſti⸗ gen jungen Leuten; ehe er ſich aber zu Tiſche nie⸗ derſetzte, verrichtete er ſtill ſein Gebet. Nachher ſagt einer der Gäſte ſpottend zu ihm: Nicht wahr, bei Ihnen zu Hauſe betet wohl Alles?“ — „Alles? das wüßte ich nicht!“ — „Wie, nicht Alles?“ — „Nein, ich habe unten im Stalle zwei Schweine, die beten nie, wenn ſie freſſen wollen.“ Da verſtummte der junge Mann, und redete kein Wort mehr mit dem alten Chriſten. Neue Poſt-Office. Vom 1. April 1848 an bittet der Unterzeich⸗ nete alle ſeine Briefe, Zeitungen ꝛe. nach Marion, E Marion Co., Ohio, zu adreſſiren. Auch macht der Unterzeichnete ſeinen benach barten lutheriſchen Predigern bekannt, daß wenn ſie das neue lutheriſche Kirchengeſangbuch, heraus⸗ gegeben von der lutheriſchen Gemeinde in St. Louis, einzeln zu haben wünſchen, ſie dasſelbe nicht erſt von St. Louis oder New York beziehen dürften, ſondern er ſich einen kleinen Vorrath zu verſchaffen ſuchte, um Gelegenbeit zu geben, daß dieſes Geſangbuch auf leichte Weiſe in der Nähe zu haben iſt. A. Ernſt. Veränderte Adreſſe: Rev'd J. Isensee, East Germantown P. O., Wayne Co., Ind. Die Adreſſe an Mr. Anton Oesterle: Westfield P. O., Mulberry Co., Ohio, iſt unrichtig. Erhalten. ö 52.00 für die Heiden⸗Miſſion am Fluſſe Cass in Michi⸗ gan, von der lutheriſchen Zionsgemeinde in Willſhint Townſhip, Ohio. P1.222 für das lutheriſche Seminar in Altenburg von der lutheriſchen Gemeinde bei Waterloo, Ill. Bezahlt. ö Den 4. Jahrg. Die HH. Gerh. Heinr. Brockſchmidt,! Andr. Dreſcher, Chriſtian Faßler, P. Joh. Isensee, Gott⸗ lob Kling, Friedr. Kull, Chriſtian Spannagel, Friedr. Siockhare, Georg Weidner, Georg Wendling. Gedruckt bei Arthur Olshausen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.