# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S212 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 212 Die Artikel des christlichen Glaubens. habe, muß man wissen, daß er etwas gethan habe, das wir Menschen hätten thun sollen, also daß er Mensch sei, und um zu wissen, daß das, was er gethan, hinreichenden Werth habe, ist nöthig zu wissen, daß er Gott sei. Beide Artikel beschreiben also das innerste Wesen Christi, des persönlichen Glaubensfundaments. Ohne das innere Wesen des realen Fundaments Christi zu beschreiben, erscheint doch als nothwendige Grundlage zu diesen Artikeln z. B. der Artikel von der Dreieinigkeit Gottes: denn man muß den Vater kennen, damit man weiß, wer der sei, der so große Gnade dem menschlichen Geschlechte anbietet. Kennt man Gott den Vater, so muß man auch Gott den Sohn kennen, denn wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht. (1 Joh. 2, 23.; 4, 15.; Joh. 14, 9.) Dieselbe Nothwendigkeit, mit welcher die Kenntniß des Vaters die Kenntniß des Sohnes fordert, dieselbe fordert auch die Kenntniß des heil. Geistes, der vom Vater ausgehet und vom Sohne gesandt wird. (Joh. 15, 26.) — Es ist hier natürlich nicht die Rede von dem Geheimniß der heil. Dreieinigkeit und dem characteristischen Unterschiede der Personen unter einander. — Dahin gehört ferner: der Artikel von dem guten und gnädigen Willen Gottes, alle Menschen selig zu machen. Der gnädige Wille Gottes ist die antreibende innere Ursache (causa impulsiva interna), die dem Menschen Vergebung der Sünden bewirkt, mit ihr ist auf's innigste verbunden das Verdienst IEsu Christi als die antreibende äußere Ursache (causa impulsiva externa); die Kenntniß der letztern ist aber nutzlos, wenn die Kenntniß der ersteren fehlt; denn wenn Gott die Welt nicht also geliebt hätte, daß er ihr seinen eingebornen Sohn gab, so wäre kein Grund vorhanden, weshalb Gott das fremde Verdienst Christi vom Menschen als dessen eignes annehmen sollte. Dahin gehört ferner: der Artikel von der Sünde, der mit dem Artikel von der Genugthuung Christi für dieselbe in genauester Verbindung steht. Denn wenn einer nicht wüßte, daß die Menschen Sünder sind, insonderheit, daß er selbst gesündigt habe, so wäre kein seligmachender Glaube möglich. Wie könnts einer glauben, daß er eines Mittlers zwischen sich und Gott bedürfte, wenn er nicht wüßte, daß er Gott beleidigt habe! Antithese. Ein Irrthum demnach, wodurch ein primärer Fundamentalartikel aufgehoben, oder ein falscher und widersprechender gesetzt wird, sei es aus Bosheit oder Unwissenheit, ist ein grundstürzender, der das ganze Glaubensfundament aufhebt. 1 Joh. 4, 3.; Apostg. 4, 12.; Joh. 8, 24.; 1 Cor. 15, 14.; Apostelg. 15, 1.; Gal. 5, 2. 4. VIII. Secundäre Fundamentalartikel heißen diejenigen Theile der christlichen Glaubenslehre, welche man zwar ohne Verletzung des Glaubens-