# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S210 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 210 Die Artikel des christlichen Glaubens. Artikel sind diejenigen, deren Wahrheit nicht allein durch göttliche Offenbarung, sondern auch aus dem Lichte der natürlichen Vernunft offenbar sind, z. B. der Artikel von der Existenz Gottes, von den göttlichen Eigenschaften u. s. f. In sofern die gemischten Glaubensartikel durch das Licht der Vernunft erkannt werden, sind sie keine Glaubensartikel und die Theologie hat nichts mit ihnen zu thun; denn man weiß sie, Röm. 1, 19. 21; Hebr. 11, 1. Sofern sie aber in der heil. Schrift gefunden und ihre wahre und vollkommene Erkenntniß darin gegeben ist, heißen sie mit Recht Glaubensartikel. IV. Fundamentale Glaubensartikel heißen diejenigen Artikel, welche mit dem Fundament des Glaubens und Heils in solch' enger Verbindung stehen, daß sie ohne Verletzung desselben nicht unbekannt sein oder wenigstens nicht geleugnet werden dürfen. Das Fundament aber, worauf der Glaube und das Heil des Menschen ruht, ist IEsus Christus, als die Ursache der Seligkeit — das persönliche oder reale Glaubensfundament genannt. Betrachtet man dasselbe nach der Lehre, in welcher es dem Menschen zum Glauben vorgelegt wird, so heißt es das dogmatische oder das Lehrfundament, (fundamentum reale et dogmaticum). Fundament bezeichnet eigentlich dasjenige, was unter allen Theilen eines Gebäudes zuerst ist, und daher Grund und Ursache ist, daß das, was darauf ruht, nämlich das Gebäude, ist, oder doch sein kann. Analog redet man nun von einem Fundament des Glaubens und des Heils als demjenigen, welches zum seligmachenden Glauben und Heil der Menschen das Erste und daher Grund und Ursache ist, weshalb eben der seligmachende Glaube und das Heil ist oder doch sein kann. So nennt der heil. Apostel Paulus 1 Cor. 3, 11. als das Fundament, auf welchem die christl. Kirche oder die Gemeinschaft der Gläubigen ruht, d. i. derer, die durch den Glauben selig werden sollen — IEsum Christum, außer welchem kein andrer Grund gelegt werden kann. Ephes. 2, 20. nennt er die Gläubigen „erbauet auf dem Grund der Apostel und Propheten — i. e. auf der von ihnen gepredigten Lehre — da JEsus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau in einander gefügt, wächset zu einem heil. Tempel in dem HErrn.“ — (Hebr. 5, 12. 13.; C. 6, 1—2.) Es ist also nur Ein Fundament, das aber nach verschiedner Betrachtungsweise bald das persönliche oder reale, bald das dogmatische oder Lehrfundament genannt wird. — Unter dem Lehrfundament versteht man nur den Complex sämmtlicher fundamentalen Glaubensartikel, und nicht jeden einzelnen Fundamentalartikel für sich betrachtet. Aber sämmtliche Fundamentalartikel stehen in solch nahem Zusammenhange mit dem Fundamente, daß mit Hinwegnahme des einen oder andern Artikels auch Glaube und Heil des Menschen dahin fällt.