# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 07_S110 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) will, der überweiſe uns erſt, daß unſer Bekenntniß dem Inhalt nach mit der heiligen Schrift nicht in Einklang ſteht, oder er laſſe uns in Frieden! — —2— Iſt's recht, ein Biſchofsamt ſelbſt begehren? (Sieht: Luther über Pſalm 8, 3. Werke: Hall. IV. 767 f..) Daß wir geſagt haben, es ſoll niemand in der Gemeinde lehren, er ſei denn dazu von Gott be⸗ rufen, und daß jedermann bekannt ſei, was das für ein Beruf ſei, ſo merke eben darauf: Das iſt Gottes Beruf, wenn einer über, ja wider ſei⸗ nen Willen, durch die Gewalt ſeiner Oberher⸗ ren,“) ſie ſeien geiſtlich oder weltlich, zum Predigt— amte gefordert und gerufen wird. Denn es iſt keine Gewalt ohne von Gott, wie St. Paulus Röm. 13, 1. ſagt. Darum was beide, Obrigkeit und Gewalt, gebeut, da iſt kein Zweifel, denn es Gott ſelbſt gebeut. Daher leſen wir im alten Teſta⸗ ment, daß keine Hiſtorie noch Geſchichte glückſelig hinausgegangen iſt, wo man nicht Gott zuvor darum gefragt hat, und da man nicht zuvor, ent⸗ weder durch einen Engel oder durch einen Men⸗ ſchen, eine Antwort empfangen habe. Denn wie unglückſelig die Kinder Iſrael geſtritten haben ohne Gottes Befehl, leſen wir wohl im vierten Buch Moſis, Cap. 14, 44. 45., desgleichen ſehen wir in den Maccabäern. Lieber, zweifle nicht daran, wenn dich Gott haben will, er will dich wohl ſuchen, ja er wird einen Engel vom Him— mel herab ſchicken, der dich dazu führe. Und ich halte, daß dies die Urſache ſei, warum heutigen Tages weder Biſchöfe, noch Pfaffen, noch Mönche das Wort Gottes in der Kirche lehren, daß ſchier ihr Keiner mehr ſei, der da Gottes Berufung erwartet; ſondern allzumal rennen und laufen ſie nach den Pfarren und Pre⸗ digtſtühlen, nach Präbenden und Lehen, nach Müßiggang und vollem Bauche; alſo, daß jetzt zur Zeit entweder Verzweiflung, oder ein faul und gut Leben, nicht allein Mönche, ſondern auch Biſchöfe und Pfaffen machet. Dieſen göttlichen Beruf wirſt du nicht beſſer verſtehen, denn wenn du Acht haſt auf die Hiſtorien der heiligen Schrift und aller heiligen Männer in der Kirche; denn die aus Gottes Beruf gelehrt haben, die haben allezeit groß Ding gethan; als der heilige Augu⸗ ſtinus, Ambroſius, und vor ihnen der heilige Apoſtel St. Paulus. Daß ich aber nicht irgend einem ein Beküm⸗ merniß mache, ſo rede ich von denen, die da kom⸗ men zu predigen und lehren das Wort Gottes, dieſelbigen, ſage ich, ſollen fleißig Achtung darauf geben, daß ſie von Gott geſandt werden, wie St. Paulus Röm. 10, 15. ſagt: „Wie ſollen ſie pre⸗ digen, wo ſie nicht geſandt werden? Wie denn geſchrieben ſteht: Wie lieblich ſind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die da Gutes ver⸗ kündigen.“ Eſ. 52, 7. Und Malachias ſpricht, Cap. 2, 7.: „Des Prieſters Lippen ſollen die *) Luther redet hier den kirchlichen Verhältniſſen gemäß, wie ſie in Deutſchland beſtanden. Hier in Amerika ſind die „berufende Obrigkeit“ die Gemeinden ſelbſt. D. R. 110 Lehre bewahren, daß man aus ſeinem Munde das Geſetz ſuche, denn er iſt ein Engel des HErrn Zebaoth.“ Doch ſoll man die auch nicht verwerfen, die aus gottſeliger Meinung den Muth faſſen, daß ſie weder nach ihrem Nutzen und Genieß, weder nach ihrem Lobe, noch gutem ſanften Leben trach⸗ ten, ſondern allein darnach ſtehen, daß ſie Gottes Wort lehren und predigen mögen; wiewohl ſolche ein ſeltſamer Vogel ſind; ja man ſoll ſolche Män⸗ ner loben,“) wie St. Paulus 1 Tim. 3, 1. ſagt: „Das iſt gewißlich wahr, ſo Jemand ein Biſchofs⸗ amt begehret, der begehret ein köſtlich Werk.“ Warum er aber alſo redet, ſetzet er bald hernach Vers 2. ff. und ſpricht: „Es ſoll aber ein Biſchof unſträflich ſein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, ſittig, gaſtfrei, lehrhaftig, nicht ein Wein⸗ ſäufer, nicht beißig, nicht unehrliche Handthierung treiben; ſondern gelinde, nicht haderſüchtig, nicht geizig“, und was mehr daſelbſt folget. Solches Alles gehöret einem Biſchof zu. Der nun ſolches begehret, der begehret ein köſtlich Werk, denn ſolch Amt will haben einen, der da verachten kann Ehre, Leben und alle Güter; denn es iſt ein Dienſt der Wahrheit, die zuvor verkündiget hat, und geſpro— chen Matth. 10, 22.: „Ihr müſſet gehaſſet werden von Jedermann um meines Namens willen“; welches, weil es kaum die leiden, die man mit Gewalt, ohne ihren Willen dazu zieht, ſo hofft man umſonſt, daß es der leiden werde, der von ſich ſelbſt darnach ſtehet, oder der nicht aus einer ſonderlichen Gnade inwendig bewegt wird, nach einem ſolchen Amte zu ſtehen. Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen? (Fortſetzung.) 3.) Eine dritte gegründete Urſache, dieſe Worte uneigentlich zu nehmen, wäre endlich: wenn die eigentliche Bedeutung derſelben etwas enthielte, was gegen einen ausgemachten Artikel des chriſtlichen Glaubens anſtieße. Der heilige Apoſtel Paulus ſchreibt nemlich Röm. 12, 7. alſo: „Hat jemand Weiſſagung, ſo ſei ſie dem Glauben ähnlich.“ Hiermit will aber der heilige Apoſtel offenbar ſagen: es gebe eine ge— wiſſe Summe von Glaubensartikeln, die auf ſo deutlichen und klaren, keiner Auslegung bedürf⸗ tigen Sprüchen der heiligen Schrift beruhen, daß über ühre Richtigkeit kein Zweifel ſtatt finden könne; habe jemand Weiſſagung, das heißt, habe jemand die Gabe die Schrift auszulegen, ſo habe er ſich daher wohl vorzuſehen, daß ſeine *) Es iſt wohl zu merken, daß Luther hier nur ſolche tröſtet, die das Predigtamt zu „begehren“ und darnach zu „ſtehen“ wagen, keineswegs aber die, welche, wie z. B. die Methodiſten, ſelbſt gelaufen kommen und ſich in die Ge⸗ meinden und ihre Pfarrämter eindringen. Dieſe können keinesweges vorgeben, daß ſie der „Geiſt, die Liebe treibe“; denn Gottes Wort ſagt klar und deutlich, daß das Selbſt⸗ laufen und Selbſtkommen das rechte Kennzeichen der fal⸗ ſchen Propheten ſei. Vergl. Jer. 23, 21.: „Ich ſandte die Propheten nicht, noch liefen ſie.“ Matth. 7, 15.: „Sehet euch vor vor den falſchen Propheten, dit in Schafskleidern zu euch kommen.“ D. R. Auslegung dem „Glauben“ d. i. jenen unwider⸗ ſprechlichen Artikeln des chriſtlichen Glarbens „ähnlich“ ſei, ihnen nemlich nicht widerſtreite, ſondern mit denſelben auf das genaueſte überein⸗ ſtimme. Es iſt alſo gewiß: würde dadurch, daß man die Sacramentsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, in ihrer eigentlichen Bedeutung nimmt, irgend ein ausgemachter Artikel des chriſtlichen Glaubens umgeſtoßen, ſo wäre das freilich ein unwiderleglicher Beweis, daß der eigentliche Verſtand der Worte nicht der rechte ſein könne; denn es iſt unmöglich, daß ſich Gott in ſeinem Worte widerſpreche und von einer und derſelben Sache zugleich Ja und Nein ſage. Ein Beiſpiel möge den aufgeſtellten Grundſatz klar machen. Daß nicht Gott, ſondern der Sa⸗ tan und des Menſchen verkehrter Wille die Ur⸗ ſache der Sünde iſt, das iſt ein ausgemachter, auf den deutlichſten Schriftſtellen beruhender Artikel des chriſtlichen Glaubens; denn alſo heißt es u. a. Pſ. 5, 5.: „Du biſt nicht ein Gott, dem gottlos Weſen gefällt“ ꝛc.; ferner Jac. 1, 13. 17.: „Gott iſt nicht ein Verſucher zum Bö⸗ ſen — bei welchem iſt keine Veränderung, noch Wechſel des Lichts und Finſterniß.“ Wer nun irgend eine Bibelſtelle ſo auslegt, daß dadurch Gott zur Urſache der Sünde gemacht wird,“) deſſen „Weiſſagung iſt nicht dem Glauben ähn⸗ lich“, deſſen Schrifterklärung iſt daher ſo gewiß falſch, daß es weiter keiner Prüfung bedarf. So iſt nun die Frage: wird etwa dadurch, daß man die Einſetzungsworte eigentlich nimmt, und daher lehrt, daß der Leib und das Blut Chriſti im heiligen Abendmahle wirklich gegen⸗ wärtig ſei, und wirklich in, mit und unter dem Brode und Weine gereicht und mit dem Munde genoſſen werde, irgend ein Glaubensartikel um⸗ geſtoßen? — Diejenigen, welche zuerſt von den Worten Chriſti im heiligen Abendmahl abgegan⸗ gen ſind, haben dies allerdings behaupten wollen, als ſie keinen andern Ausweg mehr wußten; und noch immer wird es von denen behauptet, welche in unſeren Tagen dem reformirten Glauben oder vielmehr Unglauben vom heiligen Abendmahle huldigen. Man behauptet nemlich, wenn man die Einſetzungsworte eigentlich nehmen wolle, ſo werde dadurch ſowohl der Glaubensartikel von Chriſti wahrhaftiger Menſchheit, als von Chriſti Himmelfahrt umgeſtoßen. Man ſpricht erſtlich, die heilige Schrift lehre deutlich, daß Chriſtus einen wahren menſchlichen Leib gehabt habe, wie wir; nun gehöre aber zu dem Weſen eines Leibes, daß er räumlich be⸗ ſchränkt, daß er alſo an mehreren Orten nicht zu⸗ gleich gegenwärtig, vielweniger allgegenwärtig ſei; daher ſtoße es wider jenen Artikel des chriſt⸗ lichen Glaubens an, wenn man glauben wolle, daß der Leib und das Blut Chriſti allenthalben, wo das heilige Abendmahl gefeiert werde, wirk— lich zugegen ſei. Hierauf haben wir Folgendes zu antworten. Hier wird von jenem Grundſatze, daß die Weiſ⸗ ſagung dem Glauben ähnlich ſein ſolle, eine fal⸗ ſche Anwendung gemacht. Damit ſoll nemlich nicht geſagt ſein, daß man eine jede klare Stelle der heiligen Schrift, ſo bald ſie einer anderen Bibelſtelle nach den Gedanken unſerer Vernunft zu widerſprechen ſcheint, nicht in ihrem eigentlichen Verſtande nehmen dürfe, ſon⸗ dern die eine Stelle mit der anderen in eine vor der Vernunft richtige Uebereinſtimmung bringen *) Wie dies z. B. die Calviniſten thun in ihrer Lehrt von der unbedingten Gnadenwahl.