# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S209 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Artikel des christlichen Glaubens. 209 der Glaubenslehre in so innigem Zusammenhang stehen, gleichwie die Glieder eines Leibes unter sich selbst und zum Leibe, so daß keiner ohne Verstümmelung des Ganzen hinweggenommen werden kann. II. Glaubensartikel entstehen allein aus der heil. Schrift und lassen sich nicht durch die Vernunft begründen; insofern aber der in ihnen gegebene Inhalt sich dadurch von einander unterscheidet, daß ein Theil aus Wahrheiten besteht, die nur durch göttliche Offenbarung, ein anderer Theil aus solchen, die auch in einem gewissen Grade aus natürlicher Erkenntniß gewonnen werden; und insofern wiederum nicht alle darin enthaltenen Wahrheiten weder von gleicher Wichtigkeit für unser Heil noch auch in gleich enger Verbindung mit demselben stehen, so lassen sich die Glaubensartikel unterscheiden: 1. als reine und gemischte (puri et mixti), 2. als fundamentale und nicht fundamentale Artikel (fundamentales et non-fundamentales). Beweis: Daß Glaubensartikel nur aus der heil. Schrift entstehen, lehren deutlich folgende Stellen: Apostg. 26, 22.: „Und sage nichts außer dem, das die Propheten gesagt haben, daß es geschehen sollte und Moses.“ 1 Cor. 1, 17.: „Christus hat mich . . . . gesandt, das Evangelium zu predigen nicht mit klugen Worten, auf daß nicht das Kreuz Christi zu nichte werde.“ (cf. V. 18. 19. 20. 21.) 1 Cor. 2, 1.: „Und ich, lieben Brüder, da ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch zu verkündigen die göttliche Predigt.“ V. 4.: „Und mein Wort und meine Predigt war nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern in Beweisung des Geistes und der Kraft; (5.) auf daß euer Glaube bestehe nicht auf Menschen Weisheit, sondern auf Gottes Kraft.“ V. 13.: „Welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, welche der heil. Geist lehret.“ Hieher gehören auch alle die Stellen heil. Schrift, in welchen gradezu gesagt ist, daß Gottes Wort der natürlichen Vernunft eine Thorheit ist, 1 Cor. 1, 18. 19. 21. 23. 25., C. 2, 14., C. 3, 19. Antithese. Es ist demnach durchaus irrig und wider Gottes Wort, Glaubensartikel zur Evidenz bringen, nämlich aus der Vernunft beweisen zu wollen, wie solches die Wolfische Philosophie versucht hat (vergl. Guericke Kircheng. III, p. 474, 8. Aufl.) — oder die Glaubenslehre aus einem obersten Grundsatz entwickeln zu wollen, wie dies das Streben der neuern Theologie ist; — oder Glaubensartikel durch menschliche Auctorität des Pabstes oder der sog. Kirche stellen zu wollen, wie sich solches die römische Kirche anmaßt. III. Reine Glaubensartikel heißen diejenigen, deren Inhalt nur durch göttliche Offenbarung erkannt wird, z. B. der Artikel von der Dreieinigkeit Gottes, von der Menschwerdung des Sohnes Gottes u. s. w. Gemischte