# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S206 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 206 Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. wohl die Sehnsucht, ihn zu schauen, wie er ist, größer sein, als da, wo er sich so nahe zu uns thut? Den Schluß des nun zu seinem Höhepunkt gekommenen Gottesdienstes bildet die Danksagungscollecte, die zugleich Bitte um die Frucht des empfangenen Sacraments ist und der Aaronische Segen, „als Bekräftigung und Besiegelung aller durch Wort und Sacrament empfangenen Gnadengaben durch eine letzte Gnadenmittheilung“ von dem, der Eines giebt im Mannichfaltigen, und in dem Einen Mannichfaltiges. Als zweiter charakteristischer Zug dürfte Freiheit und Mannichfaltigkeit der Bewegung, wie Einfachheit und Einfältigkeit zu bezeichnen sein. Gesprochenes und gesungenes Wort, bald als freie, bald als feststehende Rede, bald durch den Diener des Worts, bald durch Gemeinde, dazwischen auch dem Chor, (der nicht eigentlich als Vertreter der Gemeinde, sondern als ein aus ihr heraustretender Kreis zu betrachten ist, der die Gabe des Gesangs als besonderes Opfer zur Heiligung des göttlichen Namens und zur Erbauung der Gemeinde Gottes darbringt) — erzeugen eine reiche Mannichfaltigkeit und einen wunderlieblichen Wechsel. Indem aber diese Mannichfaltigkeit und dieser Wechsel nicht durch Willkühr, sondern durch die Idee der ganzen Messe oder Communion — das Wort der Verheißung und in ihm Christus*) — bestimmt ist, so zeichnet sich gegenüber papistischer Ueberladung der ganze Gottesdienst wieder durch Einfachheit und Einfalt aus, die eben deshalb auch zu ihrem Verständniß und zum Wohlgefallen an ihnen ein einfältiges und kindliches Gemüth erfordert; denn nicht die reformirte Kahlheit und Entleerung gibt dem Gottesdienst eigentlich das Gepräge der Einfachheit und Einfalt, sondern diejenigen Formen und diejenige Gliederung derselben, durch welche unwillkührlich das Gemüth auf das Wort und Sacrament durchweg hingelenkt wird, so daß, mit Luther zu reden, „alles um des Worts und Sacraments willen unter den Christen geschieht im Gottesdienst.“ Durch die einzelnen Theile des Gottesdienstes und deren Zusammenfügung zu einem abgerundeten charakteristischen, von dem Einen Nothwendigen getragenen und durchdrungenen Ganzen finden somit die in § 6-10 entwickelten Grundsätze ihre Verwirklichung. Hierbei erlaubt sich nun noch Referent für einzelne Stücke, wie für das Ganze des Hauptgottesdienstes theils zur Bestätigung des hierüber Gesagten, theils zum eingehenderen Verständniß etliche der hierher gehörigen Aussprüche Dr. Luthers anzuführen. 1. über die einzelnen Bestandtheile des Hauptgottesdienstes. *) Als Ziel und Schlußstein des Hauptgottesdienstes stellt Referent das heil. Abendmahl lediglich insofern hin, insofern es das zuletzt folgende Siegel des durch Predigt und Absolution verkündigten Evangeliums ist. Leitende Idee der Communio ist und bleibt das Wort der Verheißung in Predigt, Absolution und Sacrament. Vgl. damit das sub I. § 8 über die Stellung des Worts und Sacraments in diesem Ref. Gesagte nebst den sub b. betreffenden Citaten aus Dr. Luthers WW., desgl. das Citat im vorhergehenden Paragraph.