# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 205 Einheit ist der erste Zug der Composition des Hauptgottesdienstes. Er ist ein Ganzes in seiner schöner Gliederung, die in einem Stufengang zum Sacramente, als ihrem Ziele strebt. Nachdem der Introitus, vom Chor gesungen, den Gottesdienst eingeleitet und den Charakter des Sonn- und Festtags bezeichnet hat, demüthigt sich zuvörderst die Gemeinde im Kyrie vor Gott und steigt darauf durchs Gloria und den Hymnus Angelicus (Allein Gott ꝛc.) also im Preis dessen, der aus großer Liebe zur Welt seinen Sohn dahingegeben hat, aufwärts zur Bitte, zum Anhören des Worts in Epistel und Evangelium mit dem Lobgesang oder dem Hauptlied oder Festlied dazwischen, zum freudigen und tapfern Glaubensbekenntniß, nach dessen Amen sie mit Maria niedersitzt, und ruht, um zur Förderung ihres inwendigen Lebens die dem Glauben der Kirche ähnliche Weissagung in der Predigt zu vernehmen, die zuletzt in der sich anschließenden öffentlichen, allgemeinen Beichte und Absolution als einer Uebung und Application des gehörten Gesetzes und Evangeliums ausläuft. Nach diesem Ruhepunkt kehrt sich die Gemeinde der Besiegelung der Gnadenverheißung im Wort, der Handlung des Sacraments zu. Reich gemacht durchs Wort des Evangeliums und mit Trost und Freudigkeit durch die Absolution insonderheit erfüllt, läßt sie im Kirchengebet, den begehrten Fürbitten ꝛc. und dem heil. Vaterunser ihre Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden, und damit auch die Daheimgebliebenen im Gebet der Gebete sich mit ihr vereinigen, ruft sie beim Beginn desselben diese durch das dreimalige Anschlagen der Betglocke dazu auf. So vorbereitet auf die Vereinigung mit dem HErrn und die Besiegelung der im Wort durch den Glauben ergriffenen Gnade naht man zum Altare, dem HErrn dabei in der Psalmodie, dem „Schaffe in mir Gott“ aus Ps. 51 das Opfer eines bußfertigen Herzens, wie das der Liebe in freiwilliger Spende für den Gotteskasten darzubringen. Die Präfation, ihrem Namen nach Einleitung, ihrem wesentlichen Ursprung nach nahezu apostolisch, ist Danksagung, Eucharistie, und Anbetung durch das Dreimalheilig (Sanctus) vor dem, der da kommt durchs Sacrament im Namen des HErrn. Im Vaterunser — da und dort mit vorausgehender Lutherscher Abendmahlsvermahnung in kürzerer Form — und den Testamentsworten vollzieht sich die Consecration und indem darauf im Agnus Dei die Gemeinde einmüthig des HErrn Tod verkündigt und im Friedensgruß nochmals die Versicherung seiner Gnade empfängt, werden unter dem Bekenntniß der wahrhaftigen Gegenwart des Leibes und Blutes Christi dieselben unter dem Brot und Wein, kraft der Einsetzung des HErrn, ausgetheilt. Trefflich schließt sich nun an die Distribution in manchen Liturgien das Nunc dimittis („HErr nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“ oder: „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“) an — denn was kann man im Jammerthal von Kräften der zukünftigen Welt mehr verlangen, als den Genuß des Leibes und Blutes Christi zur Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit und wann könnte