# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S200 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 200 Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. nutz und noth seien, nämlich damit man das Herz zusammen halte, daß es nicht zerstreuet werde und sich mit den Gedanken an die Buchstaben hefte, wie man sich mit der Faust an einen Baum oder Wand halten muß, auf daß wir nicht gleiten, oder zu weit flattern und irre fahren mit eigenen Gedanken. Das mangelt unsern Schwärmern, daß sie meinen, wenn sie in ihre hohe geistliche Gedanken fahren, so haben sie es troffen; und sehen nicht, wie sie ohn Wort des Holzwegs fahren, lassen sich eitel Irrewische verführen. Darum sei gewarnet für solchen fliegenden Gedanken, und hüte dich nur, mit Gott zu handeln außer dem mündlichen Wort und Gebete; doch daß du rechten Unterscheid haltest, daß nicht ein lauter äußerlich Gebete sei, da man nichts weiter suchet, denn das Werk, und meinet, wenn so viel gelesen oder gesprochen sei, so habe man verthan; so doch das Herz nicht einmal erfähret, was der Mund redet, oder denket, was er thue; sondern also, daß das Herz anhebe, darnach äußerlich Mund und Leib, Wort und Geberde mit gehe. Summa, wenn es von Herzen gehet, mit Lust und Ernst zu bitten, da ists alles löblich und gut, wie man sich dazu stellet.“ (Erl. A. 50, 161—163.) §. 7. Ceremonien, Uebermaß oder Kahlheit. Wie vor Augen liegt, führt der hierarchische Geist zu einem Uebermaß der Ceremonien und gibt dem ganzen Gottesdienst den Charakter des Sinnlichen, wozu die beiden Vermögen des menschlichen Geistes, Gefühl und Phantasie, auf eine bedenkliche Weise vornehmlich in Anspruch genommen werden, und wobei durch Schaugepränge mancherlei Art, durch Musik, die oft den leichtfertigsten Opernstyl nicht scheut, durch Weihrauch u. dgl. Augen, Ohren und alle Sinne umnebelt sind, während der Verstand und durch diesen das Herz durch die Verkündigung des Worts verhältnißmäßig wenig genug berücksichtigt werden. Apologie Art. 13: „Wir wollen hier geschweigen der unzähligen kindischen Ceremonien und närrischen Gottesdienste mit Lection, mit Gesängen und dergleichen, welche zum Theil möchten zu dulden sein, wenn sie ein Maß hätten, und zu guter Uebung gebraucht würden, wie man die Lection in der Schule und die Predigt dazu gebraucht, daß die Zuhörer davon sich bessern. Wenn sie solche Kirchendienst und Ceremonien dahin richteten, daß die Jugend und der gemeine Mann möchte geübt werden in Gottes Wort, so wären kurze und fleißige Lection viel nützer, denn ihr Geplärre im Chor, das weder Maß noch Ende hat.“ Den extremen Weg schlägt der schwärmerische Geist ein. Er entkleidet das Kirchenjahr seiner Feiern, die Kirche ihres Schmuckes, die Prediger ihres Ornates, die Liturgie selbst ihrer schönen Formen; Kahlheit und übergroße Nüchternheit ist der charakteristische Zug des schwärmerischen Gottesdienstes, wobei neben der Mißachtung des Decorums (des Wohlanständigen, des Schicklichen) oft auch noch die wüsteste Unordnung vorherrscht.