# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 07_S109 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Seinen, ſo ihm treu bleiben, zu erhalten und zu erretten wiſſe. Damit ihr aber gleichwohl gewahr werdet, wo dieſer ehrliche Mann dieſe 13 Jahr über hat Haus halten müſſen, ſo ſollt ihr, nicht wie er, 13 Jahre, ſondern nur 13 Tage allda euer Bleiben haben, wo er die 13 Jahr hat zu⸗ gebracht, nach Verfließung der 13 Tage ſollt ihr eure Freiheit haben.“) Der General ſchwieg. Sein Befehl wurde aber ſofort vollzogen, der Rector nach dem Rondel gebracht und daſelbſt ſo verwahrt, wie er und ſeines gleichen einſt dem „Gott-Treu“ Felsner gethan hatte. — Von dieſem haben wir nun noch etws ſehr Liebliches zu berichten. Es nahete nämlich jetzt die öſter⸗ liche Zeit herbei, und da verlieh denn der HErr dieſem ſeinem alten treuen Knechte die große Gnade, daß er am heiligen Oſtertage noch einmal eine Oſterpredigt in der Ollmützer Stadtkirche in Gegenwart vieler tauſend Menſchen halten, und als ein wunderbarer lebendiger Zeuge von dem auferſtandenen Siegesfürſten reden konnte, der durch ſein allmächtiges Wort auch ihn in ſeinem Grabe lebendig erhalten hatte. Drei Wochen nachher brachte der HErr IEſus dieſen frommen und getreuen Knecht zu ſeiner ewigen Ruhe. Der General Winter ließ ihn in eine vor dem hohen Altare der Stadtkirche zu Ollmütz befind⸗ liche Gruft ſehr prächtig begraben, und ihm ein überaus koſtbares Denkmal von Marmor ver⸗ fertigen, auch ſein Bild zum Andenken in der Kirche aufhängen. Als jedoch nach geſchloſſenem Weſtphäliſchen Frieden (1648) die Schweden Ollmütz wieder verließen, ſo iſt dies Alles von den Papiſten zerſtört und völlig ruinirt worden, ſo daß keine Spur mehr davon vorhanden iſt. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß, als nach 13 Tagen das Rondel wieder geöffnet wurde, um den Rector, wenn er noch am Leben war, heraus zu laſſen, derſelbe todt und im ver⸗ weſenden Zuſtande gefunden wurde. J. N. * (Eingeſandt.) Abweiſung derer, die unſerer Kirche zumuthen, unſere Anhänglichkeit an die Bekenntnißſchriften aufzugeben! (Aus d. Octoberheft der Zeitſchrift für Proteſtant. u. Kirche.) — Das ſagen wir allerdings — und dies Recht wird man unſerer Kirche zugeſtehen müſſen — daß wir unſer Bekenntniß ſo lange für wahr halten, bis es widerlegt oder berichtigt iſt! Und das wollen wir auch, daß die Lehrer in un⸗ ſerer Kirche den Gemeinden nicht predigen, was ihnen gefällt, ſondern den gemeinſamen Glauben unſerer Kirche auch als den ihrigen bekennen; ) Eine neuere Erzählung dieſer merkwürdigen Begeben⸗ heit giebt an, der General habe dem Rector ſein Urtheil durch ein Kriegsgericht ſprechen laſſen, was dahin aus⸗ gefallen ſei, daß er in derſelben Zelle, die er zu Felsners Grabe beſtimmt hatte, den Hungertod ſterben ſolle. Auf inſtändiges Bitten Felsners und des Feldpredigers habe iedoch der General dasſelbe dahin gemildert, daß er nur acht Tage lang bei einem hinreichenden Vorrath von Brod und Waſſer eingemauert werden ſolle. — Die im Terte benutzte ältere Quelle ſcheint übrigens auch Rieger in ſeiner Geſchichte der böhmiſchen Brüder, Bd. 3. pag. 49., gekannt und benutzt zu haben. 109 der Willkühr wollen wir nicht Thür und Thor öffnen, daß einer verkündige: Chriſtus ſei Gottes Eingeborner Sohn, mit dem Vater gleicher Macht und Ehren, und der andere: damit ſei weiter Nichts geſagt, als daß Er ein vorzüglich begabter Menſch geweſen; und daß einer wie der andere in Einer und derſelben Kirche ſich auf ſein gutes Recht alſo zu predigen berufen könne.“) Theilt Jemand den Glauben der Kirche nicht, in der er das Lehramt bekleidet, ſo wird er als ein ehrlicher Menſch es aufgeben, oder von vorn herein nicht ſuchen. Theilt er ihn aber, ſo wird es keine „ſklaviſche Unter⸗ werfung“ und keine „unvermittelte Geltend⸗ machung“ ſein, die aus ſeinen Predigten ſpricht, ſondern der Glaube ſeines Herzens, der mit dem Glauben der Kirche Eins iſt. Wollte man eine ſklaviſche Unterwerfung, wozu ließe man die künftigen Lehrer der Kirche (in Deutſchland) Theologie ſtudiren? Was hat die Forderung dieſes Studiums für Sinn, als daß man will, ſie ſollen auf dem Wege eigner Forſchung und wiſſenſchaftlicher Vertiefung in der Schrift eine freie Ueberzeugung von der Wahrheit unſers Glaubens ſich verſchaffen! Dazu werden ihnen die Mittel dargeboten, in der guten Zuverſicht, daß unſer Bekenntniß ſich vor dem Licht der Wiſ⸗ ſenſchaft nicht zu fürchten habe, ſonſt würde man ſie beſſer in Dreſſuranſtalten ſperren, und anſtatt der theologiſchen Fakultäten Klerikalſeminarien errichten. Es erweckt wirklich Ueberdruß, ſo oft Geſagtes, Klares und Einfaches immer wiederho⸗ len zu müſſen, und gläubige Männer zum Wenig⸗ ſten ſollten doch endlich ſoweit ihre vorgefaßten Vorurtheile überwinden können, daß ſie nicht ein⸗ ſtimmen in den Chorus, der der Kirche zumuthet, den letzten Zaun und Schutzwehr um ſich herum vollends niederzureißen, damit das Werk der Zer⸗ ſtörung, davon Pſalm 80, 13 und 14. ſteht, nicht blos noch ungehinderter, denn das läßt ſich bei⸗ nahe nicht mehr denken, ſondern auch mit allem Anſpruch vollen Rechts vor ſich gehen könne. Ja die theologiſche Wiſſenſchaft vertiefe ſich mit völlig freier Hingebung in die Schrift, ſie ſtrebe unabläſſig, den ganzen Inhalt derſelben zu repro⸗ duziren, ſie laſſe ihren Forſchungstrieb und ihren Forſcherberuf durch keine Schranken binden, als die der Gegenſtand der Forſchung ſelbſt unmittel⸗ bar ihr auflegt! Sie hat ja ſo gethan, Dank ſei es dem Rationalismus! Ich ſage dies nach einer Seite hin mit vollem Ernſte; ſie hat ja alle hemmenden Umzäunungen hergebrach⸗ ter Sätze und Lehren (zufällige Formeln vergan⸗ gener Jahrhunderte — wie man ſie nennt) wirk⸗ lich zertrümmert und die Theologie von ihnen allen in der That emanzipirt! Aber was war der Er⸗ folg? Nicht mehr noch minder, als eine auf dem Wege erneuerter freier Forſchung gewonnene voll⸗ ſtändige Beſtätigung aller und jeder Hauptbe⸗ ſtimmungen unſers alten Bekenntniſſes, als ein neues feierliches Siegel auf deſſen Wahrheit, ge⸗ *) Das iſt eben das Falſche der ſogenannten Evan ge⸗ liſchen (unirten) Kirche, daß darin auch der Ungläubige und Falſchgläubige ein Recht hat, ſeinen Un⸗ oder falſchen Glauben zu bekennen und zu predigen. D. R. wonnen in dem heißeſten Kampf mit einer Kritik, der nichts zu heilig war, um nicht ihr Secirmeſ⸗ ſer daran zu verſuchen. Und Angeſichts ſolcher Ergebniſſe ſtellt man der Kirche die Zumuthung, eben dies gute Bekenntniß fallen zu laſſen, um ſeine Aufrechthaltung ſich nicht mehr zu kümmern, und jeglichem Geiſt, er trage bei ſich, welcherlei Zeugniß er wolle, wenn er ſich nur pro forma noch auf die Schrift beruft, das heilige Amt der Verkündigung des Wortes Preis zu geben, nur damit ſie dem Tadel nicht verfalle, als binde ſie die Geiſter in ſklaviſcher Unter⸗ werfung unter die Ueberlieferung des 16. und 17. Jahrhunderts. wo glücklicher Weiſe die Wahrheit an das helle Licht geſtellt ward! Die in der Furcht des HErrn forſchenden Theologen haben ſicherlich am wenigſten den Druck des „Symbol⸗ zwanges“ zu beklagen, nur die in eigner Will⸗ kühr ihre ſelb ſterwählten Bahnen verfolgenden Geiſter finden ihn bisweilen läſtig; aber ſie wiſ⸗ ſen ſich wohl ſonſt zu helfen, und haben nicht das Recht zu fordern, daß die Rückſicht auf das Wohl und den rechtlichen Beſtand der ganzen Kirche der Schonung gegen ihren Unbeſtand und ihre Unreife untergeordnet werde. Wenn man ſo oft den Verfall der alten Kirchen⸗ zucht beklagt, wie bringt man das in Einklang mit der Forderung, den letzten arg verkümmerten Ueberreſt, die letzte noch vorhandene Spur von Zucht, die wenigſtens den Lehrerſtand einiger⸗ maßen bindet, vollends abzubrechen? Und was thut denn die Kirche? Was übt ſie denn für! Tyrannei an denen, die nicht mit freier Ueber⸗ zeugung den Inhalt der Symbole zum Inhalt ihres Glaubens machen können? Sie ſagt zu ihnen: So könnet Ihr nicht Lehrer ſein bei mir! und ſagt es aufs Glimpflichſte, und dehnt in der Anwendung die Grenzen ſo weit als immer mög⸗ lich, ja gibt (in Deutſchland) den abgetretenen Geiſtlichen wohl noch Jahrgehalte, um ſie perſön⸗ lich vor Mangel zu ſchützen. Aber Nein! ſie ſoll auch das nicht, ſonſt wird ihr vorgeworfen, ſie kette die Exegeſe (Schriftauslegung) und ich weiß nicht, was ſonſt noch, weil ſie ſich erlaubt, dien Meinung zu hegen, es ſei doch nicht jeder Paſtor gerade berufen, ſeine Einfälle der Gemeinde als Evangelium vorzutragen, und weil ſie als Maß⸗ ſtab zur Beurtheilung ſeiner Lehre nicht ſeine eignen Gedanken von ſich ſelber, ſondern die bewährten, nach der Schrift vielmal geprüften, Bekenntniſſe der Väter nimmt, die ſie als ihre eig⸗ nen anerkennt. — Doch genug von dieſem leidigen Streitpunkt, über den es wahrlich endlich auch Noth thäte, daß die Gläubigen ſich einigten, und der unfruchtbaren Seitenblicke nach dem, was der Welt gefällt, die drum doch Welt bleibt, ſich entſchlügen. Die Stellung, welche wir den Symbolen anweiſen, als Zeugniſſen des Glaubens unſerer Kirche, den wir bekennen, weil er aus der heiligen Schrift geſchöpft iſt und mit ihr übereinſtimmt, ſtreitet nicht mit dem Schriftprinzip, wie die Proteſtan⸗ tiſche Kirche es aufſtellt (daß die heilige Schrift die einzige Regel und Richtſchnur des Glau⸗ bens und Lebens ſei), und wer dies behaupten