# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S199 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 199 ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern daß sie stille sei.“ Luther, zu Joh. 17, 1.: „Das ist aber wahr, wenn es (das Knieen, Augen aufheben, Hände falten, an die Brust schlagen ꝛc.) ein lauter äußerlich Geberde, Gemürre oder Geplärre ist, wie man bisher über Tag in der Kirchen gestanden, die Körner am Rosenkranz gezählet, Blätter umgeschlagen, im Chor geheulet und getönet hat; das heißt freilich nicht gebetet. Denn es geschieht gar ohne Herz und Seele, und ist Keiner, der mit Ernst einmal denke, Etwas von Gott zu erbitten oder zu erlangen. Wo aber solche Geberde, Singen, Reden oder Lesen der Meinung geschiehet, daß man dadurch das Herz anzünde, Lust und Andacht zu beten erwecke, so ist es sehr nützlich und gut. Denn darum ist auch von Alters her der Psalter in der Christenheit geordnet täglich zu singen und zu lesen, daß man durch Gottes Wort, leiblich gehöret und gehandelt, Andacht schöpfe zu rufen und seufzen. Auch haben wir solchs Gebets und äußerlicher Reizung viel Exempel in der Schrift, als von dem Propheten Elisa 4. (2.) Reg. 3., wie seine Weise gewesen ist, wenn er sich nicht andächtig oder lüstig genug fühlete, daß er ihm ließ einen Harfenspieler holen, dadurch er erweckt ward, und Erleuchtung gewann zu weissagen; und der König David ordnet darum täglich mit allerlei Saitenspielen fröhlich zu singen und klingen im Tempel, daß das Volk erwecket und lüstig würde zum Gebet. Ich weiß nicht wie stark andere im Geist sind; aber so heilig kann ich nicht werden wenn ich noch so gelehret und voll Geistes wäre, als etliche sich dünken lassen. Noch widerfähret mirs allezeit, wenn ich ohn das Wort bin, nicht daran denke, noch damit umgehe, so ist kein Christus daheim, ja auch keine Lust und Geist; aber so bald ich einen Psalmen oder Spruch der Schrift für mich nehme, so leuchtets und brennet ins Herz, daß ich ander Muth und Sinn gewinne. Ich weiß auch, es solls ein Jeglicher täglich also bei sich selbs erfahren. Ursach ist diese, wie wir alle an uns finden, daß unsere Sinn und Gedanken so ungewiß, schlüpferig und unstete sind, daß, ob wir gleich wollen anheben, etwas Ernstlichs zu bitten oder von Gott zu denken, ohn Wort und Schrift, da gehet es gewißlich also, daß wir, ehe man sich umsiehet, wohl hundert Meil von dem ersten Gedanken fahren. Versuche es, wer da will, und sage mir es wieder, wie lange er auf einem fürgenommenen Gedanken bleiben könne. Oder nimm dir ein Stündlein für, und gelobe mir alle deine Gedanken zu sagen: was gilts, du wirst dich für dir selbs schämen müssen, und fürchten, wenn du solltest reden, was dir einfiele, man würde dich für einen thörichten Hund binden und an Ketten legen? Mir widerfährets wohl, wenn ich mich gleich mit ernstlichen und allerbesten Gedanken bekümmere. So jämmerlich zurissen Ding ists um des Menschen Herz: das gehet, webt und wanket, daß kein Wind noch Wasser so beweglich und unbeständig ist. . . . Solches rede ich darum, daß man nicht also über solche Text hinschnurre, wie die rohen Geister; sondern lerne, wozu solch äußerlich Wort und Weise