# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S198 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 198 Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. daher sagte und las, wie ein Papagei redet. Daher ist kommen ein wüst Meer voll horas canonicas, das Geheule und Geplärr in Stiften und Klöstern, da man die Psalmen und Lection ohn allen Geist daher sang und las, also, daß man nicht verstunde noch hielte weder Wort noch Sentenz und Meinung.“ (E. A. 59, 9. 10.) Läßt der hierarchische Geist das geistliche Priesterthum gar nicht zum Recht und Brauch im Gottesdienst kommen: so führt der schwärmerische Geist vom rechten Brauch ab und zum Mißbrauch. Unberufene beten und predigen neben den berufenen Predigern in einem und demselben Gottesdienst, ja bei den Quäkern, bei denen es weder öffentliches Predigtamt, noch Sacrament giebt, predigt und redet jeder, über den der „Geist“ kommt, zu Zeiten aber auch keiner, weil der Geist nicht kommt. Nicht blos Männer, auch Weiber beten im öffentlichen Gottesdienst, wie z. B. bei den Methodisten. Bemerkenswerth ist besonders die Geringschätzung der Gebetsformulare. Ihr Gebrauch ist dem schwärmerischen Geiste das gerade Gegentheil von dem was er „Herzensgebet“ nennt und ein Hinderniß des „lebendigen“ Christenthums. Wo er es daher vermag, verpönt er den Gebrauch der Gebetsformulare gänzlich, wie bei den Puritanern und Methodisten, ja macht nicht nur wie die letzteren von dem heil. Vaterunser einen sehr seltenen, sondern auch gar keinen Gebrauch, wie die Darbisten, die aus Haß gegen jede kirchl. feste Form selbst das Gebet der Gebete nicht beten. Und doch ist gerade durch solchen Mißbrauch des geistl. Priesterthums der rechte Brauch eingeschränkt, indem die Schwärmer, da sie sich in ihrer Aufgeblasenheit so des heil. Geistes voll wissen, daß Jedem zur Stunde immer das gesalbte Wort zur Verfügung steht, völlig der Subjectivität ihres Vorbeters preisgegeben sind, wohl noch mehr, als wenn derselbe statt der Lieder der Kirche die eigenen (improvisirten) Gedichte im Gottesdienste singen ließe. (Zinzendorf.) Anmerkung 1. Auch der Pietismus sieht im Gebrauch der Gebetsformulare eine Fessel für den Geist, und im freien Gebet nur ein Beten im Geist und in der Wahrheit. Anmerkung 2. Bemerkenswerth ist, daß einem Theil der hiesigen englischen Secten neben dem Mißbrauch auch wieder die Zuhörer in völlige Passivität versetzt sind, indem die Gemeinde nicht nur dem Prediger, der ihr vorbetet, sondern auch dem Chor, der ihr vorsingt, zuhört. 1 Cor. 14, 33—35.: „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Gemeinen der Heiligen. Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeine: denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern unterthan sein, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, unter der Gemeine reden.“ 1 Timoth. 2, 8. 11. 12.: „So will ich nun, daß die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel. Ein Weib lerne in aller Stille mit aller Unterthänigkeit. Einem Weibe aber gestatte