# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1862_S195 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 195 apostolischen Gebrauch sucht, alles in der nachapostolischen Zeit zum Kirchengebrauch Gewordene rücksichtslos verwirft, eben damit radical mit der Geschichte bricht und zugleich der Willkühr, die sich bis zum Vandalismus steigert, Thür und Thor öffnet. Luther, wider die himml. Propheten: „Gleichwie wir den Pabst auch deshalben den Endechrist erweiset haben, daß er solche Freiheit bricht mit Gesetzen, da Christus Freiheit haben will; und mein Rottengeist plumpt eben denselben Weg hinein, will auch fangen, das Christus frei haben will. Aber es hat hierinnen mit dem Rottengeist eine andere Nasen, denn mit dem Pabst, sie brechen beide die christliche Freiheit, und sind beide widerchristisch; aber der Pabst thute durch Gebot, Dr. Carlstadt durch Verbot; der Pabst heißt thun, Dr. Carlstadt heißt lassen: wie denn die christliche Freiheit durch die zweierlei gebrochen wird, wenn man gebeut, zwingt und dringt zu thun, das doch nicht geboten noch erzwungen ist von Gott, oder wenn man verbeut, wehret und hindert zu lassen, das doch nicht verboten noch gewehret ist von Gott: denn mein Gewissen ist ebensowohl gefangen und verführet, wenn es etwas lassen muß, das nicht noth ist zu lassen, als wenn es etwas thun muß, das nicht noth zu thun ist: und die christliche Freiheit ebensowohl untergehet, wenn sie lassen soll, das sie nicht lassen muß, als wenn sie thun soll, das sie nicht thun muß. . . . Nun ist das Aufheben des Sacraments, Platten tragen, Kasel und Alben anlegen ꝛc. ein Thun, da Gott nichts von geboten, noch verboten hat; drum solls frei sein, wem es gelüstet zu thun und zu lassen; solche Freiheit will Gott haben ꝛc. Weil aber der Pabst das Thun nicht frei läßt, sondern zwingt dahin mit Lehre und Gebot, da greift er Gott in sein Amt und setzt sich durstiglich an Gottes Statt, wie St. Paulus von ihm verkündigt hat 2 Thess. 2, 4., und macht Sünde, da Gott keine Sünde haben will und tödtet damit die Seelen und verknüpft die Gewissen. Weil aber Dr. Carlstadt das Lassen nicht frei gibt, sondern zwingt mit Verbot und Lehre, man soll es nicht aufheben ꝛc., greift er auch Gott in sein Amt, setzt sich an seine Statt und macht Sünde, da keine Sünde sein kann noch soll, und tödtet also auf dieser Seiten die Seele, wie der Pabst auf jener Seiten, brechen alle beide wie die Seelmörder die christliche Freiheit. Wir aber gehen auf der Mittelbahn und sagen: Es gilt weder Gebietens, noch Verbietens, weder zur Rechten, noch zur Linken, wir sind weder päbstisch, noch carlstadtisch, sondern frei und christisch, daß wir das Sacrament aufheben wie, wo, wann, wie lange es uns gelüstet, wie uns Gott die Freiheit hat geben. Gleichwie wir frei sind außer der Ehe zu bleiben oder in die Ehe zu treten, Kasel zu tragen oder nicht, Kutten und Platten zu haben oder nicht. Hier sind wir Herren und leiden kein Gesetz, Gebot, Lehre noch Verbot. Wie wir denn auch beiderlei hier zu Wittenberg than haben. Denn im Kloster haben wir Meß gehabt ohne Kasel, ohne Aufheben, schlecht aufs allereinfältigst, wie Carlstadt Christus Exempel rühmet. Wiederum in der Pfarr haben wir noch