# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S190 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 190 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Nothständen gegenüber sind die jenseits des Oceans bereits gebildeten kirchlichen Vereinigungen keineswegs unempfindlich, noch ohne den heißen Wunsch, helfen zu können. Sie thun, so viel sie vermögen, errichten Predigerseminare, bilden Gemeinden, senden Reiseprediger; aber wie sollen sie dem Mangel begegnen, wo der Strom der einwandernden deutschen Bevölkerung allein in jenen nordwestlichen Districten der Vereinigten Staaten jährlich an 50,000 Einwanderer bringt?“ — Letzteres hat freilich bedeutend nachgelassen. Der Freimund meldet: „Mit jedem Schiffe kehren aus New York zahlreiche Deutsche in die Heimath zurück und schildern die Lage drüben als unerträglich.“ Unionismus. Folgendes berichtet der Pilger: „Von dem preußischen Confessions-Mischmasch, Union genannt, habe ich neulich ein Pröbchen gelesen, das unter Allem, was ich davon erfahren, nahezu das Abenteuerlichste ist. Da ist nämlich im vorigen Jahre an das Provinzialschulcollegium zu Münster ein ministerieller Befehl ergangen, daß in zwei evangel. Lehrer-Seminarien dortiger Gegend dem Religionsunterricht vornehmlich der kleine Luther'sche Katechismus, wie bisher, zu Grunde gelegt werden soll, aber daneben nicht nur der Wortlaut und das Verständniß des Heidelberger Katechismus (der bekannten reformirten Bekenntnißschrift) den Zöglingen angeeignet, sondern auch bei der spezielleren Auslegung des Luther'schen Katechismus der entsprechende Lehrstoff des Heidelberger Katechismus überall vergleichend und (!) erläuternd herangezogen werden. — Und das ist nicht etwa die Privatansicht des Herrn von Bethmann-Hollweg, sondern eine Anordnung, mit der der evangelische Oberkirchenrath einverstanden gewesen. — Die armen Seminaristen und die noch ärmeren Kinder, die so grundsätzlich in Bekenntnißfaselei gebracht werden!“ — Die Lehrzucht scheint in Hannover in überaus zärtlicher Weise geübt zu werden. Folgendes berichtet wenigstens die Allgemeine Kirchenzeitung vom 12. März in Betreff des unverschämten rationalistischen Predigers Sulze: „Pastor Sulze in Osnabrück hat sein Colloquium vor dem Consistorium in Hannover bestanden. Von Göttingen aus waren Dorner und Ehrenfeuchter hier anwesend, um mit Sulze zu verhandeln. Dorner's ruhige und besonnene Weise scheint auf Sulze einen sehr wohlthuenden Eindruck gemacht zu haben; wenigstens hat derselbe in der Predigt, welche er wenige Stunden nach seiner Rückkehr von Hannover in der festlich erleuchteten und bekränzten Kirche gehalten hat, erklärt, die Tage in Hannover seien nicht eine Zeit des Gerichts und der Bedrängniß gewesen, sondern die Unterredung mit den ernsten Männern der Wissenschaft habe ihn erquickt, erhoben und geläutert. Die evangelische Allianz. Leo in Halle bezeichnet die evangelische Allianz als eine Gesellschaft, welche es sich zum Geschäft macht, blos auf Grundlage des Gegensatzes gegen die römische Kirche allen möglichen Kirchenpöbel in christlicher Brüderlichkeit in einem religiösen Bildungsdreck zusammen zu rühren. „Mit Verbreitung macht ihr nur ähnliche indefinissable Wesen, wie der moderne Bildungsjude ist: der Herr wird euch verantwortlich machen, setzt ihr die Verbreitung wissenschaftlich fort; es ist dies eine größere Sünde, als Mord und Diebstahl, ihr mordet Völkerseelen und stehlet dem Himmel seine Bevölkerung, indem ihr sie in Fledermäuse verwandelt, deren Herumschwirren die Vorhöfe des Himmels unheimlich macht.“ Ehlers. Folgendes lesen wir in dessen Zeitblatt vom 1. April: Der Pastor Ehlers in Liegnitz ist von Seiten des Oberkirchencollegiums als Pastor und Superintendent in Anklagestand versetzt und, nachdem er sich zu einer vorläufigen, vom O. K. C. wider ihn zu führenden Untersuchung nicht persönlich gestellt hatte, weil er die thatsächliche Richtigkeit vieler von den wider ihn erhobenen Anklagen nicht in Abrede stellte (was er dem Oberkirchen-Collegium anzeigte,) obwohl er die darauf gegründeten Vorwürfe nicht anerkennen konnte, von seinem Amte als Superintendent der Liegnitzer Diöcese suspendirt und ihm die bevorstehende Eröffnung der förmlichen Untersuchung wider ihn angekündigt worden. Räthjen und Grabau. Ersterer schreibt in seiner Kirchenzeitung vom 3. Febr.: „Auch Pastor Grabau tritt uns entgegen in seinem Informatorium Nr. 8 (Nov. 1861.) Er befürwortet allerdings eine kirchliche Obrigkeit als Befehlsmacht — nur nicht der Juristen, sondern der Prediger. Das ist nicht lutherisch evangelisch. Schon früher waren