# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S189 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 189 empfangen, — und diese alle, blos drei oder vier ausgenommen, starben.“ — Es ist dies außer Anderem auch davon ein Beweis, wie die hier so häufige Verschiebung der Taufe vielfach endlich der römischen Kirche zu Gute kommt. II. Ausland. Döllinger über Luther und die lutherischen Kirchenlieder. Wie weit fanatischer Haß auch einen gelehrten und scharfsichtigen Mann verblenden kann, davon ein interessantes Beispiel an dem Urtheil des berühmten kath. Theologen und Professors Döllinger über Luther und die lutherischen Kirchenlieder, darüber wir dem 2. Heft d. l. Jahrg. der Erlanger „Zeitschrift für Protestantismus und Kirche“ folgendes entnehmen: „Die Kirchen der Protestanten, sagt Döllinger, sind „Schulen oder Hörsäle, ihre Kanzeln sind popularisirte Katheder. Mit Thesen einer akademischen Disputation hat sie begonnen. Das „Wort,“ wie ihr Stifter zu sagen pflegte, der im Grunde nie aus seiner Professor⸗Rolle fiel, ist in der That ihr erstes und letztes und einziges Wort. Sie lehrt und dann tritt sie ab. Sie predigt und singt, aber ihre Lieder sind nicht Hymnen, sondern großentheils versifizirte theologische Abhandlungen oder gereimte Predigten.“ — So urtheilt Döllinger über Luther, über den Schatz geistlicher Lieder der lutherischen Kirche, so spricht er vom Wort, vom Worte Gottes! — Ich traute meinen Augen kaum, als ich las: die lutherische Kirche „predigt und singt, aber ihre Lieder sind nicht Hymnen, sondern großentheils versifizirte theologische Abhandlungen oder gereimte Predigten.“ als ich las: „das Wort ist, wie ihr Stifter zu sagen pflegte, der im Grunde nie aus seiner Professor⸗Rolle fiel, ihr erstes und letztes und einziges Wort!“ — Natürlich denkt man bei diesem Lesen zuerst an die „versifizirten theologischen Abhandlungen,“ die wir von jenem Stifter und Professor haben. Die eine Abhandlung kennt Döllinger vielleicht, sie beginnt: „Eine feste Burg ist unser Gott.“ Ganz übereinstimmend mit seiner Charakteristik des Wortprofessors, der nie aus seiner Rolle fiel, heißt es im Verfolg der Abhandlung: „Das „Wort“ sie sollen lassen stahn und keinen Dank dazu haben.“ Und der Anfang einer zweiten solchen Abhandlung desselben Professors beginnt: „Erhalt uns Herr bei deinem Wort“ u. s. w. Also wieder „das Wort.“ — Allerdings gut heimgeschickt und von dem gelehrten Herrn wohl verdient. C. Preußisch unirte Kirche. Folgendes lesen wir im Freimund vom 20. März: „Pastor Hofmeier zu Straupitz in der Niederlausitz hat sich geweigert, den Gemeindekirchenrath einzuführen, wenn seine Gemeinde nicht als eine „nicht unirte lutherische“ anerkannt, wenn nicht lutherische Synoden zur Herstellung der Verfassung der lutherischen Gemeinden in Aussicht gestellt, die Gemeindekirchenräthe zum Pfarramt nicht die rechte Helferstellung einnähmen und die schriftwidrige Begründung im Einführungsformular gestrichen würde! — Nach langer vergeblicher Verhandlung ist er nun — er ist ein sehr geachteter Geistlicher — vom Oberkirchenrath vom Amte suspendirt. — Wichtig zur Beurtheilung der Verhältnisse der evangelisch⸗unirten Landeskirche Preußens! — Der Berliner Verein für die ausgewanderten evangelischen Deutschen im Westen Nordamerikas hat einen Aufruf erlassen, darin es u. A. heißt: „Unsere Kirche thut hier fast nichts, während die verschiedenen Secten Alles aufbieten, die Elemente der Einwanderung für sich zu gewinnen. Vor 25 Jahren hatte die bischöfliche Methodistenkirche keine einzige deutsche Gemeinde in Nordamerika, jetzt hat sie deren 300 mit 410 Predigern. Die Albrechtsleute, eine Abzweigung der Methodisten, deren Gemeinde erst im Jahr 1800 gegründet ist, hatten im Jahr 1855 unter den eingewanderten Protestanten bereits 474 Reise- und Localprediger. Vor 20 Jahren hatten die amerikanischen Baptisten noch nicht Einen deutschen Prediger, jetzt haben sie deren bei 50. Es sind während der letzten 25 Jahre von englischen Secten gegen 800 deutsche Gemeinden gestiftet, deren Elemente sämmtlich der evangelischen Kirche Deutschlands angehören. Wenn die Mutterkirche es versäumt, ihre zerstreuten Glieder in ihren Dickichten und auf entlegenen Prairieen aufzusuchen, so treten die Dissenters und englischen Secten an deren Stelle.“ „Solchen tiefen beklagenswerthen