# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S183 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Beichtreden. 183 Beichtreden stehen, versehe sie mit der Angabe, wo sie zu finden sind, sowie ob die betreffende Stelle den Gegenstand nur kurz oder ausführlich oder noch weitläufiger behandle; hierauf ordne man diese Zettel und trage sich vor allem die kürzern Machtsprüche in ein besonderes Heft ein, in welchem man Raum läßt zu Nachträgen, theils für die wichtigsten längern Stellen, theils für solche, die man gelegentlich in andern Schriften findet. — Für diejenigen, welche sich die Mühe geben, solche Vorarbeiten zu machen, bedarf es keines besondern Nachweises von dem vielfachen Nutzen derselben; sie gewähren ihnen eine richtige Einsicht über den Zweck aller Beichtreden so wie über die Art und Weise, denselben zu erreichen; sie setzen sie in den Stand, bald das Nöthigste über Beichte, Absolution und Abendmahl summarisch zusammenzufassen, bald das Eine oder das Andere weitläufiger, das Uebrige aber kürzer zu behandeln; sie werden sich durch wiederholtes, aufmerksames Durchlesen und benutzen dieser Vorarbeiten immer mehr in sie hineinleben und sie zu ihrem Eigenthum machen und die zunehmende Erkenntniß und Erfahrung wird sie wiederum lehren, dieselben immer treuer zu benutzen und so wird der gute Sauerteig der gesunden Lehre und Lehrweise Dr. Luthers immer tiefer auch in ihre Beichtreden eindringen. Wenn Anfänger im Dienste der Kirchen einige Beichtreden nach diesem Vorbild ausgearbeitet haben, so können sie eine oder die andere, wenn sie einmal wegen Zeitmangels nicht im Stande sind, eine neue auszuarbeiten, um so getroster wiederholt halten, als auch sonst an vielen Orten jedesmal ein und dasselbe Formular der Beichtvermahnung vorgelesen wurde. Nur hüte sich jeder dem leichtsinnigen Gedanken Raum zu geben, als ob auf die Beichtreden nicht eben viel ankomme und man dabei frisch darauf los extemporiren dürfe. Etwas ganz Anderes ist es, wenn geübte und erfahrne Prediger dieselben nach reiflicher Meditation nur nach einem schriftlichen Entwurf oder auch ohne einen solchen halten. Im Betreff der Wahl der Texte wäre es schon deshalb rathsam, dieselben dem nächsten Sonn- oder Festtagsevangelium zu entnehmen, weil dies mit der richtigen Anschauung übereinstimmt, die man in der besten Zeit der lutherischen Kirche von dem Beichtgottesdienst hatte, daß er nämlich eine Vorbereitung auf den nächsten Hauptgottesdienst sei. Auch gewährt dies dem Prediger eine erwünschte Erleichterung im Meditiren der Beichtrede und den Zuhörern einen erwünschten Vorschmack der Predigt. Eine reiche Sammlung anderer Texte zu Beichtreden findet sich in dem Pastorale Lutheri von Porta, Cap. XIV, § 5, es sind dies die Sprüche, welche der Pfarrer zu Coburg, während Dr. Luthers Anwesenheit, daselbst im Jahre 1530 gebraucht hat, so oft der Mann Gottes bei ihm zur Privatbeichte ging, was wenigstens alle vierzehn Tage geschah. Jüngeren Predigern wäre es sehr zu empfehlen, diese Spruchsammlung zum Gebrauch bei den Ansprachen an die privatim Beichtenden bei der Hand zu haben; es ist überhaupt rathsam, im Bezug namentlich auf das, was diese insonderheit bekennen, die besondere Anwendung aus dem Text oder Inhalt der Beichtrede zu entnehmen.