# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Beichtreden. 182 Einzelnen unter Handauflegung ertheilt werden. So wich man freilich von der Anweisung zum Beichten im kleinen Catechismus ab, der nur allein durch das Beichten der Einzelnen genügt wird, man blieb aber noch bei der Bestimmung des 11. Artikels der Augsb. Conf., daß man die Privatabsolution erhalten und nicht fallen lassen solle. Der Inhalt der Beichtreden soll eine Ermahnung sein: Bereitet dem HErrn den Weg, eine Einladung: Kommt, es ist alles bereit, folglich nicht blos eine Anweisung zur Selbstprüfung nach den zehn Geboten, behufs des Erkennens und Bekennens der Sünden; denn dies unser Werk ist das geringste bei der Beichte, das größte aber, um deswillen wir zur Beichte kommen und das sie lieblich und tröstlich macht, ist das, was Gott selbst an uns thut durch die Absolution; darum soll vor allem der Schatz derselben, so wie des heil. Abendmahls dargelegt und angepriesen werden. Es soll darin der beichtväterliche Ton vorherrschen, wie bei der Ansprache an die Einzelnen in der Privatbeichte, worin Jeder eigentlich erst Gelegenheit bekommt zu erfahren, was es heiße, einen Beichtvater zu haben. Es soll sich auch darin kund thun das Bemühen eines rechten Pastors oder Hirten, das Verlorne wieder zu suchen, das Verirrte wieder zu bringen, das Verwundete zu verbinden, des Schwachen zu warten, was fett und stark ist zu behüten, und aller zu pflegen, wie es recht ist, Hesek. 39, 16. Es ist daher ganz verkehrt, die Beichtenden als lauter unbußfertige Sünder anzusehen, die erst durch das Gesetz aus ihrem Sündenschlafe aufgerüttelt und durch die Donner vom Sinai erschüttert werden müßten; das heißt streng und hart herrschen über die Leute, Hesek. 34, 4. Ein Diener Christi soll ganz besonders auch in den Beichtreden des Befehles seines HErrn eingedenk sein: Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch, Joh. 20, 21. Nun hat ihn der Vater gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu predigen den Gefangenen eine Erledigung, den Gebundenen eine Oeffnung, Jes. 61, 1., darum sollen auch die Diener solches Amt ihres HErrn führen. Es versteht sich von selbst und erhellt schon aus dem Befehl, Buße und Vergebung der Sünden zu predigen, daß das Gesetz auch in den Beichtreden nicht fehlen darf, es soll aber nicht vorherrschen, sondern nur ein Zuchtmeister auf Christum sein, durch den Glauben an ihn gerecht zu werden, Gal. 3, 24. Wer die christlichen Fragstücke fleißig durchstudirt und die Aufeinanderfolge sowie den Inhalt der einzelnen Fragen und Antworten erwägt, der wird darin einen tröstlichen Wegweiser zu Beichtreden finden. Nächstdem bieten mehrere Predigten Dr. Luthers reichen Stoff dazu dar, z. B. die drei Predigten in der Kirchenpostille vor und zu Ostern gehalten über die Beichte und das heil. Sacrament; ferner die zwei Predigten in der Hauspostille am Tage des Abendmahls gehalten; endlich die Predigten in beiden Postillen am Sonntag Quasimodogeniti, am 11., 19. und 22. Sonntag nach Trinitatis. — Zur leichtern und rechten Benutzung dieses reichen Stoffes ist es sehr rathsam, gewisse Vorarbeiten zu machen; man registrire sorgfältig auf einzelne Zettel alle Stellen, die in irgend einer Beziehung zu dem Zweck der