# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S179 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 179 von dem, was wir thun vor Gott durch Beten und Danken, Geloben und Bekennen so weit unterschieden ist, als der Himmel von der Erde. Sowohl aber der hierarchische, als auch der schwärmerische Geist läßt das Thun des Menschen gegen Gott in der Weise des Gottesdienstes hervortreten, das Thun Gottes an dem Menschen aber zurücktreten — ein jeglicher in seiner Art. Im papistischen Gottesdienst und bevorab im Meßopfer, ist, wie es bei der groben Werklehre nicht anders sein kann, des Priesters Thun und Werk als des nicht einmal anstatt, sondern für alle Handelnden das erste und das letzte. Dies ist überhaupt der Typus aller übrigen papistischen Gottesdienste und Handlungen bis hinan zu den sogenannten „großen Functionen“ in der Sixtina zu Rom an den hohen Festtagen, wo durch eine überreiche Symbolik von Ceremonien alles Handlung der Clerisei ist, der Pabst aber, als der irdische Gott, weniger selbst handelt, als vielmehr behandelt wird. — Dem allen entspricht denn auch die Stellung, welche Wort und Sacrament im römischen Gottesdienst einnimmt. Nur darum ist das letztere der Schlußstein des Gottesdienstes, weil es zum Meßopfer wird. Das Wort dagegen tritt sehr in den Hintergrund, die Verkündigung desselben fehlt oft ganz, das Uebermaß der Ceremonien verdeckt auch das wenige Gotteswort. Luther, vom Greuel der Stillmesse: „Nun thun die papistischen Pfaffen in der Messe nichts anders, denn daß sie ohne Unterlaß mit solchen Worten fahren: Wir opfern, wir opfern, und diese Opfer, diese Gaben ꝛc. und schweigen des Opfers gar still, das Christus gethan hat, danken ihm nicht, ja verachtens und verleugnens, und wollen selbst für Gott kommen mit ihrem Opfer.“ (Erl. A. 29, 117.) Derselbe, Ordnung d. Gottesd. in d. Gem.: „Drei große Mißbräuch sind in den Gottesdienst gefallen. Der erst, daß man Gottes Wort geschwiegen hat und alleine gelesen und gesungen in den Kirchen; das ist der ärgste Mißbrauch. Der andere, da Gottes Wort geschwiegen gewesen ist, sind neben einkommen so viel unchristlicher Fabel und Lügen; beide in Legenden, Gesange und Predigen, das greulich ist zu sehen. Der dritte, daß man solchen Gottesdienst als ein Werk gethan hat, damit Gottes Gnade und Seligkeit zu erwerben. Da ist der Glaub untergangen und hat Jedermann zu Kirchen geben, Stiften, Pfaff, Mönch und Nonnen werden wollen.“ (Erl. A. 22, 153.) Derselbe, Formula Missae: „Die Worte des Heils und des Lebens sind verschlossen, wie die Arche des HErrn in dem Götzentempel neben Dagon war.“ (S. Rudelbach Sacr. WW. p. 9.) Auch im Gottesdienst des Schwärmerthums macht sich das menschliche Thun ungebührlich geltend, wenn auch auf feinere Weise. Das stürmische Beten, die Bußbank nebst Zubehör, die ganze auf Erregung gehende Anlage der gottesdienstlichen Versammlungen der Schwärmer, insbesondere der Methodisten, ist aufs Thun der Menschen gegen Gott gerichtet.