# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S175 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 175 liches, zur Regel erhobenes freies Beten desselben, sondern sie bete im Geist und mit der Sprache der Kirche. Hierdurch werden Gebetsformulare nöthig. Ebenso gelte hier das Prinzip der Stetigkeit, da die Gemeinde wahrhaft mitbeten kann, wenn ihr feststehende, immerwiederkehrende Gebete vorgesprochen werden, die gerade durch ihre einfache, von keinem Zeitgeschmack abhängige Kraft bei ihrer Wiederholung immer wieder die Gebetsgedanken in Geist und Wahrheit sammeln. Luther, deutsche Messe ꝛc.: „Nach der Predigt soll folgen eine öffentliche Paraphrasis des Vater unsers und Vermahnung an die, so zum Sacrament gehen wollen, auf die oder bessere Weise, wie folget: Lieben Freunde Christi u. s. w. . . . Ich will aber gebeten haben, daß man dieselbige Paraphrasis und Vermahnung conceptis, seu praescriptis verbis (nach einer vorgeschriebenen Form) oder auf eine sonderliche Weise stelle um des Volks willen, also daß nicht heute Einer also, der Andere morgen anders stelle, und ein Jeglicher seine Kunst beweise, das Volk irre zu machen, daß es nichts lernen, noch behalten kann. Denn es ist ja um das Volk zu lehren und zu führen zu thun; darum ists noth, daß man die Freiheit hie breche und einerlei Weise führe in solcher Paraphrasi und Vermahnung, sonderlich in Einerlei Kirchen oder Gemeine für sich, ob sie einer andern nicht folgen wollen um ihrer Freiheit willen.“ (Erl. A. 22, 240.) Der Psalter. Das heil. Vater unser. Matth. 6 und Luc. 11. Die Tauf⸗ und Meßgebete, sammt den Collekten des kirchl. Alterthums. Die luth. Agenden. § 10. Schönheit und Schicklichkeit. Wiewohl die reine und lautere Predigt des Wortes und der rechte Brauch der heil. Sacramente dem Gottesdienst seinen rechten geistlichen Schmuck gibt, so schließt das die äußerliche Schönheit und den äußerlichen Schmuck für die Form und Weise des Gottesdienstes nicht aus, sondern vielmehr ein, da dieselben zur äußerlichen Zucht und zum Wohlstand gehören, die der Uebung des Worts, der Handlung des Sacraments, förderlich und der Andacht dienlich sein können, wie umgekehrt der Mangel derselben mehr oder weniger hinderlich werden kann. Ohnehin ist es ja der freudige Geist des Glaubens der Gemeinde der Heiligen, der sich im Cultus eine Form schafft, in der sie auch äußerlich im festlichen Gewande vor dem HErrn erscheint. Schönheit und Schicklichkeit sind daher bei allen liturgischen Anordnungen zu Rathe zu ziehen und ganz besonders hierbei die schöne Gottesgabe der Kunst in den Dienst des Reiches Gottes zu nehmen. Die Ordnung der ganzen Liturgie für die verschiedenen Gottesdienste, ihr Ebenmaß und ihre Composition wird nach dem Richtmaß der reinen Lehre durch das Gesetz der Schönheit und der Schicklichkeit bestimmt, vermittelst welcher der Gottesdienst zugleich auch das Gepräge des Feierlichen