# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S173 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 173 noch fangen.“ (Wenn auch Luther hier die alte Eintheilung der Messe im Auge hat, nach welcher die Predigt noch zum Introitus gehört, so will er doch Predigt und Abendmahl hiermit nicht nur verbunden wissen, sondern dieses auf jene folgen lassen.) Derselbe, deutsche Messe und Ordnung des Gottesdienstes: „Es soll ja alles um des Worts und Sacramenten willen unter den Christen geschehen im Gottesdienst.“ (L. WW. Erl. A. 22, 243.) § 9. Das geistliche Priesterthum. Im öffentlichen Gottesdienst der Christen komme das geistliche Priesterthum in seinem Gott geordneten Verhältniß zum öffentlichen Beruf und Dienst am Wort auch durch die Liturgie zu seinem Recht, Brauch und Uebung. Die Gemeinde muß mitbeten, mitdanken, mitloben, mitbekennen, mitverkündigen können. 1. Hiezu wird vor allem erfordert, daß der ganze Gottesdienst in einer der Gemeinde verständlichen Sprache gehalten werde. Luther im Unterricht der Visitatoren: „Etliche singen deutsche, etliche lateinische Messen; welches wir lassen geschehen. Doch wird für nützlich und gut angesehen, wo das meiste Volk des Latein unverständig, daselbst deutsche Messe zu halten, damit das Volk den Gesang und anderes, was gelesen wird, desto besser verstehen möge; wie St. Paulus sagt 1 Cor. 14 (16): Wenn du aber segnest im Geist, wie soll der, so anstatt des Laien stehet, Amen sagen auf deine Danksagung, sintemal er nicht weiß, was du sagest. Du danksagest wohl fein, aber der andere wird nicht davon gebessert. Nun sagt ja Paulus auch an demselben Orte (V. 26.): lasset es alles geschehen zur Besserung.“ Anmerkung. In seiner Schrift „Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdienstes“ spricht sich Dr. Luther nicht nur dahin aus, daß er die lateinische Sprache, eine damals weit mehr bekannte Sprache, als heutzutage, nicht gar abkommen lassen möchte, namentlich wegen der Jugend, sondern er wünscht auch den Gebrauch der anderen Sprachen im Gottesdienst, indem er sagt: „Und wenn ichs vermöchte und die griechische und hebräische Sprache wäre uns so gemein, als die lateinische und hätte so viel feiner Musika und Gesangs, als die lateinische, so sollte man einen Sonntag um den andern in allen vier Sprachen, Deutsch, Lateinisch, Griechisch und Ebräisch, Messe halten, singen und lesen.“ Nur unter der Bedingung also, daß fremde Sprachen den Meisten verständlich sind, möchte sie L. im Gottesdienste vernehmen. 2. Hiezu wird ferner erfordert, daß die versammelte Gemeinde nicht ein rein passiver Zuhörer sei, sondern thätigen Antheil nehme, namentlich bei Darbringung des Gebetes, Dankes und Lobes. Dies geschieht einerseits durch das laute einstimmige Ja und Amen zu den Gebeten, die der Liturg als ihr Wortführer vor Gott bringt, andererseits dadurch, daß sie in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern ihr Herz vor Gott durch den Mund ausbrechen läßt oder auch, daß sie