# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 07_S106 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) zwar zeigt uns das Wort Gottes den Weg, den wir an jedem Tage wandeln ſollen, durch das Gebet aber empfangen wir von Gott die Kraft, dieſen Weg zu wandeln, wozu auch das Loben und Danken für dieſe und alle andere Wohlthaten Gottes gehört; die Pſalmen, Lobgeſänge und geiſtlichen Lieder enthalten beides, Gottes Wort und Gebet, und wie ſie als Bekennt⸗ niſſe, die aus gläubigem Herzen kommen, Gott wohlgefällig ſind, ſo entzünden ſie wiederum das Herz zur Andacht, daher auch Dr. Luther bei dem Morgenſegen den Rath giebt: etwa ein Lied ge⸗ ſungen, als die zehn Gebote, oder was „deine Andacht giebt“. Da wir nun am kleinen Katechismus Dr. Lu⸗ thers einen kurzen aber unübertrefflichen Auszug aus der ganzen heiligen Schrift haben, ſo gehört auch die Uebung des Katechismus zu den Hauptbeſtandtheilen der Hausandacht. So viel im Allgemeinen, dem noch folgendes zur Erläu⸗ terung hinzugefügt wird. Vor allem wäre dringend anzurathen, daß die Bibel Alten und Neuen Teſtamentes langſam, deutlich und andächtig nach der Reihe Kapitel für Kapitel vorgeleſen würde und zwar nach Dr. Lu⸗ thers Rath das Neue Teſtament zweimal, wenn man das Alte Teſtament nur einmal lieſ't. Dieſe Uebung iſt um mehrerer Urſachen willen höchſt nöthig, denn Viele beſitzen keine zuſammenhän⸗ gende Erkenntniß der Bibel, oder ſie vergeſſen mit der Zeit Vieles, was ſie vorher geleſen haben, oder ſie lernen bei wiederholtem Leſen Vieles beſſer verſtehen, nun aber fehlt es außerdem an Gelegenheit, dieſe zuſammenhängende Kenntniß der ganzen Bibel zu erlangen; denn in der Kirche werden faſt nur die vorgeſchriebenen Evangelien und Epiſteln, oder etwa einige Pſalmen vorge⸗ leſen und erklärt. Die löbliche Sitte aber der lutheriſchen Vorzeit, Wochengottesdien ſte zu hal⸗ ten und darin ganze Bücher der heiligen Schrift zu erklären, noch mehr aber die Sitte, die Bibel in der Kirche der Reihe nach mit kurzen Sum⸗ marien vorzuleſen, wie es z. B. früher in Baiern und Würtemberg geſchah, dieſe löbliche Sitte iſt in unſerer Zeit leider faſt ganz abgekommen; end⸗ lich lehrt die Erfahrung, daß die einzelnen Glie⸗ der des Hauſes das zuſammenhängende Leſen der heiligen Schrift oft ſehr nachläſſig betreiben, in⸗ dem es ihnen entweder an Luſt oder Trieb oder an Zeit und Gelegenheit dazu fehlt; ſehr zu widerrathen iſt die Art und Weiſe Vieler, welche bald dieſen bald jenen Abſchnitt der Bibel zum Vorleſen auswählen, denn auch hier gilt das Sprüchwort: Wahl macht Qual, die Erkenntniß der heiligen Schrift, ja ſelbſt des geleſenen Ab⸗ ſchnittes, den man aus dem Zuſammenhange herausreißt, wird zerſtückelt, das Wiederauffinden des Geleſenen, was einen beſondern Eindruck ge⸗ macht hat, wird ſehr erſchwert, und es wird da⸗ durch ein gewiſſer Vorwitz oder geiſtliche Naſch⸗ haftigkeit genährt, und endlich, was der größte Schaden iſt, ein bedeutender Theil der heiligen Schrift bleibt bei ſolchem Leſen ganz ungeleſen, und alſo auch unbekannt; dasſelbe gilt von man⸗ chen ſogen annten Schatzkäſtlein und ähnlichen 106 Schriften, welche für jeden Tag die Erklärung gewiſſer Sprüche enthalten. So höchſtnöthig nun das zuſammenhängende Leſen des Alten und Neuen Teſtamentes iſt, ſo bleibt es doch natürlich jedem Chriſten unverwehrt, von Zeit zu Zeit einen anmuthigen Spaziergang, bald in dieſen bald in jenen Theil des Wortes Gottes nach aller Her⸗ zens⸗Luſt zu machen, um ſich von allen den duf⸗ tenden Blumenbeeten einen ſchönen Strauß zu pflücken und ſich daran zu ergötzen, hier aber iſt nur von der Hausandacht überhaupt und von dem die Rede, was darin für gewöhnlich getrie⸗ ben werden ſoll. Wie nöthig es aber ſei, daß die heilige Schrift täglich geübt werde, davon gibt Dr. Luther Zeugniß, indem er ſpricht: „Es ſoll in der Chriſtenheit alſo geordnet ſein, daß man immerdar Gottes Wort predige und treibe, und täglich im Schwange gehen laſſe (weil an dem⸗ ſelbigen allein alle Macht liegt, und ohne das die Seelen nicht leben könnten), auf daß unter den Chriſten die heilige Schrift, nemlich beide, das Alte und Neue Teſtament, jedermann bekannt und läuftig werde, daß wir durch Gottes Wort gerüſtet, geharniſcht und geſtärkt werden im Glau⸗ ben, zu beſtehen wider allerlei Anfechtung und Unglück.“ (W. A. III. 20.) Ferner ſoll bei der täglichen Hausandacht nächſt der Bibel der Katechismus geübt wer⸗ den, wozu ſchon früher in dieſem Blatte eine Er⸗ munterung gegeben worden iſt (3. Jahrg. No. 18), und zwar ſoll dabei je und je dreierlei getrieben werden: 1. der einfache Tert des kleinen Katechis⸗ mus, 2. die Auslegung Dr. Luthers namentlich zu den drei erſten Hauptſtücken und 3. die reichere und weitere Erklärung aus dem großen Katechis⸗ mus Dr. Luthers, denn wie der kleine mit Recht ein Auszug aus der ganzen heiligen Schrift ge⸗ nannt wird, ſo kann der große ein Auszug aus allen Schriften Dr. Luthers genannt werden; wem es daher an Zeit und Gelegenheit fehlt, ſeine andern Schriften zu leſen, dem iſt vor allen ſein großer Katechismus anzurathen, und geſetzt, daß ihn jemand durch wiederholtes Leſen faſt aus⸗ wendig lernte, ſo würde er dadurch nur immer tiefer in das Verſtändniß der heiligen Schrift und der ganzen heilſamen Lehre eingeführt werden, wie denn alles, was ſich in der heiligen Schrift davon hin und her zerſtreuet findet, im Katechis⸗ mus geordnet und zuſammen geſtellt iſt. Ueberhaupt iſt auch hinſichtlich der Wahl der Bücher, welche bei der Haus- und Privatandacht gebraucht werden, der treffliche Rath Dr. Luthers zu merken, welchen er zunächſt den Studirenden zu geben pflegte, „daß ſie gewiſſe Bücher vor ſich nähmen, dieſelben mit Fleiß läſen, und machten ihnen einen guten Autoren (Schriftſteller) und Buch ſo gemein, daß ſie denſelben oftmals leſen und wieder leſen; alſo, daß ſie gleich in ſein Fleiſch und Blut verwandelt würden, als wäre ihnen desſelben Art zu reden und zu ſchreiben angebo⸗ ren. Denn mancherlei Bücher leſen, machet mehr Verwirrung, denn daß man etwas gewiſſes und ſtandhaftiges daraus lernet. Gleich als die, ſo allenthalben wohnen, wo ſie hinkommen, und bleiben an keinem gewiſſen Ort, die wohnen nir⸗ gend, und ſind an keinem Ort gewiß daheime. Und gleich wie wir in der Geſellſchaft nicht täg⸗ lich aller guter Freunde Gemeinſchaft brauchen, ſondern etlicher weniger und auserleſenen; alſo ſoll man ſich auch an die beſten Bücher ge— wöhnen, und ihm dieſelbigen gemeiner machen, und auf einem Nägelein können.“ (W. A. XXII. 2276.) Was für Schriften aber wären wohl Predigern und Schullehrern, ja allen Chriſten mehr zu empfehlen, als gerade Dr. Luthers Schriften, und welche unter dieſen Schriften wäre für die Hausandacht mehr anzurathen, als ſein großer Katechismus, deſſen weitere Verbreitung durch die angekündigte Ausgabe des Concordien⸗ buchs ſo ſehr erleichtert wird? Verſuchet es alſo getroſt, ihr lieben Hausväter, und leget auf einige Zeit, etwa auf ein Jahr, die andern Erbauungs⸗ bücher, ohne ſie zu verachten, bei Seite und wen⸗ det die geringen Koſten von 14 Dollar daran, und kaufet euch das Concordienbuch und darin die reiche Schatzkammer des großen Katechismus, um denſelben recht kennen und ſchätzen zu lernen, und gewiß, es wird kein Jahr vergehen, ſo wird euch derſelbe nächſt der Bibel je länger je lieber werden und ihr werdet mit Freuden unter dieſer Je länger je lieber⸗Laube bleiben. Sir. 14, 26. (Jortſetzung folgt.) * Ueber die Schlüſſelgewalt, die Abſolutien und die Beichte. (Aus der Harleß'ſchen Zeitſchrift.) (Fortſetzung.) Wir wollen nun noch einige das Amt der Schlüſſel betreffende Fragen beantworten, die ge⸗ ö wiß Jedem, der nach Wahrheit fragt, am Herzen liegen. Vergebung der Sünden kann nach der unabänderlichen göttlichen Gnadenordnung nicht folgen, wenn nicht die Buße vorausgeht; „thuet Buße und bekehret euch“, predigt Petrus Ap. Geſch. 3, 19., „daß eure Sünden vertilget wer⸗ den.“ Daraus folgt, daß die Abſolution einem Unbußfertigen nicht zur Vergebung der Sünden gereichen kann, wenn ſie auch noch ſo oft geſpro⸗ chen würde. Aber — das iſt die Frage — iſt denn der Prediger fähig über die Un⸗ bußfertigkeit oder Bußfertigkeit detr Beichtenden zu urtheilen? Er kann es nur nach den zu Tage liegenden Merkmalen, mehr aber wird auch von ihm nicht gefordert. Die Buße, inſoweit ſie ein Vorgang des inwendigen Lebens iſt und in göttlicher Herzenstraurigkeit über die erkannte Sünde und gläubiger Zueig⸗ nung des Verdienſtes Chriſti beſteht, iſt allein dem Herzenskündiger, der Herzen und Nieren, d. h. die geheimſten Tiefen der menſchlichen Seelt prüft, auf untrügliche Weiſe erkennbar. Sir äußert ſich aber auch durch äußerliche Merkmalt,! welche der innern Erfahrung entſprechen: die Traurigkeit in Bußthränen und ſichtbarer Nieder⸗ geſchlagenheit, der Abſcheu vor der Sünde in Ver⸗ laſſung derſelben, der Glaube in demüthigem Be⸗ gehren der Vergebung. Nur nach ſolchen äußer⸗ lichen Kennzeichen, obgleich dieſelben allerdings trügen können, vermögen Menſchen über das, was im Innern des Andern vorgeht, zu urtheilen;