# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. 169 seid ihr doch, der Liebe nach zu rechnen, nicht frei, solche Freiheit zu vollziehen, sondern schuldig, Acht darauf zu haben, wie es dem armen Volk leidlich und besserlich sei; wie St. Paulus spricht 1 Cor. 14.: Laßt alles zur Besserung unter euch geschehen. Und 1 Cor. 6.: Es ist mir alles frei, es bessert aber nicht alles. Und 1 Cor. 8.: Erkenntniß blähet, aber die Liebe bessert. Und wie er daselbst redet von denen, die das Erkenntniß des Glaubens und der Freiheit haben, und doch noch nicht wissen, wie sie das Erkenntniß haben sollen, weil sie desselbigen nicht zur Besserung des Volkes, sondern zum Ruhm ihres Verstandes brauchen. Wo nu euer Volk sich daran ärgert, daß ihr so mancherlei uneinige Weise führet und irre darüber wird, da hilft euch nicht, daß ihr wollet fürgeben: Ja das äußerliche Ding ist frei, ich wills an meinem Ort machen, wie mirs gefällt, sondern ihr seid schuldig zuzusehen, was Andern daran gelegen ist und solche Freiheit des Glaubens für Gott im Gewissen zu halten und doch daneben zu Dienst gefangen zu geben, dem Nächsten zu gut und Besserung. Wie auch Röm. 15, Paulus spricht: Ein Jeglicher stelle sich gefällig seinem Nächsten im Guten, zur Besserung. Denn wir sollen nicht uns selbst gefällig fahren, sintemal auch Christus nicht ihm selbst gefällig gefahren hat, sondern uns allen. Doch daneben muß ein Prediger wohl wacker sein, und bei dem Volk anhalten, und mit Fleiß unterrichten, daß sie solche einträchtige Weise nicht annehmen für nöthige Gebot, als müsse es also sein, und Gott wolle es nicht anders haben, sondern daß man ihnen sage, wie es nur darum geschieht, daß sie daran gebessert und erhalten werden, damit die Einigkeit des christlichen Volks auch durch solche äußerliche Dinge (die sonst an ihm selbst nichts vonnöthen sind) bestätigt werde. Denn dieweil der Ceremonien oder Weisen keine noth ist zum Gewissen, oder zur Seligkeit und doch nütze und nöthig, äußerlich das Volk zu regieren: so soll man sie auch nicht weiter treiben noch annehmen lassen, denn daß sie dienen, Einigkeit und Friede zwischen den Leuten zu erhalten. Denn zwischen Gott und dem Menschen macht der Glaube Friede und Einigkeit.“ (p. 318, 319.) Vergl. auch damit Luthers Schreiben „An Georg Buchholzer v. 4. Dez. 1539,“ als Citat abgedruckt im Bericht des Mittleren Districts A. D. 1859 p. 30 u. 31. §. 6. Die allgemeine apostolische Regel für die Liturgie. Auf Grund der durch die Liebe regierten Freiheit faßt St. Paulus seine gottesdienstlichen Anordnungen für die Gemeinde zu Corinth, 1 Cor. 14., zuletzt in die Worte V. 40 zusammen: „Lasset alles ehrlich (d. i. wohlanständig) und ordentlich zugehen.“ Damit hat er eine allgemeine und umfassende Regel für alle Gottesdienstordnungen der nachfolgenden Zeiten aufgestellt, innerhalb welcher Freiheit und Liebe regieren und mit sicherem Takt im Einzelnen alles zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Kirche ordnen können. Diese Regel ist daher auch mit Recht das Motto für viele der kirchlichen Liturgien geworden, die damit einfach ihren Ursprung, ihren Zweck und ihre