# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1862_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Referat über die rechte Mitte der lutherischen Liturgie. so ist doch darauf zu sehen, daß die Freiheit der Liebe und des Nächsten Diener ist und sein soll. Wo es denn also geschieht, daß sich die Menschen ärgern oder irre werden über solchen mancherlei Brauch, sind wir wahrhaftig schuldig, die Freiheit einzuziehen und so viel es möglich ist, schaffen und lassen, auf daß die Leute sich an uns bessern und nicht ärgern. Weil denn an dieser äußerlichen Ordnung nichts gelegen ist, unseres Gewissens halber für Gott und doch dem Nächsten nützlich sein kann, sollen wir der Liebe nach, wie St. Paulus lehret, darnach trachten, daß wir einerlei gesinnt seien, gleichwie alle Christen einerlei Taufe, einerlei Sacrament haben und keinem ein sonderlichs von Gott gegeben ist. Doch will ich hiermit nicht begehren, daß diejenigen so bereit ihre gute Ordnung haben oder durch Gottes Gnaden besser machen können, derselbigen fahren lassen und uns weichen. Denn es nicht meine Meinung ist, daß ganz Deutschland so eben müßte unsere wittenbergische Ordnung annehmen. Ists doch bisher nie geschehen, daß die Stifte, Klöster und Pfarren in allen Stücken gleich wären gewesen; sondern fein wäre es, wo in einer jeglichen Herrschaft der Gottesdienst auf einerlei Weise ginge und die umliegenden Städtlein und Dörfer mit einer Stadt gleich parteten: ob die andern Herrschaften dieselben auch hielten, oder was besonders dazu thäten, soll frei und ungestraft sein.“ Luther. W. Erl. Ausg. 22, 228. Derselbe, Sendschreiben an die Christen Liefland 1525: „So man einerlei Weise fürnimmt und setzt, so fället man darauf und macht ein nöthlich Gesetze draus wider die Freiheit des Glaubens. Setzt man aber und stellet nichts, so fähret man zu und macht so viel Rotten, so viel Köpfe sind; welches denn ficht wider die christliche Einfältigkeit und Einträchtigkeit, davon St. Paulus und Petrus so oft lehren. Aber man muß doch ja dazu reden das Beste, so man kann, obs gleich nicht alles so gehen will, wie wir reden und lehren.“ (Erl. Ausg. 53, 316 und 317.) Ebendaselbst: „Ob nun wohl die äußerlichen Ordnungen in Gottesdiensten, als: Messen, Singen, Lesen, Täufen nichts thun zur Seligkeit; so ist doch das unchristlich, daß man darüber uneinig ist und das arme Volk damit irre macht und nicht vielmehr achtet die Besserung der Leute, denn unsern eigen Sinn und Gutdünken. So bitte ich nu auch alle, meine lieben Herren, lasse ein Jeglicher seinen Sinn fahren, und kommt freundlich zusammen und werdet sein eines, wie ihr diese äußerlichen Stücke wollet halten, daß es bei euch in eurem Strich gleich und einerlei sei, und nicht so zerrüttet, anders hie, anders da gehalten werde und damit das Volk verwirret und unlustig macht. Denn (wie gesagt) obwohl die äußerlichen Weisen (oder Ordnungen) frei sind, und dem Glauben nach zu rechnen, mit gutem Gewissen mögen an allen Orten, zu aller Stunde, durch alle Personen geändert werden, so