# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 07_S105 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „Gottes Wort und Luthers Lehr' Der Lutheraner. vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 7. März 1848. No. 14. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. (Eingeſandt von P. Keyl.) Ueber die tägliche Hausandacht. Unter der Hausandacht verſteht man die Be⸗ trachtung des Wortes Gottes, das Leſen chriſtli⸗ cher Erbauungs-Bücher, die Gebets-Uebungen, oder auch das Singen geiſtlicher Lieder, wie dies ein Hausvater täglich zu gewiſſer Zeit mit den Seinigen anſtellt. Dieſe Andacht wird, zum Un⸗ terſchied von der öffentlichen in der Kirche, auch Hausgottesdienſt, oder Hauskirche genannt. Die Verpflichtung dazu liegt überhaupt ſchon in dem zweiten und dritten Gebot, nach welchem wir Gott in allen Nöthen anrufen, ihm danken und Gottes Wort gerne hören und lernen ſollen. In⸗ ſonderheit aber haben wir dazu einen ausdrück⸗— lichen Befehl Gottes 5 Buch Moſ. 6, 6—-9., wo Gott allen Hausvätern befiehlt: Dieſe Worte, die ich dir heute gebiete, ſollſt du zu Herzen nehmen. Und ſollſt ſie deinen Kindern ſchärfen und davon reden, wenn du in deinem Hauſe ſitzeſt, oder auf dem Wege geheſt, wenn du dich niederlegeſt, oder aufſteheſt; und ſollſt ſie binden zum Zeichen auf deine Hand, und ſollen dir ein Denkmal vor dei⸗ nen Augen ſein; und ſollſt ſie über deines Hauſes Pfoſten ſchreiben, und an die Thore. Was nun hier in der Zeit des Alten Teſtaments von den zehn Geboten geſagt iſt, das gilt auch jetzt noch in der Zeit des Neuen Teſtaments, und zwar ebenſowohl von dem Evangelio, welches damals noch nicht in aller Welt geoffenbaret war; auch gehört hierher die Ermahnung St. Pauli Col. 3, 16. 17: Laſſet das Wort Chriſti unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit; lehret und ermahnet euch ſelbſt mit Pſalmen und Lobgeſän⸗ gen, und geiſtlichen lieblichen Liedern, und ſinget dem HErrn in eueren Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des HErrn IEſu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Ermunternde Beiſpiele, ſolche Hausandacht zu halten, finden wir an Abraham, welchen der En⸗ gel des HErrn bezeugt, 1 Buch Moſ. 18, 19.: Ich weiß, er wird befehlen ſeinen Kindern, in ſei⸗ nem Hauſe nach ihm, daß ſie des HErrn Wege halten, und thun, was recht und gut iſt; auf daß der HErr auf Abraham kommen laſſe, was er ihm verheißen hat. Desgleichen an der Großmutter, ſo wie an der Mutter des jungen Timotheus, welchen er wohl beſonders die Erlernung der hei⸗ ligen Schrift, und die Anleitung zum ungefärb⸗ ten Glauben von ſeiner Kindheit her zu verdan⸗ ken hatte, 2 Timoth. 3, 15. und 1, 5. und Sirach lobt es an einem Hausvater, welcher der himm⸗ liſchen Weisheit, nemlich dem Worte Gottes, im⸗ mer weiter nachforſcht, daß er auch ſeine Kinder unter ihr Dächlein bringe und unter ihrer Laube bleibe, Sirach 14, 26. Auf dieſe Pflicht der Hausväter deuten auch die Ueberſchriften zu allen Hauptſtücken des klei⸗ nen Katechismus hin, indem es bei jedem einzel⸗ nen heißt: Wie ein Hausvater dasſelbige ſeinem Geſinde einfältig vorhalten ſolle; ähnliche Ueber⸗ ſchriften finden ſich auch bei den Hausgebeten des kleinen Katechismus. Obgleich nun die heilige Schrift in Bezug auf die Hausandacht mehrere deutliche Gebote und ermunternde Beiſpiele enthält, und obgleich wir durch eine unſerer Bekenntnißſchriften, nemlich den kleinen Katechismus, wiederholt darauf hin⸗ gewieſen werden, ſo wird man doch bei genauer Nachfrage darnach, die beſonders von Seiten des Pfarrers bei den Hausbeſuchen geſchehen ſollte, erfahren, daß oft dieſe Pflicht entweder gar nicht, oder doch nicht auf zweckmäßige Weiſe geübt wird. Wie mancher Hausvater in der Stadt und auf dem Lande, beſonders unter denen, welche ſich un⸗ ter die ſogenannten Gebildeten zählen, hält mit den Seinigen gar keine Hausandacht, ja betet nicht einmal laut das Gebet vor und nach Tiſche; er überläßt es ihnen, ob und wie ſie für ſich ſelbſt ihre Andacht halten, er fragt vielleicht deshalb nie bei ihnen nach, er erinnert ſie nicht daran in der Vorausſetzung, ſie würden dies ſchon ohnehin thun, ob es gleich oft nicht geſchieht, und der Hausvater ſelbſt es ebenfalls gar nicht für ſich allein thut. Nicht ſelten wird die Unterlaſſung der Hausan⸗ dacht mit dem Vorgeben entſchuldigt, es fehle im⸗ mer dazu an Zeit, Morgens müſſe man zu ſeinen Geſchäften, Abends zu ſeiner Ruhe eilen, auch wäre es nicht möglich, beſonders bei größeren Haushaltungen alle Hausgenoſſen ein oder gar zweimal des Tags zu einer gemeinſchaftlichen An⸗ dacht zu verſammlen, man ſucht auch vielleicht dieſe ganze löbliche Einrichtung als etwas pietiſti⸗ ſches, geſetzliches zu verdächtigen und was der nich⸗ tigen Vorwände mehr ſind. Andere halten wohl die Hausandacht, aber mit vieler Nachläſſigkeit; ſie laſſen ſich oft durch kleine Störungen, oder ſchon durch die Furcht davor, ſo wie durch mancherlei Berufsgeſchäfte, die ſie gern für Werke der Noihwendigkeit ausgeben möchten, oder durch das Verlangen nach Ruhe, durch Be⸗ ſuche ꝛe. davon abhalten; ſo entſteht bei den Haus⸗ vätern, ſo wie bei den Hausgenoſſen eine immer größere Lauheit, die ſich, wenn die Andacht ja noch gehalten wird, darin zeigt, daß der Hausvater die⸗ ſelbe ſo kurz und flüchtig als nur immer möglich hält, die Hausgenoſſen aber mit großer Zerſtreu⸗ ung dieſer ſogenannten An dacht beiwohnen und froh ſind, wenn ſie geendigt iſt. Noch andere endlich halten zwar regelmäßig Morgens oder auch Abends Hausandacht, ſie thun dies auch mit ganzem Ernſt und in der Abſicht, für ihre eignen, ſo wie für die Seelen ihrer Haus⸗ genoſſen zu ſorgen, allein ſie fühlen dabei oft eine gewiſſe Leerheit, ſie klagen, daß ſie noch gar nicht den gewünſchten Nutzen davon hätten, und ſie ge⸗ ſtehen, obgleich ſie es bald auf dieſe bald auf eine andere Weiſe verſucht hätten, ſo wären ſie doch darüber noch nicht gewiß, wie eigentlich die Haus⸗ andacht am nützlichſten anzuſtellen ſei, darum ſol⸗ len zu Nutz und Frommen des lieben Hausſtan⸗ des folgende drei Fragen beantwortet werden: 1.) was in der Hausandacht geübt werden ſolle, 2.) wie oft und zu welcher Zeit dieſelbe zu halten und 3.) wie ſie am nützlichſten anzuſtellen ſei. Zuerſt iſt nemlich die Frage: Was ſoll in der Hausandacht geübt werden? Hierauf können wir aus 1 Tim. 4, 5. antworten: Got⸗ tes Wort und das Gebet; denn wenn damit jede Creatur, z. B. Speiſe und Trank, geheiliget werden ſoll, ſo gilt das gewiß auch von einem jeden Tage, den Gott ja ebenfalls giebt, und