# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1862_S154 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 154 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Freiheit und der seichten Aufklärung huldigen. Das sollte gläubigen Christen den Schlaf aus den Augen nehmen und sie zum Wachen und Beten treiben.“ — Aber was thun sehr Viele? — Sie meinen, Politik sei ein neutrales Gebiet, darin könne man auch mit Atheisten, Pantheisten, Epicuräern und anderem Teufelsgeschmeiß gehen. Aber sie werden endlich mit Schrecken sehen, wem sie auf dem „neutralen Gebiet“ Vorschub geleistet. Ja, freilich sind Religion und Politik durchaus gesonderte Gebiete, aber wie? wenn der Satan einen Plan gemacht hätte, auf dem Feld der Politik seine Batterien gegen Religion und Kirche spielen zu lassen? Und sollte es nicht auch eine antimoralische, antireligiöse, antichristliche, antibiblische, antikirchliche Politik geben können? Und wenn so, ist denn die Politik wirklich so adiaphoristisch, als viele meinen? In Canada, so berichtet der Evangelist, gibt es nach der letzten Volkszählung 25,156 Lutheraner. Im Jahre 1852 waren es nur 12,107. Also hat sich die Zahl in 10 Jahren mehr als verdoppelt. Spiritualismus. Die Ev. Kirchenzeitung macht mit dem Werke eines Spiritualisten im Staate Ohio, Namens Hudson Tuttle, unter dem Titel: Arcana of Nature or the History and Laws of Creation (1861) bekannt. Folgendes sind einige Stellen aus Tuttle's Schlußfolgerungen: „Es bedarf kaum eines Beweises, denn es ist selbstverständlich, daß die Materie ewig ist. — Indifferenzirte chaotische Materie, sich selbst überlassen, muß ihren eignen inhärenten Principien zufolge den geordneten Vorgang einer Schöpfung entwickeln, wie wir sie um uns erblicken. — Lebensauswirkend schuf sie menschliche Wesen. Geistesauswirkend rief sie intelligente Wesen hervor. — Freilich wird man uns einwerfen: diese Anschauung vernichte die Existenz Gottes. — Ja Brahma, Buddha, Jupiter und Jehova müssen ihr weichen; dagegen bleiben die erhabenen Principe der Vernunft und Liebe in ihrem vollen Rechte, auf die ja auch alle jene Vorstellungen einer Gottheit gegründet waren. Alle Götter der Mythologie und des Wahns müssen vor dieser Anschauung den Rückzug nehmen, denn ihr erborgter Nimbus verblaßt durch die Enthüllung des großen Unbekannten, der im Universum thront. — Die äußere materielle Form der Welt nennen wir Natur, die innere geistige Gott. Freilich ist dies kein theologischer Gott, aber in der Natur existirt kein anderer.“ Diese wenigen Sätze, heißt es in der Ev. Kirchenzeitung, genügen, um den speculativen und religiösen Standpunkt des Verfassers zu bezeichnen. Aus spontanen Urzellen ist, wie uns Tuttle belehrt, in Folge fortschreitender Entwicklung die ganze Pflanzen- und Thierwelt hervorgegangen. Ihm selbst ist es bereits gelungen, durch die Anwendung des Galvanismus Milben (Acari) zu erzeugen. Die unmittelbaren Urahnen des Menschen waren die Orang-Utans. Der Uebergang vom Orang zum Menschen muß aber ein sehr allmäliger gewesen sein. Der Neger kann nicht vom Kaukasier abgeleitet werden; beide stammen vielmehr vom Orang-Utans verschiedener Farbe und verschiedenen Charakters ab. Auch ist die Differenz zwischen Mensch und Affe bei Weitem nicht so groß, als gewöhnlich angegeben wird: die afrikanischen Orangs begraben ihre Todten unter Laubwerk und Zweigen, dagegen würde es sich ebenso unmöglich erweisen, dem Hottentotten Moralität zu lehren als dem Orang; überdies trennt den Menschen das Sprachvermögen nur gradweise vom Thiere. Was aber das Alter des Menschengeschlechtes anbelangt, so dürfen wir dies auf nicht weniger als hunderttausend Jahre vor der historischen Zeit zurückdatiren. Dies ist durch das geologische Zeugniß vollkommen erwiesen, troß der Verhöhnung, welche ihm die Advokaten des Pöbelglaubens haben angedeihen lassen. Wir sehen hieraus, auch der Spiritualismus beeifert sich, die weltberühmte „deutsche Wissenschaft“ nach unserem armen America durch Tischklopfen zu verpflanzen. Der berühmte Naturhistoriker Andreas Wagner, welcher der Schrift Tuttle's in der Ev. Kz. Erwähnung thut, sagt darüber: „Wir haben hier nur die Frage zu beantworten, ob sein Buch eine wissenschaftliche Bedeutung anzusprechen und neue Argumente zur Bestreitung des mosaischen Schöpfungsberichtes aufgefunden hat. Wir haben diese Frage vollständig zu verneinen. Zwar hat das Buch einen sehr gelehrten Anstrich, indem es fast aus allen Gebieten der Naturwissenschaft mit thatsächlichen Belegen vollgepropft,