# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1862_S153 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 153 die Absolution des Kirchendieners Gottes Vergebung sei, so meinen jene, daß die alte ev. luth. Kirche sonach ein Seligwerden „ohne Buße und Glauben“ durch das opus operatum des Gebrauchs der Sacramente, durch eine mechanische Wirksamkeit derselben, wie die Päbstler, lehre! Es ist das ein recht grober Mißverstand. Allerdings lehrt die alte luth. Kirche, und wir mit ihr, daß die h. Sacramente nebst der Absolution und das Wort überhaupt nicht nur eine significative (bedeutende), sondern auch eine ebensowohl collative (mittheilende), als effective (innere geistliche Wirkungen hervorbringende) Kraft haben, das heißt, sowohl Gottes Hände sind, die uns die durch Christum allein erworbenen Gnadengüter überreichen, als auch den zur Ergreifung dieser Gnadengüter nöthigen Glauben, als des Menschen Hand, wirken, erwecken, erhalten und stärken; allein sie lehrt auch, daß der Mensch den Wirkungen dieser Gnadenmittel widerstreben kann, und daß demjenigen, welcher jene Wirkungen dadurch nicht in sich hervorbringen läßt, Sacrament, Absolution, Wort nichts hilft, ja ihm nur zu einem Geruch des Todes zum Tode, zu desto schwererem Gerichte gereicht. Sie lehrt mit ganzem Ernste, daß, wer durch die Gnadenmittel nicht wiedergeboren wird, das Reich Gottes nicht sehen kann und wird, daß ohne eine vom h. Geist gewirkte Buße, daß ohne Herzensglauben keine Seligkeit ist, daß Wort, Sacrament, Absolution nicht die Wiedergeburt, die Rechtfertigung sind, sondern dieselben wirken sollen, nicht die Gnade, sondern die Gnadenmittel sind. Daß die alte luth. Kirche aber so ernstlich auf die Gnadenmittel hält, hat seinen Grund nicht darin, daß sie den Menschen dadurch ohne Buße und Glauben heilen wollte wie durch leibliche Arzneien, die man nur einzunehmen hat und die dann auch im Schlafe wirken; sondern darin, daß sie so ernstlich festhält, daß der arme Sünder allein durch den Glauben, ohne Werke, ohne Verdienst, aus Gnaden vor Gott gerecht und selig wird, das ist. nicht dadurch, daß er selbst etwas thut, wirkt, verdient, sondern daß Gott ihm alles in den Gnadenmitteln anbietet und durch dieselben wirkt. In diesem Sinne lassen wir uns gar gern gefallen, daß unsere Religion eine „sacramentale“ genannt wird. Ja, Seligkeit durch den Glauben lehren, und doch dem Wort und den Sacramenten den Charakter absprechen, daß sie die Güter enthalten und uns überreichen, die wir durch den Glauben zu nehmen und uns zuzueignen haben, ist ein Widerspruch. Seligkeit aus Gnaden lehren, und doch von keinen wirklichen Gnadenmitteln wissen wollen, ist eine Selbsttäuschung. Gibt es keine collativen Organe der Gnade, so schwebt die ganze Lehre von der Rechtfertigung eines armen Sünders aus Gnaden in der Luft; dem Glauben, welcher etwas Relatives ist, fehlt dann sein Correlat, oder die ganze Lehre vom Glauben ist ein reiner Enthusiasmus. — Uebrigens aus der geringen Anzahl von Deutschen, welche hier durch uns zur Gemeinschaft der Kirche gewonnen worden sind, auf die Unrichtigkeit des Systems zu schließen, ist sehr voreilig. Dies würde den Stab auch über das „System“ des Heilands selbst brechen, der ja auch nur Wenige durch seine persönliche Verwaltung des öffentlichen Lehramtes in Judäa und Galiläa gewann. Dazu kommt, daß es hier mehrere deutsche Kirchen gibt, welche das Seligmachungssystem der Generalsynode befolgen. Woher kommt es denn dann, daß diese Kirchen ebensowenig im Stande gewesen sind, die noch übrigen 55,000 (nicht ursprüngliche Lutheraner, sondern Deutsche aller Arten) zur Kirche zu bringen? Wäre damit also nicht auch das Lehrsystem der Generalsynode gerichtet? Laienvertretung. Die Frage, ob künftighin in der Generalconferenz der hiesigen Methodistenkirche auch die Laien eine Vertretung erhalten sollen, ist in der letzten Zeit innerhalb der Gemeinschaft mit großer Wärme discutirt worden. Auf der letzten Generalconferenz ist die Sache der Abstimmung durch das Volk zur Entscheidung überlassen worden. Der Pittsburgh Advocate sagt, das Ergebniß der Abstimmung sei, wie man höre, 2393 für und 2124 gegen Laienvertretung. Tendenz unserer Zeit. Von derselben sagt die Reform. Kirchenz. von Chambersburg vom 10. April ganz richtig: „Jung⸗Europa und Jung⸗America wirken auf Ein Ziel hin. Staat und Kirche in ihren positiven Grundlagen sollen fallen. Constitution und Bibel beseitigt werden, und alles soll dem falschen Humanismus, der abstracten