# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1862_S152 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 152 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. „Symbolismus.“ Im Lutheran Observer vom 21. März sucht ein Schreiber unter der Chiffre „Spener“ die Unfruchtbarkeit des s. g. Symbolismus an dem geringen Einfluß zu beweisen, den derselbe u. A. bisher auf die deutsche Bevölkerung von St. Louis, Missouri, geäußert habe. Er schreibt: „Der Fall in St. Louis ist ein sehr in die Augen fallender, denn da ist das alte symbolische System von Europa seit mehr als zwanzig Jahren ohne Hinderniß und Störung in Wirksamkeit gewesen; und in zwanzig Jahren hat es von etwa 60,000 Lutheranern aus Europa 5,000 zur Kirche gebracht! Trauriges Zeugniß für Symbolismus! — Wir wünschen nicht so verstanden zu werden, als wollten wir unsere Brüder von der altsymbolischen Partei tadeln und namentlich nicht die von St. Louis, denn nach allem, was wir von ihnen wissen, sind sie gute, gelehrte und fromme Männer. Das System ist verkehrt, und das System ist es, wogegen wir kämpfen. Es ist das System, welches man das sacramentale nennt, und zwar in kurzen Worten dieses: Durch die Taufe wird das Kind wiedergeboren und wird daher ein Glied des Leibes Christi; und aus der Gnade fallend, was bei allen geschieht, wird das Kind im 12. oder 14. Jahre confirmirt, im Allgemeinen ohne moralische Befähigung, nimmt Theil an dem Leibe Christi im heiligen Abendmahl und wird so durch den Mund mit geistlicher Nahrung gespeist. In diesem Lande, wo Menschen lesen und denken, sehen sie bald, daß dies jedenfalls etwas anderes ist, als die Religion, welche Christus und seine Apostel gelehrt haben, und so bald sie durch den Geist Gottes Erleuchtete werden, wenden sie sich mit Ekel davon hinweg und gehen in andere Kirchen, wo biblisches Christenthum vorwaltet. Daher der Erfolg der Methodisten, Baptisten, Presbyterianer und selbst der Congregationalisten unter den Deutschen. Wenn du die Deutschen bekehren willst, so mußt du Bekehrung zu Gott und Glauben an JEsum Christum predigen, und nicht confessionelle Religion, bei deren Predigt sie in Sünde verhärtet worden sind. Sie haben davon in Deutschland schon genug gehört. Nun, dies ist das System, welches der „„Lutheran and Missionary““ unterstützt. Es ist wahr, dieses symbolische Blatt ist zu scharfsichtig, um dreist herauszugehen und ein solches widerbiblisches System zu vertheidigen; es vergoldet die Pille; es hat etwas von dem geistlichen Leben und der Energie der anderen Kirchen des Landes mit seiner sacramentlichen Religion vermischt. Aber das Ding will nicht wirksam sein; die zwei können nicht zusammen gehen. Die sacramentliche Religion ist alles oder nichts; als ein System wird es keine Vermischung mit anderen Systemen zulassen; gleich Rom muß es stehen oder fallen durch seine eigenen Verdienste. Wenn es wahr ist, daß die Taufe das Kind wiedergebiert, und der Cultus der Kirche (das h. Abendmahl mit eingeschlossen) die Aufgabe hat, das wiedergeborne Kind zum Himmel zu führen, ohne Buße oder Glaube, dann sind die, welche für die Bekehrung der Seelen auf dem biblischen Wege wirken, große Thoren. Mit diesem System ist die luth. Kirche nie und wird sie nie im Stande sein, ihre Kinder mit geistlicher Nahrung zu versorgen. Die Speise, welche die unsterbliche Seele bedarf, ist nicht in dem System. Der gekreuzigte Christus, und zwar in allen seinen Aemtern, ist es, was die armen Sünder bedürfen. Die lutherische Kirche in Deutschland und in diesem Lande bedarf religiöse Auflebungen (revivals). Nichts anders wird sie retten. Mit dem Editor des „„Lutheran““ bin ich ein Bewunderer der Augsb. Confession, allein er muß mir dieselbe auslegen lassen nach meinem Sinn (for myself), wie ich ihm gestatte. Sie ist eine edle Urkunde, und empfängt alle ihre moralische Stärke von der Bibel und ist allein werthvoll wegen ihrer Uebereinstimmung mit der Bibel.“ — So weit der Schreiber im Observer. Wir theilen diese Expectoration mit als einen Beleg dafür, was namentlich hier geborne Lutheraner der Generalsynode für Vorstellungen von dem s. g. System der alten lutherischen Kirche haben. Da dieselbe (nach Gottes klarem Worte) glaubt und lehrt, daß die h. Taufe das Bad der Wiedergeburt, das h. Abendmahl die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi,