# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1862_S151 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus dem Großherzogthum Baden. 151 Indem wir unsere Freude über den Inhalt dieses Zeugnisses, über die Entschiedenheit und den Muth, womit es abgelegt ist, aussprechen, können wir uns folgender Gedanken nicht erwehren. 1) Aus der allgemeinen Abstimmung des ganzen s. g. evangelischen Volkes ist, gerade vor 40 Jahren, die Union der lutherischen und reformirten Kirche entstanden. Seither hat auf allen Synoden die Abstimmung nach Majoritäten geherrscht. Ganz folgerichtig hat nunmehr auch die Majorität die neue Kirchenverfassung gemacht. Die beiden verehrten Männer streiten gegen die giftigen Auswüchse, übersehen aber den Giftboden, aus dem dieselben entsprossen sind. 2) Wenn sie sich etliche Male auf die Bekenntnisse berufen, so ist zu entgegnen, daß bei der Unionsschließung die Bekenntnisse auf den Boden geschichtlicher Denkmale herabgewürdigt worden sind. Nun ist Manchen das Verständniß aufgegangen: „Das haben wir an unserm Bruder Joseph verschuldet!“ 3) Es ist unklar, welche Stellung die beiden verehrten Männer einnehmen, nachdem sie sich von der also verfaßten unirten Kirche Badens losgesagt. 4) Eine evangelische Kirche Deutschlands kennen und haben wir leider nicht mehr, seitdem etliche deutsche Landeskirchen zur Union abgefallen sind. C. E. Zu dem oben angeführten Document macht der Freimund die Bemerkung: Wie richtig sie die Dinge angesehen, erkennt man aus der Thatsache, welche in der protestantischen Kirchenzeitung 1862 Nr. 4 von Heidelberg aus mitgetheilt wird, daß in keiner bedeutenden Stadt auch nur ein gläubiger Mann in die Gemeindekirchenversammlung gewählt worden ist, und ferner daraus, daß man a. a. O. offen erklärt, die altgläubige Partei habe keine Stimme mehr, wenn beschlossen wird, was in der Kirche gelten soll. Sie mag in Zeitungen und Versammlung privatim reden, was sie will, — aber im Rath der Kirche soll sie fortan schweigen! Das ist klar gesprochen, und da weiß man, wie man dran ist. Ob es heut und morgen schon gelingt, was jene wollen, — wir wissens nicht. Hochbedeutsam ist es jedenfalls, daß die Bewegung Badens die ganze deutsche Bevölkerung ergriffen hat, denn wo man hinsieht, — wir haben die Beweise schon gebracht und werden sie noch bringen — gewahrt man gleiches Streben wie in Baden. So viel ist drum gewiß, — wenn Gott nicht nochmal drein sieht und ihren Rath zu nichte macht, so stehen wir am Vorabend einer schweren, schweren Zeit. Drum laßt uns wachen und beten, daß wir feste stehen zur bösen Zeit! ————◆◆————