# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 22_S104 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſucht. Er verſpricht noch öfter zu kommen, als ich, und zwar unentgeldlich; er ſchilt über meine Liebloſigkeit, nach welcher ich bisher den Unirt⸗ und Reformirtgeſinnten das heilige Abendmahl vorenthalten hatte und verheißt, es Allen, die es begehren, baldmöglichſt zu verſchaffen;“) ja, er ſcheut ſich nicht, in den Häuſern die gröbſten Lü⸗ gen auszuſprechen, wie z. B. die, daß wir Luthe⸗ raner „zum Theil auch zu verſtorbenen Heiligen“ beteten. Du kannſt Dir denken, lieber Leſer, daß es mir bei der Kunde davon zu Muthe ward wie Einem, der unter Schweiß und Mühe, doch in Erwartung der Früchte, ein Gärtchen ſich ange⸗ baut hat und nun mit Einemmale den Rüſſel eines unfläthigen Schweines *) darinnen wühlen ſieht. Als ein Hirte, der nicht bloß lehrt, ſon⸗ dern auch wehrt, warnte ich vor dieſem Menſchen mündlich und ſchriftlich, und wünſchte Gelegen⸗ heit zu haben, durch ein perſönliches Zuſammen⸗ treffen mit ihm, ſeinen Schafspelz im Angeſicht der Gemeinde ihm abnehmen zu können. Mein Wunſch wurde bald erfüllt. Ich hatte am Montag nach Epiph. III. ſoben den Got⸗ tesdienſt in Staunton beendigt, als mein Gegner angeritten kam. Kampfluſtig ſchritt er auf das Haus zu, in welchem ich mich noch mit der gan⸗ zen Verſammlung befand. Er trat ein. Wir ſtanden uns eine Zeitlang gegenüber wie David und Goliath. Da ging er endlich auf mich zu und wollte mir die Hand reichen, wie weiland Judas dem HErrn einen Kuß. Ich (zurückweichend). Nein, Ihnen reiche ich meine Hand nicht. Wie ſollte ich einem Räuber und Mörder meiner Schafe die Bruderhand rei⸗ chen! Er (betroffen). So! — Doch ich bin nicht ge⸗ kommen, mich vor dieſen Leuten mit Ihnen her⸗ umzuſtreiten. Ich. Das fragt ſich. Aber es iſt mir wahr⸗ lich lieb, Sie einmal von Angeſicht zu Angeſicht zu ſehen, und ich nenne Sie daher nochmals vor dieſer Verſammlung einen Räuber und Mörder meiner Schafe. Er. Das bin ich nicht; denn als ich hier zum erſten Male gepredigt hatte, fragte ich die Leute, ob ich wiederkommen ſollte und ſie ſagten ja. Ich. Eben darum bleibe ich bei meiner An⸗ klage. Wiſſen Sie denn nicht, daß ſich Paulus nicht rühmen wollte „in dem, das mit fremder Regel bereitet iſt“ (2 Cor. 10, 15. 16.), und ſich „ſonderlich befliſſen hat, das Evangelium da nicht zu predigen, wo Chriſti Name ſchon bekannt war, auf daß er nicht auf fremden Grund bauete“? (Röm. 15, 20. 21.) Es war Ihnen ja recht gut bekannt, daß ich bald ein ganzes Jahr hier predige, warum gingen Sie nicht an ſolche Orte, wo Niemand predigt? Daß ich mit allen Perſo⸗ nen dahier in der Lehre vom heiligen Abendmahl noch nicht völlig einig bin, geht Sie nichts an, Sie wiſſen ja nicht, ob ich nicht noch mit ihnen völlig einig werden kann. Diejenigen, welche Ihr Anerbieten, ihnen wieder zu predigen, an⸗ nahmen, hätten ſich gewiß einen zweiten Beſuch von Ihnen verbeten, wenn Sie gerade heraus⸗ geſagt hätten: „Meine Abſicht iſt, euch zu Me⸗ thodiſten zu machen.“ Ich kam grad und offen⸗ herzig zu den Leuten; Sie aber ſuchten ſich durch *) In der That, die Herren Methodiſtenprediger ſehen ſich nicht als Haushalter, ſondern als Herren über Gottes Geheimniſſe an. Der Apoſtel Paulus warnt vor unwür⸗ digem Genuß des heiligen Abendmahls, — und dennoch ſind ſie ſo flugs bereit, es den nach ihrer Meinung noch Unbekehrten zu reichen. Aber freilich, im Abendmahl iſt ja „nur Brod und Wein“; dazu heiligt der Zweck die Mittel! *) Zu Nutz und Frommen Solcher, die der Schrift⸗ ſprache unkundig ſind, bemerken wir hierbei, daß obiger Ausdruck echt bibliſch iſt, um Kirchendiebe, wie der bezeich⸗ nete, tropiſch, das heißt, mit einem verblümten Aus⸗ druck, abzumalen. Pſ. 80, 14. D. R 10⁴ Verſchweigung Ihrer Abſichten, durch Vorſpiege⸗ lung eines unentgeldlichen Bedienens, ja durch allerlei Lügen Eingang zu verſchaffen. Er (nach einer Weile). Ich habe ſchon Ihren ſchändlichen Brief geleſen, den Sie wider mich ſchrieben. Ich. Daß ich Sie in demſelben als einen falſchen Propheten und reißenden Wolf, der in Schafskleidern kommt, bezeichnete, das will ich je wohl am jüngſten Tage verantworten. Es bleibt dabei, Sie ſind als Dieb und Mörder in den Schafſtall eingeſtiegen. Er. Sie ſind ein Stephaniſt. Ich. Wie ſo? Beweiſen Sie mir das! Er. Die Altlutheraner ſind Stephaniſten; Sie ſind ein Altlutheraner: darum ſind Sie ein Siephaniſt. Ich. Erlauben Sie, das iſt ſo viel wie Nichts bewieſen. Oder wäre das ein Beweis, wenn ich zu Ihnen ſagen würde: „Alle Prediger ſind Trun⸗ kenbolde; Sie ſind ein Prediger: darum ſind Sie ein Trunkenbold?“ Er. Sie bringen lauter leere Redensarten, da nichts hinter iſt. Ich. Das könnte ich mit größerem Rechte Ihnen zum Vorwurf machen. Aber, Sie ſind mir noch immer den Beweis ſchuldig, daß ich Ste⸗ phaniſt ſei! Er. Ich will mich mit Ihnen nicht weiter einlaſſen. Hätten Sie gegen mich mehr Liebe bewieſen, ſo würde ich mich näher gegen Sie er⸗ klärt haben. Ich. Ich bin Ihnen nicht liebloſer begegnet, als der HErr Chriſtus den Phariſäern und St. Paulus den falſchen Lehrern, welche die galati⸗ ſchen Gemeinden verſtörten. Oder ſoll ich den Wolf, der mir in meine Heerde fährt, gar noch ſtreicheln und liebkoſen? Er. Ich ſehe es Ihnen an, daß Ihnen der Geiſt Goites noch fehlt. Ich. Da haben Sie ein gutes Auge. Wo ſehen Sie mirs denn an? Am Auge? Oder an der Naſe? Oder wo ſonſt? Er (nach einer Weile). Die Altlutheraner erheben ſich über Alle. Sie haben ja hier be⸗ hauptet, die lutheriſche Kirche ſei die alleinſelig⸗ machende. Ich (zu der Verſammlung). Gegen wen hab' ich das behauptet? Ein Mann. Sie haben einmal zu mir ge⸗ ſagt, die lutheriſche Kirche ſei die beſte. Ich. Ja, ich habe geſagt, ſie ſei diejenige Kirche, in welcher Gottes Wort allein rein und lauter gelehrt werde. Heißt denn aber das: ſie iſt die alleinſeligmachende? Um mich gegen ſolche Mißdeutung zu wahren, habe ich hingegen hier öffentlich und ſonderlich bezeugt, es ſei auch mög⸗ lich, in den übrigen chriſtlichen Confeſſionen ſelig zu werden, um der einzelnen Stücke der Wahrheit willen, die ſich mehr oder weniger in einer jeden derſelben finden. Alſo wieder eine lügenhafte Beſchuldigung! Er. Die Altlutheraner beugen ſich ja vor Crucifixen und beten ſie an! Ich. Beweiſen Sie das! Er (verſtummt). Ich. Alſo abermals eine ſchändliche Lüge! Fahren Sie nur ſo fort, Sie werden von dieſem Orte weichen müſſen. Er. Und wenn ich hier nicht aufgenommen werde, ſo will ich den Staub von meinen Füßen ſchütteln und nach Alton gehen. Ich. Weil ich auch dort ſchon gepredigt habe und im Begriffe bin, daſelbſt eine lutheriſche Ge⸗ meinde zu bilden. Das iſt nun aber einmal ſo, daß die Methodiſtenprediger da einbrechen und ern⸗ ten, wo wir lutheriſche Prediger mühſam geſät haben. Wir müſſens leiden; die rechte Hand des HErrn kann aber alles ändern. ö Er. So lange ich lebe, will ich, wo ich nur kann, in lutheriſche Gemeinden gehen und daſelbſt predigen. ö Ich (zu den Anweſenden). Ihr habt es ge⸗ hört. Nun hat der Wolf ſeinen Schafspelz ganz fallen laſſen! Er. Ja, ich wiederhole es, ſo lang ich lebe, will ich, wo ich nur kann, in lutheriſche Gemein⸗ den gehen und daſelbſt predigen. Ich. Gut, das ſoll auch den lutheriſchen Gemeinden bekannt gemacht werden und Ihre Lügen dazu, damit ſie ſich vorſehen. Er. Dazu mögen Sie Ihren „Lutheraner“ gebrauchen. Dies iſt nun durch dieſe getreue Skizze nach der Natur geſchehen. Sollten Dir, lieber Leſer, ähnliche Scenen aus Erfahrung etwa ſchon be⸗ kannt ſein, ſo wird ſie Dich, Du ſeieſt nun Hirte oder Schäflein, doch wenigſtens tröſtend an das Wort erinnern: „Wiſſet, daß eben dieſelbigen Leiden über euere Brüder in der Welt gehen“ (1 Petr. 5, 8.).) Möchte aber Herrn Kunz (? noch die Luſt anwandeln, dieſen Beitrag zur Charakteriſtik der Methodiſtenprediger der Un⸗ wahrheit zu zeihen, ſo ſei ihm zum Voraus kund, daß ich ſogleich nach unſerm Geſpräche die Haupt⸗ momente desſelben aufzeichnete und die Wahrheit dieſer Mittheilung durch die meiſten unſerer Zu⸗ hörer bekräftigen laſſen kann. F. Lochner, luth. Paſtor bei Collinsville. *) Eine ähnliche, jevoch noch tragiſchere Scene iſt vor kurzem in der Gemeinde des Redakteurs vorgekommen. Ein hieſiger MPethodiſtenprediger nemlich wagte es, ſelbſt bei einem alten Gliede dieſer Gemeinde, einem Heſſen mit Namen Philipp Lepper, ſich in ſeinen winkelſchleiche riſchen Künſten zu verſuchen. Herr Lepper wies dem un⸗ gebetenen Gaſte aber gar bald die Thür, und als derſelbe nicht weichen wollte, ſah ſich erſterer genöthigt, ſein Zimmer von dem Aufdringling buchſtäblich mit dem Beſen zu ſäu⸗ bern. Das konnte natürlich der Hauswirth nicht hindern, daß der mit ſo ſchändlichem Undanke belohnte Prediger zur Ergößung der über den Lärm zuſammengekommenen Nach⸗ barſchaft noch eine Strafprevigt durch vie für ihn geöffnete Thür auf offener Straße dem eingefleiſchten Lutheraner hielt. — Wir publiciren dies in der guten Abſicht, alle, die es betrifft, zu warnen, daß ſit ihrem „Gaiſte“ nicht trauen, wenn er ihnen wieder einmal eingeben ſollte, daß ein Schleicher und Winkelprediger in den Dieſhn lutheriſchen Familien gute Geſchäfte machen könne. ir wenigſtens ſind nun entſchuldigt, wenn ähnliche Verſuche ſich mit einer ähnlichen Tragikomödie endigen ſollten. Der Redakteur. Todesnachricht. Heute ſtarb mein theures Weib, in einem Alter von 23 Jahren, 6 Monaten. Sie hinterläßt mir zwei mutterloſe Waiſelein, das eine von 3½ das andere von 14 Jahren. Dies theilnehmen⸗ den Freunden zur Nachricht. Newdettelsau, O., den 3. Febr. 1848. A. Ernſt, Paſtor. Erhalten. a) für die Heiden-Miſſion am Fluſſe Cass, in Michigan: 48.50 von der lutheriſchen Gemeinde des Herrn P. Für⸗ bringer in Elkhorn Prairie, Ill. b) zur Synodal-Miſſions⸗Caſſe: 51.00 von Herrn Heinr. Biermann, P1.00 von Hern Chriſt. Herrling, 50 Cts. von Herrn Gottfr. Rauſch, $15.00 von den Sonntagsſchulkindern der Gemeinde des Herrn P. Wyneken in Baltimore, 81.00 von Hrn. Stein- brück, Ba.214 von der lutheriſchen Gemeinde zu Neumellt, St. Charles Co., Mo. Bezahlt. Den 3. Jahrg. Hr. P. J. Gruber. ö Den 4. Jahrg. Die HH. Fr. Brandt, P. Dumſer, P. J. Gruber, Kern, P. Löber (3 Ex.), Löffler, Heinr. Meyer, Joh. Rothſchild, P. Stübgen. Den 5. Jahrg. Die HH. P. J. Gruber, Santſchi. Gedrudt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſten s.