# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1862_S143 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Johann Georg Hamann's Bekehrung. 143 griffe von Gottes Worte zur Lesung desselben mitbrachte, wurde gleich⸗ wohl mit mehr Aufrichtigkeit, als ehemals, den 13. März, von mir gemacht. Je weiter ich kam, je neuer wurde es mir, je göttlicher erfuhr ich den In⸗ halt und die Wirkung desselben. Ich vergaß alle meine Bücher darüber, ich schämte mich, selbige gegen das Buch Gottes jemals verglichen, jemals sie demselben zur Seite gesetzt, ja jemals ein anderes demselben vorgezogen zu haben. Ich fand die Einheit des göttlichen Willens in der Erlösung Jesu Christi, daß alle Geschichte, alle Wunder, alle Gebote und Werke Gottes auf diesen Mittelpunkt zusammenliefen, die Seele des Menschen aus der Sclaverey, Knechtschaft, Blindheit, Thorheit und dem Tode der Sünden zum größten Glück, zur höchsten Seligkeit und zu einer Annehmung solcher Güter zu bewegen, über deren Größe wir noch mehr als über unsre Unwürdigkeit oder die Möglichkeit, uns derselben würdig zu machen, erschrecken müssen, wenn sich uns selbige offenbaren. Ich erkannte meine eigenen Verbrechen in der Geschichte des jüdischen Volks, ich las meinen eignen Lebenslauf, und dankte Gott für seine Langmuth mit diesem seinem Volk, weil nichts als ein solches Beyspiel mich zu einer gleichen Hoffnung berechtigen konnte. Vor allen andern fand ich in den Büchern Moses eine seltne Entdeckung, daß die Israeliten, so ein ungeschlacht Volk sie uns vor⸗ kommen, in einigen Fällen nichts als dasjenige von Gott ersuchten, was Gott willens war für sie zu thun, daß sie eben so lebhaft ihren Ungehorsam als je ein reuender Sünder erkannten, und ihre Buße doch gleichwohl eben so ge⸗ schwind vergaßen, in der Angst derselben aber um nichts als einen Erlöser, einen Fürsprecher, einen Mittler anriefen, ohne den sie unmöglich Gott weder recht fürchten, noch recht lieben konnten. Mit diesen Betrachtungen, die mir sehr geheimnißvoll vorkamen, las ich den 31. März des Abends das 5. Capitel des 5. Buch Moses, verfiel in ein tiefes Nachdenken, dachte an Abel, von dem Gott sagte: Die Erde hat ihren Mund aufgethan, um das Blut dei⸗ nes Bruders zu empfangen — — Ich fühlte mein Herz klopfen, ich hörte eine Stimme in der Tiefe desselben seufzen und jammern, als die Stimme des Bluts, als die Stimme eines erschlagenen Bruders, der sein Blut rächen wollte, wenn ich selbiges beyzeiten nicht hörte, und fortführe, mein Ohr gegen selbiges zu verstopfen; — — daß eben dieß Kain unstätig und flüchtig machte. Ich fühlte auf einmal mein Herz quillen, es ergoß sich in Thränen, und ich konnte es nicht länger — — ich konnte es nicht länger meinem Gott verhehlen, daß ich der Brudermörder, der Brudermörder seines eingebornen Sohnes war. Der Geist Gottes fuhr fort, ungeachtet meiner großen Schwachheit, ungeach⸗ tet des langen Widerstandes, den ich bisher gegen sein Zeugniß und seine Rührung angewandt hatte, mir das Geheimniß der göttlichen Liebe, und die Wohlthat des Glaubens an unsern gnädigen und einzigen Heiland immer mehr und mehr zu offenbaren. Ich fuhr unter Seufzern, die vor Gott vertreten wurden durch einen Ausleger, der ihm theuer und werth ist, in Lesung des göttlichen Wortes fort, und genoß eben des Beystandes, unter dem dasselbe geschrieben worden,