# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 22_S103 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ö ö und, wie wir vermerken, von nun an immer bei⸗ geben will. Für diesmal enthält der Bericht ſo⸗ wohl in engliſcher als deutſcher Sprache Luthers vortrefflichen Sermon „von der Sünde wider den Heiligen Geiſt“, aus der Kirchenpoſtille. — Alle die Synode betreffenden Briefſchaften ſind an den aſſiſtirenden Schreiber unter der Adreſſe einzuſenden: Rev. J. R. Moser, Flint Rock, Catawba Co., N. C. Wir bekennen, daß uns die gemachte nähere Bekanntſchaft mit dieſer Synode mit dem beſten Vorurtheil für dieſelbe erfüllt hat; ſo viel wir aus dem Berichte ſchließen können, iſt es derſelben ein Ernſt, das Kleinod der reinen lutheriſchen Lehre zu bewahren. Kirchenexamina mit der Jugend. Seid aber allezeit bereit zur Verantwor⸗ tung Jedermann, der Grund fordert der Hoff⸗ nung, die in Euch iſt (1 Petri 3, 15.). Der ehemalige preußiſche Miniſter und Er⸗ zieher des Königs Friedrichs II., Herr von Prinz, hatte ein Dorf in der Gegend von Berlin, wo Joh. Porſt, damals noch ein junger Mann, Prediger war. In dieſer Gemeinde ſollte eine Katechismus⸗Lehre eingeführt, und nicht nur die Kinder, ſondern auch die Alten gefragt werden. Als Porſt deswegen ſeinem Kirchenpatron Vor⸗ ſtelung that, und behauptete, daß Eltern und Eheleute ſich aus falſchem Ehrgeize ſchämen wür⸗ den, auf ſeine Fragen zu antworten, gab ihm der Miniſter zur Antwort: „Auf den Nachmittag hal⸗ ten Sie Kinderlehre. Ich werde in die Kirche kommen, und dann fragen Sie mich ſelbſt; ich will antworten, dann will ich ſehen — und fra⸗ gen Sie mich nur recht viel — und hierauf An⸗ dere — und dann wieder mich.“ Das geſchah wirklich, und Niemand hielt's für Schande, von ſeiner Religion Rechenſchaft zu geben. * Um Einiger willen verdamme nicht Alle! Doctor Brochmand, geſtorben 1652, Bi⸗ ſchof des norwegiſchen Stiftes Seeland, war einſt als Gaſt bei dem Hochzeitsfeſte eines Freun⸗ des. Ueber Tiſche ward unter Anderem auch von der ſchlechten Aufführung eines gewiſſen Predi⸗ gers geſprochen. Einige wunderten ſich darüber, Andere beklagten ihn. Eine adlige Dame, ver⸗ muthlich eine von denen, die in Geſellſchaften gern das Wort führen, ſah die Sache von einer andern Seite an, und ſagte mit einer höhniſchen Miene: „Da ſehen wir, was unſere Prieſter für Leute ſind!“ Der Biſchof Brochmand ſaß da— bei; als Haupt der Geiſtlichkeit kränkte es ihn zu hören, wie von dieſem Stande überhaupt ſo ver⸗ ächtlich geſprochen werde; gleichwohl fand er dieſe fade Aeußerung keiner ernſthaften Antwort würdig. Kurz darauf aber brachte er eine Erzählung auf die Bahn von einer vornehmen Dame, die wegen ihrer ſchlechten Aufführung bekannt war, und machte in dem Verfolge der Erzählung die Be⸗ merkung: „Daraus folgt aber keineswegs, daß alle unſre adligen Damen ſo ſein ſollten.“ 10³ „Ich kann nicht beten, ich muß dabei fluchen.“ So ſchreibt Luther und fährt alſo fort: Soll ich ſagen: „Geheiliget werde dein Name“, muß ich dabei ſagen: „Verflucht, verdammt, ge⸗ ſchändet müſſe werden aller derer Name, die dei⸗ nen Namen läſtern. Soll ich ſagen: „Dein Reich komme“; ſo muß ich dabei ſagen: „Ver⸗ flucht, verdammt, verſtört müſſen werden alle Reiche auf Erden, die deinem Reich zuwider ſind.“ Soll ich ſagen: „Dein Wille geſchehe“; ſo muß ich dabei ſagen: „Verflucht, verdammt, geſchän⸗ det und zu nichte gemacht müſſen werden alle Ge⸗ danken und Anſchläge Aller, die wider deinen Willen ſtreben. Wahrlich, ſo bete ich alle Tage mündlich und mit dem Herzen ohne Unterlaß, und mit mir alle, die an Chriſtum glauben, und fühle auch wohl, daß es erhöret wird. Dennoch be⸗ halte ich ein gut, freundlich, friedlich und chriſt⸗ lich Herz gegen Jedermann; das wiſſen auch meine größten Feinde. (Luth. Werke. Leipz. Ausg. Th. 24. pag. 344.) Das Hühnerei. Als der Reformator von Würtemberg, Jo⸗ hann Brenz, kaum von ſeiner Flucht vor den kaiſerlichen Abgeordneten nach Stuttgart zu⸗ rückgekehrt war, ließ Herzog Ulrich ihn in ſpäter Nacht einmal rufen, und zeigte ihin an, daß ſeine Rückkehr verrathen, und eine Spaniſche Reiter⸗ ſchaar beordert und ſchon auf dem Wege ſei, ihn aufzuſuchen. Auf dem Heimwege erhob der erſchüt⸗ terte Glaubensmann Augen und Herz zum HErrn, warf ſich, als er nach Hauſe gekommen war, auf die Kniee nieder, und empfahl ſich Gott in ernſt⸗ lichem Flehen. Als er aufſtand, war es ihm, als ſpreche Jemand zu ihm: „NNimm einen Laib Brot, und gehe den Birken wald (die jetzige obere Stadt in Stuttgart) hinauf, und wo Du die Hausthüre offen findeſt, da gehe hinein, und verbirg Dich unter dem Dach.“ Er nahm dieſes als eine göttliche Weiſung an, nahm einen Laib Brot unter den Arm, und ging hin. Er fand alle Hausthüren, die letzte ausge⸗ nommen, verſchloſſen. Hier ging er hinein, und ohne von Jemand bemerkt zu werden, bis unter das Dach, wo er zwiſchen einer Holzbeuge und dem Dache ſich verſteckte. Schon am andern Tage rückte der kaiſerliche Oberſt ein, und ſtellte vierzehn volle Tage eine ſtrenge Hausdurchſuchung an. Bren zehörte täg⸗ lich von der Straße herauf aus dem Geſpräche der Leute den Gang der Unterſuchung, bis ſie am letzten Tage auch in ſeine Nähe und zu dem Hauſe kam, wo er verborgen war. Auf den Knieen liegend und betend hörte er das Waffen⸗ geklirr, bis ſie ſich zuletzt ſeinem Bergungsorte näherten. Er hörte die Klingen durch die Holz⸗ beuge ſtoßen, und mußte ſogar einem Stiche, der von oben herab kam, ausweichen. Endlich ver⸗ nahm er zu ſeiner Freude: „Geht, auch da iſt er nicht!“ Den andern Tag zogen ſie ab. Aber wie konnte Brenz vierzehn Tage von Einem Laib Brot leben? Gott hatte einer Henne geboten, ihn zu verſorgen. Am erſten Vormittage ſchlich ſich dieſe Henne zwiſchen die Holzbeuge und Dach, und legte ein Ei nahe zu ſeinen Füßen; dann ging ſie, gegen die Ge⸗ wohnheit der Hühner, ganz ſtill wieder weg. Brenz nahm das Ei, ſchnitt ſich ein Stück Brot dazu, und dankte Gott herzlich für dieſe Mahlzeit. Am andern Tage kam die Henne wieder, und ſo die vierzehn Tage hindurch immer zur nämlichen Zeit, daß er täglich ſein gutes Mahl genoß. Merkwürdig war es, daß die Henne am fünf⸗ zehnten Tage nicht mehr kam, wo denn auch Brenz von den Leuten auf der Straße ſagen hörte: „Jetzt ſind ſie fort.“ Er blieb der Sicher⸗ heit wegen noch bis zum Abend, und feierte den Reſt des Tages mit Danken und Loben. Abſolution. Kein chriſtlicher und evangeliſcher Prediger kann den Mund aufthun, er muß eine Abſolution ſprechen. Luthers Kirchenpoſt. Die Adler. (Jeſ. 40, 30. 31.) Es fährt auf ſchnellen Schwingen Der Adler in die Lüfte, Und kreist in ſchönen Ringen Durch himmelblaut Düfte. Er ſchlägt voll Stolz und Wonne Sein ſtarkes Flügelpaar; Frei ſchaut er in die Sonne, Der königliche Aar. Es fallen junge Knaben, Und Männer ſinken nieder. Die Chriſten aber laben Mit neuer Kraft die Glieder. 30 hrer 9 be f. treue, u ihrem Pilgerlauf; Brum fahren ſie aufs Neue Mit Adlersflügeln auf. Und wie die Helden ſtreiten Sie mit der Feinde Menge; Und wie die Sieger ſchreiten Sie durch ihr dicht Gedränge; Und wie die Adler fahren Sie zu dem Herrn empor: Um ihm mit ſeligen Schaaren Zu jauchzen im höhern Chor. H. Fick. (Eingeſandt.) Ein Beitrag zur Charakteriſtik der Methodiſtenprediger. Von den Deutſchen in und um Staunton, Macoupin Co., Ill., wiederholt aufgefordert, ihnen zu Zeiten das Wort Gottes zu predigen, reiſ'te ich im Frühling des verfloſſenen Jahres da⸗ hin. Zwar fand ich den größeren Theil derſelben in der Lehre vom heiligen Abendmahl unirt und zum Theil reformirt geſinnt; doch ſagte ich den Lutheranern daſelbſt zu, mich ihrer anzunehmen und ihnen alle ſechs Wochen an einem Werkel⸗ tage Gottesdienſt zu halten, und da mich die Ueb⸗ rigen ebenfalls baten, ſie nicht zu verlaſſen, ſo hoffte ich, durch liebreiche und geduldige Beleh⸗ rung dieſelben nach und nach für die volle Wahr⸗ heit zu gewinnen. Ich brachte dieſen Leuten da⸗ durch ein nicht geringes Opfer, da Staunton circa 30 Meilen von meiner Wohnung entfernt liegt und die Verſorgung meiner beiden Land⸗ gemeinden mit Predigt und Schulunterricht alle meine Zeit und Kraft in Anſpruch nimmt; doch das Mitleiden mit den armen Schafen in der Wüſte und die Zuverſicht, daß es dem HErrn gleich ſei, durch Viel oder Wenig zu helfen, ließen mich ſeit drei Viertel⸗Jahren es gerne bringen. Siehe, da erſcheint vor etwa ſechs Wochen ein Methodiſtenprediger daſelbſt, Namens Kunz (?), und erbietet ſich den Leuten als Prediger. So unchriſtlich nun ſchon ſein unberufenes Erſcheinen ſelber iſt, ſo unchriſtlich iſt noch mehr die Art und Weiſe, mit der er ſich Eingang zu verſchaffen