# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S128 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 128 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. und das Gleiche auch mit allen In- und Ausländern that, die von ihrem ordentlichen Pfar⸗ rer um Lehre oder Wandel willen nach erfolgloser Anwendung der gradus admonitionis sich losgesagt hatten, erfolgte erst seine Suspension, dann seine Amtsentsetzung. Das Pfarramt zu Clodra ist seitdem einem benachbarten Geistlichen zur vikarischen Verwaltung übergeben worden. Vollert bewohnt zwar die Amtswohnung noch, nachdem er versprochen hat, keine gottesdienstlichen Versammlungen in derselben abhalten zu wollen, und, wie wir hören, soll ihm der Großherzog bei einer nachgesuchten und bewilligten Audienz eine noch⸗ malige Aufnahme der Untersuchung zugesagt haben, indeß, wie die Sachen einmal liegen, ist nicht zu glauben, daß eine Rückkehr derselben in geordnete Bahnen der erfreuliche Aus⸗ gang dieses traurigen Conflictes sein werde.“ Schlesien. Daher wird der Ev. Kz. (in der Nummer vom 11. Dec.) von einem s. g. Lutheraner innerhalb der Landeskirche berichtet: „Im gegenwärtigen Momente nimmt im weit überwiegenden Maße eine Geistesrichtung die Aufmerksamkeit in Anspruch, der um so ernster nachgegangen und auf den Grund gesehen werden muß, je schneller sie um sich greift und je bedenklicher sie in völlige Zerflossenheit auszulaufen droht. Ich suche ver⸗ geblich nach einer prägnanten Bezeichnung derselben. Ich möchte sie mißmüthige moralische Ermüdung nennen, welche nach treuem, in manchem Stücke aber leider vergeblichem Kampfe anfängt, die Hände sinken zu lassen, wenn diese Unlust sich nur nicht auch da in erhöhtem Grade fände, wo man bisher nur wenig gethan hat, also von einer Erschöpfung nicht die Rede sein kann. Selbst die Missionsliebe läßt hier und da nach, und die Missions⸗ feste und Missionsstunden sinken an manchen Orten herab. Auch auf dem Gebiete, das sich bis jetzt noch durch die meiste Frische ausgezeichnet hat, ich meine den Bereich unsers kirch⸗ lichen Vereinslebens, zeigen sich bereits Spuren jenes morosen Wesens, das uns und der ganzen Kirche viel gefährlicher ist, als die offenbarste Feindschaft. So recht in tiefster Seele betrübt aber wird man, wenn bei Gesinnungsgenossen innerhalb und außerhalb unse⸗ rer Vereine hier und da die Rede auftaucht: „„es ist nun aus mit dem lutherischen Ver⸗ eine; — er hat seine Aufgabe erfüllt; — man sieht es seinen schwach besuchten Conferenzen an, daß ihm die Lebenskräfte ausgehen; — es haben im Entwicklungslaufe der Zeit sich neue Bedürfnisse ausgebildet, die er erfahrungsmäßig und thatsächlich nicht zu befriedigen im Stande ist; — er wird also wohlthun, wenn er sein Scheindasein aufgibt und sich in eine freie Pastoralconferenz auflöst.““ Diese Sprache findet dermalen viel Anklang unter der evang. Geistlichkeit.“ Rheinbaiern. Ueber den traurigen Zustand der kirchlichen Verhältnisse dieses Landes berichtet die Ev. Kz. in No. 7 des heurigen Jahrgangs: Rheinbaiern ist jetzt nächst Baden der bedrohteste Theil der Evangelischen Kirche. In der Gesangbuchssache hat die Regierung das Recht der Kirche völlig an die durch Agitation verleiteten Massen ausge⸗ liefert. Jetzt setzt sich nun die Wühlerei, die durch jede Concession nicht beschwichtigt, sondern nur aufgestachelt wird, die nimmer ruhen kann, bis sie ihr letztes Ziel, die Beseitigung von Altar und Thron, erreicht hat, und auch dann noch nicht ruhig sein, sondern gegen ihre eignen Eingeweide wüthen würde, so gewiß als sie die Tochter des Menschenmörders von Anfang ist, die Beseitigung der treuen Pastoren zum Zwecke und die Herbeiführung einer völligen Abhängigkeit der Geistlichen von den Gemeinden. Man schreibt uns von dort: „In Iggel⸗ heim ist vom K. Consistorium die Suspendirung des neuen Gesangbuches angeordnet wor⸗ den. Die Gegner mochten wohl weit entfernt sein, ihre Excesse zu bereuen, da sie glauben konnten, hiedurch ihr Ziel erreicht zu haben. Aber der Pfarrer ist nicht weniger mißliebig als das Gesangbuch; er hat zudem am „Feste der Wiedereinführung,“ als die Straßen mit Fahnen und Kränzen geschmückt waren und die Bretzeln vertheilt werden sollten, keinen Gottesdienst gehalten; er will das Singen des apostolischen Segensgrußes nicht abschaffen, und was die Hauptsache ist: er predigt mit Ernst und Treue das Wort von Christo dem Gekreuzigten. Einem solchen Pfarrer soll die Kirche nicht offen stehen und es soll der Be⸗ weis geliefert werden, wie unzufrieden man mit ihm ist, darum wird denn in der Nacht vor dem Reformationsfeste das Schloß der Kirchthür mit eingetriebenem Blei verstopft.““