# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S126 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 126 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. nis ist Jesus „nicht Jehova,“ sondern nur „göttlicher Natur, ein göttliches Wesen.“ Hengstenberg nennt daher Kahnis' Darstellungen „sociniasirende Verleitungen.“ Thüringen. In der Ev. Kz. vom Monat December v. J. lesen wir u. A. Fol⸗ gendes: „Es ist im Reußischen, namentlich in Greiz von Seiten des Kirchenregimentes viel geschehen, um die Kirche Christi gemäß den Bekenntnissen der lutherischen Reformation zu gesunden Zuständen zurückzuführen. Doch waren alle diese Bemühungen nicht im Stande, eine Separation im Sinne der lutherischen Confession zu hindern. In der Ad⸗ ventszeit des Jahres 1860 schieden etwa zwanzig Gemeindeglieder unter Anführung des Steuerrendanten Merz aus der Landeskirche aus und bildeten eine separirte, lutherische Gemeinde. Da die Kirche des Fürstenthums Reuß⸗Greiz niemals mit Unionsbestrebungen verwirrt worden ist, da das Kirchenregiment auch mit großer Treue und Vorsicht alles das zu beseitigen wußte, was irgend den Verdacht, als suche man Union leise anzubahnen, erre⸗ gen konnte, so ist der Grund zu dieser Separation in anderen Dingen zu suchen. In einem Schriftchen, welches der Steuerrendant Merz vor Kurzem herausgegeben hat, gibt er als Gründe seines Austrittes folgende an. Der vormalige Pfarrer in Greiz, dessen Beichtkind er vor seiner Separation gewesen, habe einen Katechismus eingeführt, in welchem Frage 350 gesagt werde, daß die sinnlichen Triebe des Menschen an sich rein und sündlos wären. Ich kenne zwar jenen Katechismus nicht, aber nach Allem, was ich von sehr strengen Luthe⸗ ranern über den Verfasser und sein Buch gehört habe, ist es mir außer Zweifel, daß damit hat nur gesagt werden sollen, was die Apologie der A. C. Cap. XI. de conjugio sacer- dotum über die storge physice, über den wohl von der concupiscentia zu unterscheiden⸗ den appetitus lehrt. Die zweite Ketzerei, die jener Katechismus enthalten soll, besteht darin, daß Frage 559 gelehrt werde: der heilige Geist sei die Person, in welcher der Vater sammt dem Sohne sich selbst wisse und suche, als die Alles umfassende Liebe. Merz zieht daraus die Consequenz, daß danach der Vater und der Sohn sich selbst verloren habe, weil er sich erst wieder suchen müsse, ein verlorener Vater und Sohn könne aber den verlor⸗ nen Menschen nicht erlösen. Außer diesen Ketzereien wirft Merz seinem früheren Pfarrer noch vor, daß er die ihm anvertrauten Schafe nicht mit Namen nennen könne. Endlich ginge er auch seiner Heerde nicht voran, sondern räume diesen Platz der weltlichen Obrigkeit ein, und glaube ihn nicht ohne Sünde wider das vierte Gebot einnehmen zu können. Was dies heißen soll, verstehe ich nicht. Auf weltliches, unchristliches Leben kann es sich nicht beziehen. Denn Merz sagt bald darauf von diesem so hart gerichteten Hirten: Er sei im Uebrigen eine liebenswürdige Persönlichkeit, die von den besten Absichten beseelt wäre. Es soll sich dies wohl darauf beziehen, daß der Pfarrer nicht alle diejenigen in den Bann thut und excommunicirt, die Herr Merz für diese Procedur reif und geeignet erachtet. Das bizarre Wesen, welches bei diesen Greizer Separatisten eingerissen ist, macht aus den ernsten Dingen fast eine Farce. Oder ist es nicht fratzenhaft, wenn man in diesem Kreise, die gewöhnliche Höflichkeitstitulatur auf der Addresse der Briefe: Seiner Wohlgeboren in: Seiner Wiedergeboren verwandelt hat, als ob die Wiedergeburt sich zu einer Höflichkeits⸗ titulatur eigne. Diese Bigotterie tritt in abstoßendster Weise in einem Schriftchen hervor, worin der Steuerrendant Merz der Welt mittheilt, wie er den lutherischen Pfarrer Wer⸗ melskirch in den Bann gethan habe, weil derselbe in einer vertraulichen Unterredung mit der Frau Pastorin Vollert ihn, den Merz, einen Schwarmgeist genannt. Auf Grund der ganz aus dem Zusammenhang mit der übrigen Schriftlehre gerissenen und noch dazu falsch interpretirten Stelle, Matth. 18, 15-18., hat man in jenen Kreisen die Theorie und Praxis ausgebildet, daß jeder Christ den andern wegen irgend einer vermeintlichen oder wirklichen Beleidigung nach voraufgegangener dreifacher Admonition in den Bann thun und dem Satan übergeben könne. In dieser Schrift belehrt Herr Merz unter anderem die Christen⸗ heit, daß Sanct Pauli Gefangenschaft eine Strafe Gottes dafür gewesen sei, daß er das Gelübde Apostelg. 21, 23. ff. übernommen; daß Dr. Luther eines frühzeitigen bösen Todes gestorben sei zur Strafe für die Sünde, daß er zwischen den Grafen von Mansfeld den Erbschichter gemacht. Andere Excentricitäten, die in diesen Kreisen herrschen, wie man aus Träumen Einzelner die ewige Verdammniß gewisser, der Separation feindlicher Leute