# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S125 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 125 Dienern der Kirche „„Große,““ es gibt nach ihm „„Anführer,““ und nicht das Regie⸗ ren wird in ihr verboten“ (gewiß nicht!), „sondern nach feststehendem Sprachgebrauch das Tyrannisiren, der Mißbrauch des von Gott verliehenen Amtes im Interesse herri⸗ scher Selbstsucht, was auch bei den „„Königen der Heiden““ nur eine leidige Thatsache ist, nicht Gottes Ordnung, was in der christlichen Kirche auch bei den bürgerlichen Oberen völlig aufhören soll.“ Es ist völlig räthselhaft, wie ein Mann wie Hengstenberg so die Warnung des HErrn durchaus wie ein Bellarmin erklären kann. Den einzigen Schlüssel hierzu bietet, daß Hengstenberg im Punkte des Unterschiedes zwischen Staat und Kirche gefan⸗ gen ist, sonst müßte er sehen, daß der HErr nicht vor den Sünden weltlicher Herrscher warnt, sondern davor, das Verhältniß weltlicher Herrscher zu ihren Unterthanen in die Kirche auf⸗ zunehmen. Noch räthselhafter ist übrigens, daß selbst mehrere der preußischen Pastoren, welche so entschieden gegen eine Befehlsgewalt des Ober-Kirchencollegiums in der Kirche auftreten, sich doch nach den Verhältnissen der Staatkirche zurücksehnen, oder, was sie dem Ober-Kirchencollegium absprechen, dem Pastorat zusprechen und collegialistische Regierungs⸗ form der Kirche perhorresciren. Die katholische Presse in Deutschland. Wie schlecht es mit derselben aussieht und wie weit sie hinter der protestantischen Presse zurücksteht, darüber erhebt eine zu Augsburg erschienene Broschüre folgende bittere Klage, die wir der Nummer vom 19. Fe⸗ bruar des „Wahrheits-Freundes“ entnehmen: „Von den vierzig Millionen Deutschen sind mehr als die Hälfte Katholiken. Während der protestantische Theil circa 1500 Buchhand⸗ lungen besitzt, gibt es Alles in Allem kaum 24 katholische von einiger Bedeutung. Unter den 2 bis 3000 Zeitungen haben wir höchstens 7 bis 8 größere katholische und etliche 20 klei⸗ nere Blätter unserer Tendenz und Farbe. Deutschland zählt sicher einen Clerus von 60,000 Mann und wir glauben nicht zu irren, wenn wir behaupten, alle katholischen Blätter Deutschlands zusammen haben noch keine 60,000 Abonnenten.“ — Da ist es freilich nicht zu wundern, daß der Wahrheits-Freund meint, das sei ein „höchst trauriges Bild“ von Deutschlands katholischer Presse. C. Neue Theologie. Vor kurzem schrieb uns ein eifriger lutherischer Prediger aus Deutschland: „Wie bedaure ich jetzt meine Universitätszeit! Fast alle meine Bücher, die ich von E. und G. mitgebracht habe, kann ich gar nicht mehr gebrauchen. Die schönen neumodischen Einbände müssen jetzt auch alle in die Ecke und alten schweinsledernen Platz machen, die mir rechte Goldschätze werden. Erst jetzt merke ich, was wir deutschen Theolo⸗ gen für Narren gewesen sind; haben uns mit dem modernen Flitter abgequält und mit mitleidigem Lächeln es ruhig angesehen, wie die klugen Americaner uns die alten Schätze aus den Polterkammern geholt haben. Nun werden wir auch klug, aber die Schätze sind weg. Ich jage schon lange hinter mehrern alten Büchern her, von denen Sie in der Sy⸗ node gewiß Hunderte haben, aber sie sind nicht aufzutreiben.“ Hengstenberg schreibt in seinem diesjährigen Vorwort zur Evangel. Kirchenz. in Betreff der Erscheinung der Kahnis'schen Dogmatik: „Den zweiten Fall der Abweichung von der kirchlichen Bahn, welchen das vergangene Jahr darbietet, möchten wir gar gern mit Stillschweigen übergehen. Er ist dem Herausgeber tief zu Herzen gegangen, hat ihn nach den persönlichen schweren Begegnissen, wodurch dem Herrn im vorigen Jahre gefallen hat ihn heimzusuchen, am schmerzlichsten berührt. Es handelt sich um einen bisherigen Bekenner lutherischer Lehre, einen langjährigen Freund, einen Mitarbeiter der Ev. Kz. Aber der Herausgeber eines solchen Blattes hat keine Wahl. Er muß, so lange er diesen schweren Dienst auf sich hat, zu seinem Bruder sprechen „„ich kenne ihn nicht.““ Haupt⸗ sächlich erhebt hierauf Hengstenberg dagegen sein Zeugniß, daß Dr. Kahnis in jenem Werke „in einer Weise, wie sie bis dahin in der kirchlichen Theologie unerhört war, gegen die Aechtheit, Glaubwürdigkeit und Inspiration heiliger Schriften (namentlich des 5. Buchs Mosis, eines Theils des Jesaias und Sacharja, des ganzen Propheten Daniel und des Ev. Matthäi) Zweifel erhoben“ hat, und erwähnt außerdem nur, daß Kahnis „namentlich an dem Artikel der stehenden und fallenden Kirche, der Lehre von der Gottheit Christi, der er eine vage Göttlichkeit substituiren möchte,“ zu rütteln angefangen hat. Denn nach Kah⸗