# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S124 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 124 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Brandmale auf ihr eigenes Gewissen. Man lese nur die Predigten eines Beecher, eines Cheever, und anderer tonangebender Prediger in New York, und ihrer nach Popularität dürstenden Nachäffer in Philadelphia, und man möchte Thränen weinen über den verblenden⸗ den Geist, der sich solcher Männer bemeistert hat. Da gibt's lauten Applaus, Händeklatschen und Stampfen, und die politischen (selbst dem Christenthum feindlichen) Zeitungsblätter, streuen natürlich solchen Männern in starken Auflagen den Weihrauch, der dem schwachen Menschen so wohlgefällig ist. Sollte aber ein Prediger, der sich von Gott berufen glaubt heiliges Feuer auf dem Altar Gottes anzuzünden, nicht stark genug sein um das Kraft⸗ wort seines göttlichen Meisters gegenüber solcher Lockspeise auszurufen: „„Hebe dich weg von mir Satan!“““ Wir meinen, Ja. Hüten wir uns daher vor dem Andringen des Fein⸗ des, in welcherlei Gestalt es auch geschehen möge. Bedenken wir auch, daß wir noch nicht am Ende der Drangsalen sind. Sparen wir noch unsere Ueberfülle von Jubel bis das Ende gekommen sein wird. Wachen und beten wir, daß wir nicht in Anfechtung fallen — auch nicht wenn wir Ursache zur Freude haben, und halten wir Maß und Ziel in allen Dingen. — „„Verflucht ist der Mann,““ spricht Gott bei dem Propheten (Jer. 17, 5.), „der sich auf Menschen verläßt, und hält Fleisch für seinen Arm.““ Das „historische Zeitblatt,“ früher herausgegeben von Herrn Diakonus Hochstetter, hernach von Buchhändler Bär in Buffalo, wird, wie es in der Nummer des Monats März meldet, wenn sein gegenwärtiger Jahrgang vollendet sein wird, zu erscheinen aufhören. II. Ausland. Neuendettelsau. In einem Bericht über die Missionsanstalt Hrn. Pf. Löhe's in Neuendettelsau, der sich in den „Mittheilungen aus und über Nordamerica“ vom Ja⸗ nuar d. J. findet, heißt es u. A.: „Manchen erweckten Jüngling sendete uns die luthe⸗ rische Kirche in Preußen zu. Aber auch hier scheint der falsch verstandene (?) Eifer für Orthodoxie und lutherische Tradition das Band der Gemeinschaft mit denen zerreißen zu wollen, welche ihre nächsten Verwandten und Verbündeten sind.“ Daß doch Pf. Löhe nie einsehen will, daß eben die das Band der Gemeinschaft zerreißen, welche die Lehr- und Glaubensgemeinschaft aufheben, nicht die, welche nach Zerreißung dieses inneren Bandes die äußere Gemeinschaft nicht mehr pflegen wollen! Dr. Tholuck's Besorgnisse wegen des Rationalismus. Einer vor der Evangelischen Allianz zu Genf gehaltenen und in der Nummer vom 13. Februar der „Reformirten Kirchen⸗Zeitung“ abgedruckten Rede Tholucks entnehmen wir folgende merk⸗ würdige Stelle: „Unter uns hat allerdings der Rationalismus in der Geistlichkeit und in einem Theile der höheren Classen seine Macht verloren; irre ich mich aber nicht, so wird er in einer noch negativeren Gestalt unter uns auftreten und zunächst die Massen ergreifen. Schon sehen wir außerhalb unseres Vaterlandes in der deutschen Schweiz, in Frankreich, Holland, selbst dem gläubigen England, einen so radicalen Rationalismus innerhalb der Kirchen auftreten, welcher bei uns nicht einmal in der Wissenschaft sich durchzusetzen vermocht hat; er ist nur das Echo jener philosophischen Negation, welche bei uns wieder überwunden worden, aber das Echo fällt verdoppelt in unser eigenes Vaterland zurück. Wie ich fürchte, ist die Zeit nahe, wo die alten Kämpfe in verschärfter Weise werden durch⸗ zukämpfen sein.“ Also auch Tholuck merkt, daß die armen Gemeinden von dem tödtlichen Gift des Rationalismus, das erst so ruchlos in sie hineingebracht worden ist, noch keines⸗ wegs geheilt sind. C. Hengstenberg und die preußischen Lutheraner. Ersterer stellt sich laut seines diesjährigen Vorworts im Wesentlichen auf die Seite des Ober-Kirchencollegiums. Ohne Zweifel werden in diesem Streit Dr. Hengstenberg durch dasselbe die Augen gehalten, was ihn in der Landeskirche Preußens so festhält, durch den Gedanken, daß die Kirche allein in ihrer Verschmelzung mit dem Staate zu Erfüllung ihrer Mission befähigt wird. Dies bringt den ausgezeichneten Theologen u. A. zu der höchst gefährlichen Bemerkung über Matth. 20, 25., Luc. 22, (25.) 26.: „Es gibt nach ihm (diesem Ausspruch) unter den