# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S123 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 123 Dr. Brownson und der Erzbischof Hughes. Der Nummer des „Ob⸗ server“ vom 14. Februar d. J. entnehmen wir die Nachricht, daß der in früheren Heften bereits erwähnte Convertit Dr. Brownson, anfänglich ein wüthender Papist, mit dem Erz⸗ bischof Hughes nun auch über die Sclaverei in einen Schriftstreit gerathen ist. In einer früheren Nummer seines „Reviews“ hatte Dr. Brownson die Emancipation der Sclaven als die wahre Kriegspolitik der Regierung ernst und beredt empfohlen. Darauf hatte der Prälat in dem „Metropolitan Record“ erwidert, und die entgegengesetzte Stellung einge⸗ nommen. Als Antwort Brownsons erschien nun in seinem Review ein Artikel mit der Aufschrift: „Erzbischof Hughes über Sclaverei.“ Davon berichtet der „Observer:“ „In dieser Erwiderung geißelt Brownson ihn (den Prälaten) sehr unbarmherzig.“ Die Entgegnung des Erzbischofs ist, wie es scheint, noch nicht erfolgt. — C. Curiosum. Als solches müssen wir unsern l. Lesern doch mittheilen, daß in der Märznummer des „historischen Zeitblattes“ der theuere Harleß als „nicht mehr zur Kirche gehörig“ erklärt wird. Herr Diaconus Hochstetter berichtet dort über die Bayerische Generalsynode und zumal über den Antrag der Löheaner, die er jedoch politisch genug gar nicht mit Namen nennt. Da wird denn natürlich die Sache so dargestellt, als habe Har⸗ leß der Abendmahls-Mengerei das Wort geredet. Daß er ächt lutherisch in Abrede stellt, daß der Sache auf kirchenregimentlichem Weg durch rechtliche Bestimmung könne geholfen werden, das geht ja freilich über den Captus der Grabauianer hinaus, die am liebsten aus der Casuistik ein Corpus jur. can. machen würden. Seine vorgeblich unirte Praxis aber wird auf seine Missourische Irrlehre von der Kirche zurückgeführt und das schreckliche Facit ist kraft Hochstetterischer Entscheidung buchstäblich wie folgt: „Wir halten so viel von der geistlichen Zugehörigkeit zu der wahren Kirche, daß wir erachten, ein Mann, der das öffent⸗ liche Bekenntniß so gründlich verleugnet, gehört trotz seiner großen Titel nicht zur Kirche.“ C. Selbstmord. Der Prediger Adolph Gerwig, früher Redakteur der s. g. „Pro⸗ testantischen Zeitblätter“ in Cincinnati, zuletzt Feldprediger des 37. Ohio Vol. Regiments, hat sich, wie die Ref. Kz. berichtet, vor kurzem selbst erschossen. Politik auf der Canzel ist eine Sünde, die namentlich die americanischen Kir⸗ chen und zwar jetzt in einem besonders hohen Grade befleckt. Nach den jüngst errungenen Siegen der Unionstruppen scheint diese Sünde, anstatt gedämpft zu werden, sich immer mehr zu steigern. Der Herausgeber der Reformirten Kirchenzeitung, B. S. Schneck in Chambers⸗ burg, Pa., erhebt in seinem Blatte vom 13. März laut und muthig seine Stimme dage⸗ gen. Er schreibt darin u. A.: „Hüten wir uns daher, daß wir nicht in den blinden fleisch⸗ lichen Enthusiasmus der schreienden Menge einstimmen. Hüten wir uns vor dem ungöttli⸗ chen Toben Derer, die sich über das Sichtbare nicht erheben können, und deswegen mit dem heidnischen Könige ausrufen: „„Das ist die große Babel, die ich erbaut habe, durch meine große Macht und Herrlichkeit.““ (Dan. 4.) Man gehe lieber in das stille Kämmerlein, danke dem lieben Gott auf den Knieen, und bitte Ihn, daß die Kriegsnoth bald vorübergehen möge. Es ist zu bedauern, daß sogar manche unserer christlichen Blätter sich in einem äußerst unwürdigen Tone über diesen Gegenstand zu äußern pflegen. Wenn es je nöthig ist unsere Freude mit heiligem Ernste zu mildern, so ist es wenn wir Triumphe feiern, die durch vieles Blutvergießen errungen wurden. Da gilt das Wort des Psalmisten: „„Freuet euch mit Zittern.““ Besonders haben Prediger sich zu einer solchen Zeit zu hüten, damit sie kein frem⸗ des Feuer auf den Altar Gottes bringen. Es ist wirklich betrübend zu sehen, wie aus religiösen und politischen Blättern hervorgeht, daß angesehene Prediger ihr Amt auf die gemeinste Weise herabwürdigen und die heilige Canzel durch politische Jubelei und die bitter⸗ sten Gehässigkeiten auf die Gegenparthei, zu entheiligen vermögen. Das schmeichelt allerdings dem großen Haufen — den Massen des Volkes. Das macht solche Prediger aller⸗ dings famös und populär für den Augenblick; aber wehe ihnen! „„Sie säen Wind und werden Sturmgewitter einernten.““ Sie bringen den weltlichen Geist mit Macht in die Kirche hinein und treiben den Geist Jesu Christi aus den Herzen hinaus, und laden