# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 22_S101 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) res, wirkliches Blut. Die Worte ſind offenbar ſo klar und ſo einfach, daß ſie jedes Kind verſte⸗ hen kann, und daß nur der, welcher anfängt, mit ſeiner ſtolzen Vernunft und mit ſeinem ungläu⸗ bigen Herzen zu Rathe zu gehen, auf die Gedan⸗ ken kommen kann, ſie nicht in ihrer eigentlichen Bedeutung nehmen zu wollen. In den Worten ſelbſt liegt nicht der allermindeſte Grund dazu. 2.) Eine andere gegründete Urſache dafür, die fraglichen Einſetzungsworte uneigentlich zu neh⸗ men, wäre, wenn dieſelben an einer anderen Stelle der heiligen Schrift für bildlich erklärt und nach ihrem eigentlichen Verſtande ausgelegt würden. Dies kommt in der heiligen Schrift nicht ſelten vor. Nicht nur wird von allen in der heiligen Schrift vorkommenden Parabeln (Gleichnißreden) ausdrücklich geſagt, daß es eben Parabeln ſeien und daß daher die darin vorkommenden Worte einen geheimen, uneigentlichen Sinn haben, wir finden auch nicht ſelten, daß einzelne bildliche Ausdrücke an anderen Stellen als ſolche bezeichnet und ausgelegt werden. Z. B. wird das Wort „Sauerteig“ Matth. 16, 6. von Chriſto gebraucht; die Apoſtel verſtehen dieſes Wort erſt eigentlich, aber bald darauf erfahren wir (Vers 12.), daß Chriſtus damit uneigentlich geredet und die falſche „Lehre“ der Phariſäer und Sadducäer verſtanden habe. Ferner nach Joh. 2, 19. redete Chriſtus einſtmals von einem „Tempel“, was die Juden auch eigentlich verſtanden; der Evangeliſt aber ſagt, Chriſtus habe hier uneigentlich geredet und unter dem Tempel ſeinen „Leib“ verſtanden. Vers 21. Ferner ſpricht Chriſtus Luc. 11, 20., daß er den Teufel durch „Gottes Finger“ austreibe; dies wird durch Matth. 12, 28. erklärt, wo es heißt: „So ich aber die Teufel durch den Geiſt Goltes austreibe“ ꝛc. — Findet ſich nun etwa auch eine ſolche Erklärung der Worte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, wie ſie Marcus (14, 22. 24.) aufgezeichnet hat, in der Schrift eines anderen Evangeliſten oder Apoſtels? — Keinesweges. — Weder Matthäus, noch Lucas, noch St. Paulus, welche ebenfalls die Einſetzung des heiligen Abendmahls berichten, geben auch nur die geringſte Andeutung, daß jene Worte un⸗ eigentlich zu verſtehen ſeien; keiner ſpricht: „Das iſt ein Zeichen, ein Symbol, ein Siegel, ein Unterpfand, eine Erinnerung meines Leibes“ ꝛc., ſondern alle vier Berichterſtatter reden mit Einer Stimme vom „Leibe und Blute“ Chriſti ſelbſt. Auch in einer Parallelſtelle findet ſich alſo nicht der mindeſte Grund, jene Einſetzungsworte uneigentlich zu nehmen, ja, wir werden weiter unten hören, daß alle anderen auf das heilige Abendmahl bezüglichen Stellen des Neuen Teſta⸗ mentes nur dazu dienen, die eigentliche Be⸗ deutung der Einſetzungsworte als die allein rich⸗ tige unwiderſprechliche zu erweiſen. (Fortſetzung folgt.) Ueber die Schlüſſelgewalt, die Abſolution und die Beichte. (Aus der Harleß'ſchen Zeitſchrift.) (Fortſetzung.) Wie ſo überaus gnädig iſt doch der HErr, der, weil er die Kleingläubigkeit, die Blödigkeit, den 10¹ Wankelmuth unſeres natürlichen Sinnes kennt, uns nicht blos die vielen theuer verbürgten und beſchworenen Verheißungen ſeines Wortes gege⸗ ben hat, um unſern Glauben zu ſtützen und zu ſtärken, ſondern dazu auch noch die beiden heiligen Sacramente als zwei große eigenhändige, an den königlichen Freibrief ſeines Wortes gehängte Sie⸗ gel, um der Vergebung unſerer Sünden uns deſto feſter zu verſichern. Aber nicht allein das, er hat auch das Amt der Schlüſſel eingeſetzt, und verſie⸗ gelt uns ſeine Verheißung, ſeinen Gnadenwillen, ſeine Liebe durch den Mund ſeiner Knechte. Er hat viele Mittel geordnet, um unſer Herz gewiß zu machen, daß wir durch den Glauben an Chri⸗ ſtum und ſein Verdienſt Vergebung der Sünden haben; eine redliche Seele, die in Geiſtesarmuth ſteht und nach Gerechtigkeit hungert und dürſtet, verachtet der keinen, ſondern ruft dem HErrn dan⸗ kend aus: Wir haben keinen Mangel an irgend einer Gabe (1 Cor. 1, 7.)! Nur ein hoffärtiger, auf falſchen geiſtlichen Höhen einherfahrender Geiſt, der nicht gelernt oder verlernt hat, was täg⸗ liche Buße ſei, wird über der innern Gna⸗ denverſicherung die Abſolution verach- ten. Wo du nicht Vergebung im Wort ſucheſt, ſagt Luther aus eigener Erfahrung, ſo wirſt du umſonſt gen Himmel gaffen nach der Gnade, oder wie ſie ſagen, nach der innerlichen Vergebung. Der HErr, der das Amt der Schlüſſel geordnet und zu Wort und Sacrament auch noch die Ab⸗ ſolution als eine unverſiegbare Troſtquelle ſeiner Kirche hinzugethan hat, der kennt ja die Bedürf⸗ niſſe der Seelen am beſten, und daß die Abſolu⸗ tion denſelben entgegenkommt, hat durch unzählige Thatſachen durch alle Zeiten hindurch ſich be— währt. Darum hat der Herr ſelbſt durch ſeinen Geiſt unſere Kirche geleitet, daß ſie, obſchon ſie die papiſtiſche Ohrenbeichte als eine Marterbank der Gewiſſen verwerfen mußte, um in der Freiheit zu beſtehen, damit uns Chriſtus befreit hat, doch die göttliche Berechtigung der Schlüſſelgewalt, als des Mittelpunktes der Seelſorge, und die vor Gott und durch Gott gültige Kraft des Binde-⸗ und Löſeſchlüſſels, feſt auf dem Grunde des göttlichen Wortes beharrend, vollſtimmig anerkennt. Auf dem Wege gründlicher Herzensbuße und tiefer Erkenntniß des menſchlichen Verderbens hatten unſere erſten Bekenner erkannt, daß Herz und Ge⸗ wiſſen, wenn ſie durch das Geſetz Gottes zerſchla⸗ gen ſind und den Zorn Gottes fühlen, allein durch die Zuſage göttlicher Gnade mittelſt des Wortes und beſonders auch mittelſt des tröſtlichen Wortes der Abſolution aufgerichtet werden können. Der Glaube wird geſtärkt durch die Predigt des Evan⸗ geliums, durch das Wort der Abſolution, durch die Empfahung des Sacramentes, damit er in ſolchen Schrecken und Aengſten des Gewiſſens nicht untergehe — das iſt die aus unſern Bekennt⸗ nißſchriften allenthalben uns entgegenklingende Lehre. „Es ſcheinet nichts“, ſchreibt Luther, „wenn ein betrübter Menſch von Sünden losge⸗ ſprochen wird; aber wenn man's recht könnte an⸗ ſehen, und ausſtreichen beides das Amt und den Schatz, ſo da gegeben wird, ſo iſt aller Kö⸗ nige und Kaiſer Amt, Macht und alle Güter, ſo die Welt hat, dagegen ein lauter Nichts.“ Die Schlüſſelgewalt, welche der HErr dem Lehramte verliehen, iſt aber keine richterliche, keine weltliche Gewalt, wozu ſie in der römiſchen Kirche gemacht wird, ſondern eine rein geiſtliche, auf den innern Menſchen gerichtete. Denn geiſtliches und weltliches Regiment ſind, wie unſere Bekenntniß⸗ ſchriften gegenüber der Vermiſchung beider in der römiſchen Kirche lehren, ſtreng zu ſcheiden; die Obrigkeit führt das Schwert (Röm. 13, 4.), die Kirche hat kein anderes Zucht⸗ und Vertheidi⸗ gungsmittel, als das Wort Gottes. Wie Chri⸗ ſtus nicht in die Welt geſandt iſt, daß er die Welt richte, ſondern daß die Welt durch ihn ſelig werde Joh. 3, 17., ſo hat er auch ſeine Jünger nicht zu Richtern geſetzt, ſondern zu Boten des Heils; nicht zu Herren über unſern Glauben, ſondern zu Gehülfen unſerer Freude (2 Cor. 1, 24.); ſie ſind des Bräutigams Freunde, die demſelben gerne die Gemeine als eine makelloſe Jungfrau zuführen möchten; er hat ihnen Macht gegeben zu beſſern und nicht zu verderben, 2 Cor. 10, 8.; er hat ihnen befohlen die Gemeinde williglich und von Herzensgrund zu weiden, nicht über ſie zu herr—⸗ ſchen, 1 Petri 5, 2. 3. „Ihr wiſſet“, ſagt er zu den Apoſteln, „daß die weltlichen Fürſten herr⸗ ſchen und die Oberherren haben Gewalt: ſo ſoll es nicht ſein unter euch“. Matth. 20, 25.26. Er zeigte ihnen an dem Bilde eines Kindes, daß alle ihre Hohheit in der Selbſterniedrigung be⸗ ſtehe. Matth. 18. Den der Zeit des Neuen Te⸗ ſtamentes nicht angemeſſenen fleiſchlichen Eifer des Johannes und Jacobus weiſt er mit den Worten zurück: „Wiſſet ihr nicht, welches Geiſtes Kinder ihr ſeid? Des Menſchen Sohn iſt nicht kommen, der Menſchen Seelen zu verderben, ſondern zu er⸗ halten.“ Luc. 9, 55. 56. Die Apoſtel ſollen, wenn man ſie nicht aufnehmen will, den Staub von ihren Füßen ſchütteln; ſie ſollen, wenn man ſie in einer Stadt verfolgt, in eine andere fliehen. Matth. 10. Sie waren mit der Gabe Wunder zu thun ausgerüſtet, nur zum Beweiſe, daß das Himmelreich nahe herbeigekommen ſei; ſonſt hatten ſie keine andere Waffe, als die Sache des HErrn, der ſie lebten und zu ſterben bereit waren, den Schutz Gottes, ihr Gebet und ihre Tränen. So ſoll auch der Binde- und Löſeſchlüſſel für das Lehramt nur ein Mittel ſein, die Seelſorge zum Heil der Seelen deſto kräftiger und nachdrücklicher auszuüben; wehe denen, die ihn irgend⸗ wie zum Werkzeug ihrer Selbſtſucht mißbrauchen! Er wird entweiht, wenn die Glieder der Kirche dadurch unter menſch⸗ liches Anſehn geknechtet; wenn redliche Seelen dadurch gequält, ſchwache Gewiſſen da⸗ durch verwirrt, irgendjemand, ſelbſt wenn es Verächter wären, dadurch äußerlich be⸗ einträchtigt wird. Die Amtsanweiſung des HErrn lautet nicht weiter, als die Bußfertigen der Laſt ihrer Sünden zu entbinden, die Unbuß⸗ fertigen aber, ſo lange ſie in dem Stande der Un⸗ bußfertigkeit verharren, zu ihrem Schrecken zu feſſeln. Beides geſchieht durch das Wort — wer es hört, der hört es; wer es nicht hört, der