# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S119 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Neue Litteratur. 119 Völker geschlungen haben und alle Kräfte in ihren Dienst nehmen, indeß die Theologie aller Art zersplittert und zertheilt, die doch ihrem Berufe und ihrem Stoffe nach einigen sollte in dem Einen Heile, welches allen Völkern bestimmt ist. Das ist ein sehr kläglicher und niederschlagender Anblick, der wahrlich nicht dazu ermuthigen wird, sich den Irrgewinden theologischer Wissenschaft anzuvertrauen; und es wird wenig helfen, daß man über den abnehmenden wissenschaftlichen Sinn klagt, nachdem man selber so reichlich dazu geholfen hat.“ Neue Litteratur. Unter unsern litterarischen Intelligenzen ist schon früher der erste Band der „lutherischen Dogmatik“ von Dr. K. F. A. Kahnis, Prof. der Theol. zu Leipzig, angezeigt worden, der im vorigen Jahre bei Dörffling u. Francke in Leipzig erschienen ist. In der „theologischen Zeitschrift“ von Dieckhoff und Kliefoth in Mecklenburg, im Decemberheft v. J., ist der erste Theil einer eingehenden Kritik aus der Feder des erstgenannten Herausgebers erschienen, aus welcher wir unsern Lesern Folgendes mittheilen. „In diesem Buche,“ beginnt Dieckhoff, „vollzieht Dr. Kahnis seinen freilich schon früher („„der innere Gang des deutschen Protestantismus.““ 2. Aufl. 1860) deutlich genug angekündigten Abfall von der Wahrheit des lutherischen Bekenntnisses. Es ist das ein Ereigniß, an welchem die lutherische Theologie nicht mit Stillschweigen vorübergehen kann. Es ist ein schweres Aergerniß, wenn ein Theologe, der eine Zeitlang und zwar in hervortretender Weise das Bekenntniß unserer Kirche und seine Rechte vertreten hat, nun, in der Zeit, da die Sache des lutherischen Bekenntnisses und der lutherischen Kirche von Neuem eine schwer bedrängte ist, von dem abfällt, und das als falsch verurtheilt, was er früher vertheidigt hat.“ Weiter unten heißt es: „Wir dürfen uns einer solchen strengen Prüfung der Theologie des Dr. Kahnis um so weniger entziehen, je weniger wir es uns — und zwar als einen für die Beurtheilung des Dr. Kahnis eintretenden mildernden Umstand — werden verbergen können, daß er mit gewissen Grundschäden seiner Theologie innerhalb der sogenannten lutherischen Theologie der letzten Decennien keineswegs ganz isolirt dasteht, und je weniger wir andererseits länger unterlassen dürfen, die Thatsache anzuerkennen, daß die lutherische Theologie überhaupt in eine neue Zeit der Prüfung und der Sichtung hineingestellt ist, in der sie sich bis in ihre letzten Gründe und Fundamente hinein von Neuem zu bewähren und in der Kraft der sicher begründeten Wahrheit des Evangeliums zur Geltung zu bringen hat.“ „Dr. Kahnis hat ein Recht darauf, daß man die subjective Ehrlichkeit in seinen theologischen Entwickelungen nicht in Zweifel ziehe, und wir, die wir den Grund seiner theologischen Wandlungen in der Unsicherheit der Grundlagen und der Methode seiner Theologie sehen, sind weit davon entfernt, jenen Zweifel auch