# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1862_S117 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 117 Wie es um die lutherische Kirche Deutschlands in Absicht auf die Lehre steht. Darüber schreibt Dr. Münkel in dem diesjährigen Vorwort zu seinem Neuen Zeitblatt u. A. Folgendes: „Unter denen, die zum lutherischen Bekenntnisse halten, findet sich allerdings noch ein gemeinsamer Grundstock der Lehre, und man sieht es den Schüssen und Trieben mehr oder weniger an, woher sie ihren Saft gezogen haben. Allein nichtsdestoweniger ist die Mannigfaltigkeit sehr groß, und nicht wenige Produkte möchte man fragen: Freund, wie bist du hereingekommen? Schwerlich ist noch Eine Lehre übrig geblieben, welche nicht Umbildungen, Zusätze und Ausmärzungen in erheblichem Maße erfahren hat. Man hebe von der Dreieinigkeit an, gehe weiter zu den Lehren von der Person und dem Werke Christi, vom Glauben und der Gerechtigkeit, von den Sacramenten und der Kirche bis zu den letzten Dingen, man wird kaum noch etwas in seiner alten Gestalt und in seinem vormaligen Werthe finden. Nicht selten ist es dermaßen verändert, daß nur der alte Rahmen noch an das alte Bild erinnert, und bisweilen ist sogar der Rahmen als gar zu knapp und altfränkisch zerschlagen. Eine kleine Probe mag das anschaulich machen. Wenn Christus nach der Kirchenlehre auch in seiner Niedrigkeit wahrhaftiger Gott ist, so hat man ihn jetzt der göttlichen Eigenschaften entleert, ohne welche die Gottheit gar nicht gedacht werden kann, oder man läßt sich seine Gottheit allmählich bis zur Auferstehung in ihn hineinarbeiten. Der Tod Christi hat es sich gefallen lassen müssen, daß er nicht mehr zur Sühne an unserer Statt und zur Versöhnung mit Gott geschehen ist. Die Gerechtigkeit des Glaubens durch die Gerechterklärung Gottes soll zu hölzern und äußerlich sein; in etwas verdeckter Weise zieht man wieder die Werke heran. Gesetz und Evangelium mengt man wieder zusammen. Das Wort Gottes und die Predigt wird so zurückgestellt, als wenn die Sacramente die Hauptsache thun, jedenfalls erst Leben in die Kirche bringen müßten. Die sichtbare Kirche kommt wieder zu solcher Wichtigkeit, als wenn sie die wahre Kirche, die Inhaberin aller Verheißungen Gottes wäre. Und was soll ich von dem Verhältnisse der Kirchen, von Amt und Regiment, von Chiliasmus und ewigem Leben sagen? Die Streitfragen liegen vor jedermanns Augen, und wenn der Streit nicht etwas auf sich hätte, so würde er nicht so heftig sein. „Nun will ich gar nicht untersuchen, was oder wieviel davon recht ist, ich will nicht bestreiten, daß die Theologen ein Recht haben fortzuschreiten nach Gottes Wort, ich will auch nicht zu genau darnach fragen, ob sie Beruf und Fähigkeit dazu haben; ich will mich lediglich an den Thatbestand halten und fragen, was für eine Zukunft er verheißt. Ich setze den Fall, daß wir in allen diesen aufgezählten oder nicht aufgezählten Abweichungen und Veränderungen einig wären, würde das noch lutherische Lehre heißen können, oder würde man den Muth haben, das Fortbildung der lutherischen Lehre zu nennen, was die wesentlichsten Stücke der lutherischen Lehre wie alten